"Wir bräuchten einen Messi, Ronaldo und Xavi"
Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel
München - Mit ziemlicher Sicherheit hat Paul Breitner als Bayern-Kapitän den größten Pokal in der Vereinshistorie gewonnen.
Die 100.000-Euro teure Trophäe hatte die Ausmaße eines Schreibtisches und war derart sperrig, dass sie nach dem Sieg in einem Turnier von Real Madrid 1979 zum Transport nach München auseinandergebaut werden musste.
"Ich konnte den Pokal nicht heben", erinnert sich die FCB-Legende mit einem Schmunzeln an den Moment.
Für den Markenbotschafter des Rekordmeisters ist es nur eine Frage der Zeit, bis seine Nachfolger wieder Pokale und Trophäen in Bayern-Manier stemmen dürfen.
Der Weltmeister von 1974 glaubt nach zwei titellosen Jahren fest an neue Erfolge, im Supercup gegen Dortmund soll der erste Pokal für die Sammlung gesichert werden.
Im SPORT1-Interview spricht Breitner über das Duell gegen Dortmund, die Saisonvorbereitung der Münchner und Bayerns schwierige Situation auf dem Transfermarkt.
SPORT1: Herr Breitner, zuletzt eilte der FC Bayern in der Vorbereitung von Spiel zu Spiel. Ist es aus Ihrer Sicht besser für ein Team, viele Testspiele zu machen oder eher ein reduziertes Programm zu fahren?
Paul Breitner: Das ist einzig und allein die Entscheidung des Trainers, der seine Vorstellung umsetzt. Ob eine Mannschaft zu viele oder zu wenige Vorbereitungsspiele macht, darüber jetzt zu reden ist Humbug. Du kannst 100 Vorbereitungsspiele machen und 100 gewinnen, das ist keine Garantie, dass du optimal in eine Saison startest. Die Vorbereitungsspiele sind nicht das Maß.
SPORT1: Ist denn der Supercup als Teil der Vorbereitung auch bedeutungslos?
Breitner: Nein, seit wann ist ein Spiel gegen Dortmund bedeutungslos? Und seit wann ist der Supercup bedeutungslos?
SPORT1: Kann der FC Bayern mit einem Erfolg im Supercup schon ein Zeichen für die Saison setzen?
Breitner: Der Supercup ist in erster Linie ein Zeichen für die Fans: Hoppla, es geht wieder richtig los und wir bemühen uns wieder, möglichst viele Pokale und Titel zu gewinnen.
SPORT1: Wie bewerten Sie die Chancen, dass Bayern am Ende der Saison mit einem Titel dasteht?
Breitner: Ich sehe die Chancen des FC Bayern, dass wir drei Titel holen genauso wie letztes Jahr um diese Zeit. Ich bin einer von 13 Millionen bekennenden Bayern-Fans. Die würden ihnen alle das Gleiche sagen wie ich: Ich bin überzeugt, dass wir möglichst alle drei Pokale gewinnen. Das werden Sie von mir so lange hören, bis es rechnerisch nicht mehr geht.
SPORT1: Hat sich der FC Bayern aus Ihrer Sicht zur neuen Saison erfolgreich verstärkt?
Breitner: Warum sollten wir denn eine stärkere Truppe brauchen? Vor nicht allzu langer Zeit haben wir das Champions-League-Finale gespielt und waren die klar bessere Mannschaft. Das heißt aber nicht, dass Bayern die beste Mannschaft Europas ist. Das ist weiterhin der FC Barcelona. Es hat aber gezeigt, dass wir hinter Barcelona mit zwei, drei Mannschaften nahe dran sind. Wie wollen Sie diese Mannschaft verstärken?
SPORT1: Erklären Sie es.
Breitner: Wir bräuchten einen Cristiano Ronaldo, einen Messi, einen Xavi, einen Iniesta. Das sind die Spieler, die auf höchstem Niveau jede Mannschaft weiter bringen würden, die kriegen wir aber nicht. Beim FC Bayern bedeutet das Wort Verstärkung, punktuell um Nullkommasoundso Prozent die ein oder andere Position zu verbessern. Ob das gelingt, wissen wir nicht.
SPORT1: Was heißt das für Ihre Bilanz?
Breitner: Wir haben sicherlich den Kader verstärkt. Wir reden immer davon, dass nicht elf Spieler entscheidend sind, sondern 15,16, 17. Da haben wir sicherlich Zugänge bekommen, die diesen Kader positiv ergänzen. Über alles andere kann man sich nach fünf, sechs Spieltagen unterhalten, wenn man sieht, wohin der Hase läuft.
SPORT1: Wie sehen Sie die Verpflichtung von Matthias Sammer als neuen Sport-Vorstand?
Breitner: Matthias Sammer ist ein Zeichen dafür, dass der FC Bayern versucht, auf allen Ebenen die besten Leute zu holen.
SPORT1: Kann Sammer gemeinsam mit Heynckes nun den entscheidenden Impuls geben?
Breitner: Er ist Sport-Vorstand. Für die Mannschaft ist Jupp Heynckes verantwortlich, für den Spielbetrieb ist einzig und allein der jeweilige Trainer verantwortlich. Natürlich wird sich Sammer aber mit Jupp Heynckes austauschen. Der Aufgabenbereich von Matthias Sammer ist aber losgelöst von dem, was auf dem Platz stattfindet.


