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Das ist eher nach Rangnicks Geschmack: Fans an der Basis statt am Scampi-Buffett © getty

Bei Sport1.de bekräftigt Hoffenheims Coach seinen Ärger über Ehrengäste während der Stadion-Neueröffnung.

Von Christian Paschwitz

München - Es hat sich was zusammengebraut über der vermeintlich so heilen Welt bei 1899 Hoffenheim.

Nicht nur, dass sportlich der Schuh drückt. Weil mit Vedad Ibisevic zur zweiten Saisonhälfte nun gerade der Angreifer ausfällt, der mit seinen 18 Treffern den Höhenflug des Sensationsaufsteigers bedingt hat.

Jetzt gibt es auch noch intern Zoff: Ausgerechnet bei der Eröffnung des neuen Stadions sorgte Trainer Ralf Rangnick für öffentliche Misstöne.

Weil es ihm mächtig gegen den Strich ging, dass die Klientel in den VIP-Logen der Rhein-Neckar-Arena wenig Fußball-interessiert daherkam während des Spiels gegen eine Regional-Auswahl (6:2). (Rangnicks Abkehr vom "Hurra-Fußball")

"Habe nichts zurückzunehmen"

"Von meinen Aussagen habe ich grundsätzlich nichts zurückzunehmen", sagte Rangnick dazu im Gespräch mit Sport1.de.

Der Fußballlehrer (Porträt) will damit aber "kein Hoffenheim-typisches" Phänomen beschrieben haben.

Vielmehr beklagt der 50-Jährige einen allgemeinen Verfall der Fan-Kultur. "Wir müssen im Fußball alle miteinander aufpassen, dass die Mischung noch stimmt", meinte er.

"Ich wünsche mir einfach, dass 99 Prozent der Zuschauer wegen des Fußballs in Stadion kommen. Und nicht wegen irgendwelcher anderen Dinge. Wir müssen schauen, dass die Balance stimmt."

Auch Hopp und Zwanziger zu spät

Bedeutet: Dass es auch in den Logenplätzen wieder um Tore und Strafraum-Duelle geht statt um Häppchen und Champagner.

Pikant: Auch Klub-Mäzen Dietmar Hopp und Theo Zwanziger kehrten zu spät an ihre Ehrenplätze zurück.

Der DFB-Boss pflichtete Rangnick zwar im Kern bei: "Im Prinzip hat Ralf Rangnick recht. Ich mag es auch nicht so, wenn für VIP-Gäste anderes wichtiger ist als der Fußball", sagte er der "Bild".

"Nur: An diesem Tag war das Stadion wichtiger, die Leute waren darauf neugieriger als auf das Spiel."

"Vielleicht gab es ja wirklich ein Tischfeuerwerk"

Rangnick sah das anders. "Die Haupttribüne war zehn Minuten nach Wiederanpfiff gerade mal halb voll. So etwas habe ich noch nie erlebt", hatte er am Samstag erklärt und ironisch hinzugefügt: "Vielleicht wurde in den VIP-Räumen auf den Tischen gezaubert."

Am Montag war er wieder besser aufgelegt: "Vielleicht gab es ja wirklich ein Tischfeuerwerk - aber ich habe das auch mit zwei lachenden Augen gesagt."

Trotzdem war ihm innerlich offenbar zum Heulen zumute. "Das Verhalten tat mir in der Seele weh - vor allem, wenn ich daran denke, dass viele Leute keine Karten mehr bekommen haben."

Fan-Erwartungen ans Cottbus-Spiel

Rangnick glaubt aber nicht an einen Wiederholungseffekt, wenn es erstmals in der Rhein-Neckar-Arena um Punkte geht. "Das war ja nun kein normales Bundesliga-Spiel. Ich gehe davon aus, dass das am Samstag gegen Cottbus wieder anders sein wird", sagte er Sport1.de.

Was dafür spricht sind 20.000 vergriffene Abo-Tickets, auf die im neuen Stadion in Sinsheim 2000 VIPs kommen in den Business-Seats der 40 Logen. 55311(die besten Bilder)

Nach dem Spiel gegen die Regionsauswahl hatte der Coach allerdings noch gemurrt: "Wenn das auch beim Rückrundenstart so ist, bekomme ich Probleme mit meinem Gemüt."

Ärger auch wegen des Rasens

Was Rangnick mindestens genauso aufstößt im neuen Stadion ist der Zustand des Rasens, der wenig rutschfest ist: "Die Qualität ist nicht doll. Man geht ja eigentlich davon aus, dass das Teppich ist, vor allem beim ersten Spiel", sagte Rangnick Sport1.de.

"Unser Chef-Greenkeeper sagt, er läge daran, dass der Rasen Anfang Dezember verlegt worden ist und seither Dauerfrost herrscht. Da wächst dann natürlich auch nichts an."

Null bis zwei neue Stürmer

Auf der Transfer-Suche nach Verstärkung für den gehandicapten Angriff könnte der Aufsteiger in den nächsten Tagen dagegen durchaus Vollzug melden: "Wir sind dran", sagte Rangnick, ohne dabei konkreter werden zu wollen.

Nur soviel: "Vielleicht passiert ja im Laufe dieser Woche an der Personalfront noch etwas. Von null bis zwei Leuten ist alles möglich", zitierte er 1899-Manager Jan Schindelmeiser.

Ansonsten würde Rangnick zunächst umstellen von einem Dreier-Sturm auf einen oder zwei Angreifer: "Aber wir haben hoffentlich auch bald wieder Chinedu Obasi (Muskelfaserriss, Anm. d.Red.) dabei. Und Carlos Eduardo (Porträt) ist auch nur die ersten zwei Spiele gesperrt."

Vorn gesund sind derzeit nur Demba Ba und der Brasilianer Wellington, der die Hoffenheimer Erwartungen bisher jedoch nicht erfüllt.

Kai Herdling wiederum, der von Regionalligist Waldhof Mannheim zurückkehrt, ist laut Rangnick vorrangig für die U23 vorgesehen.

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