Boateng unter Druck - Dante lauert
Von Mathias Frohnapfel und Tobias Wiltschek
München - Die Grätsche nervte Emre Can und das teilte er Holger Badstuber an der Säbener Straße auch gleich lautstark mit.
Beide zeterten, Can schubste und Bayerns Innenverteidiger griff sich den Deutsch-Türken und packte ihn an die Brust, ehe die Teamkollegen schlichtend eingriffen.
Jupp Heynckes und Matthias Sammer beobachteten die Szene von außen.
Und was der Trainer und der Sport-Vorstand sahen, bestätigte ihre Erwartung, dass der Zug im Training vor dem Supercup gegen Dortmund (So., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) stimmt.
Not auf außen - Gedränge in Zentrum
Auf der Außenverteidiger-Position herrscht beim FCB Notstand, nachdem aktuell die drei Außenverteidiger David Alaba, Rafinha und Diego Contento verletzt ausfallen.
Doch in der Abwehrzentrale rangeln derzeit vier Kandidaten um die zwei freien Plätze. Badstuber dürfte gesetzt sein, Jerome Boateng muss indes um seine Position bangen.
Neuzugang Dante präsentiert sich emsig und konzentriert, während auch Veteran Daniel van Buyten auf die Chance lauert.
Der Konkurrenzdruck wächst
"Ich glaube, dass die beiden letzten titellosen Jahre dazu beitragen, dass die Spieler anders zu Werke gehen", sagt Ex-Bayern-Profi Thomas Strunz.
"Auch der Tonfall innerhalb des Klubs hat sich ja geändert; angefangen bei Uli Hoeneß mit der Verpflichtung von Matthias Sammer."
Aus Sicht des SPORT1-Experten wird die Stärke der Abwehr auch davon abhängen, "wie die Mannschaft insgesamt funktioniert und ob sie die Probleme abstellen können, die am Ende dazu geführt haben, dass man hinter Dortmund nur Zweiter geworden ist."
Strunz schnappte sich mit Bayern fünfmal die Meisterschaft, erlebte zudem von 1995 bis 2000 Jahr für Jahr die Rivalität mit Borussia Dortmund.
Boateng patzt gegen Werder
Möglichst fehlerfrei zu spielen, diese Forderung hat Heynckes zuletzt explizit an seine Abwehrspieler gerichtet. Wie ein Baumeister am Oktoberfest-Gelände auf der Theresienwiese wacht er derzeit über die Abstimmung in der Viererkette.
Boateng enttäuschte seinen Chef zumindest am vergangenen Wochenende, als er sich beim LIGA total!-Cup gegen Werder Bremen einen bösen Schnitzer leistete und Nils Petersen traf.
Der Bayern-Profi gab anschließend zu, auch in der Vorsaison "bestimmt einige Fehler" gemacht zu haben, "aber da bin ich nicht der Einzige".
Deshalb glaubt er daran, weiter die Chance zu bekommen, sich auf seiner "Lieblingsposition im Abwehrzentrum" zu zeigen: "Ich möchte mich weiterentwickeln bei Bayern und mehr Verantwortung übernehmen", kündigte Boateng im "kicker" an.
Strunz: Boateng kann es besser
Strunz will sich "mitten in der Vorbereitung" noch nicht auf ein mögliches Startduo in der Innenverteidigung festlegen. Die Nationalspieler seien körperlich noch nicht so weit wie beim Saisonstart.
"In der vergangenen Saison war nicht das Problem, dass Boateng in der Innenverteidigung gespielt hat", erklärt der 44-Jährige: "Klar ist, dass er besser spielen kann, als er es in einigen Spielen gezeigt hat. Aber das müssen die anderen auch erst einmal beweisen."
Neuzugang Dante etwa habe zuletzt in Gladbach "relativ ohne Druck spielen" können.
"Jetzt beim FC Bayern ist das schon eine neue Situation, in der sich auch die Neuzugänge erst einmal einfinden müssen."
Lahm bleibt auf rechts
Heynckes wird seine Abwehrspezialisten in den nächsten Wochen genau beobachten, lediglich in einer Frage hat er sich festgelegt:
Kapitän Philipp Lahm wird weiter auf der rechten Außenposition verteidigen, nicht nach links gezogen. Dass Duo Lahm/Arjen Robben bleibt somit trotz der Abwehrsorgen bestehen.
Boateng kann also nicht nach rechts ausweichen, wie einige Male in der Vorsaison.
Defensive als Trainingsschwerpunkt"
"Wir müssen in der Defensive mannschaftlich geschlossener arbeiten", forderte Heynckes im Endspurt der Saisonvorbereitung.
"Daran werden wir fast täglich arbeiten. Wenn die Spieler ausgeruht und wieder bei Kräften sind, kann man diesen Aspekt auch viel besser trainieren und im Spiel umsetzen."
Heynckes' Ziel ist klar: Er will die Mannschaft in der Verteidigung zu einer Festung machen, wie sie es zu Beginn der Vorsaison darstellte.
Zumindest im Training ist die nötige Leidenschaft im Bayern-Team schon zu spüren.


