Alles für die magische 40
Von Reinhard Franke
München - Wie sich die Zeiten doch ändern.
Während es beim 1. FC Nürnberg in der Vergangenheit immer auf und ab ging und Kontinuität ein Fremdwort war an der Noris, hat sich der Club in den letzten beiden Spielzeiten zu einem stabilen Bundesligisten gemausert - dank Trainer Dieter Hecking.
Nürnbergs Ex-Coach Klaus Augenthaler lobt Hecking im SPORT1-Sonderheft ( hier bestellen) und bescheinigt ihm "hervorragende Arbeit".
Am 22. Dezember 2009 kam Hecking nach Nürnberg und mit ihm der Erfolg.
In seiner ersten Saison rettete er den Verein in der Relegation, 2010/2011 schaffte der 47-Jährige mit den Franken einen sensationellen sechsten Platz und im letzten Jahr landeten die Nürnberger auf einem achtbaren zehnten Rang.
Abstiegskampf ist bei den Fans wohl kein Thema mehr. Beim Club kehrt Kontinuität ein. Seit zweieinhalb Jahren hat Hecking das sportliche Kommando und eine kleine, aber erfolgreiche Ära geprägt.
Und dennoch weigert sich der FCN-Trainer vehement, neue Ziele auszugeben.
Teil neun der SPORT1-Bundesliga-Vorschau: der 1. FC Nürnberg.
• Das ist neu:
Neu ist vor allem die Erwartungshaltung im Umfeld des Vereins. Kein Wunder, nach den zwei erfolgreichen Jahren zuvor. Doch das kann Hecking gar nicht leiden.
Er ist der kühle Analytiker, der gerne mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt. Daran ändert auch der 4:2-Sieg in der Vorbereitung gegen Meister Borussia Dortmund nichts.
Auch neu ist der Druck, den Hecking auf seine Spieler ausübt. Das bekam in der Vorbereitung vor allem FCN-Stürmer Alexander Esswein zu spüren, dessen Formkrise hat auch sein Trainer längst bemerkt.
Für Hecking zeigt Esswein bisher "mehr Schatten als Licht".
Auch Zugang Timo Gebhart steht unter scharfer Beobachtung. "Am Anfang war es für Timo etwas ungewohnt, weil wir viel eingefordert haben", sagt Hecking im Gespräch mit SPORT1: "Wir erhoffen uns aber viel von ihm."
Der Druck wächst mit dem Erfolg, das ist im Frankenland nicht anders wie bei anderen Klubs.
• Das muss besser werden:
Eigentlich liefen die beiden letzten Jahre für den Club überdurchschnittlich gut. Das birgt Gefahren. Im Kader und auch dem nächsten Umfeld hat sich ein "Ja, das läuft schon alles"-Gefühl breit gemacht.
Auch das laxe Verhalten in der Rückwärtsbewegung stößt Hecking schon länger sauer auf. In den letzten drei Testspielen gegen Ulm, Dortmund und Ingolstadt haben die Nürnberger jeweils zwei Gegentore bekommen.
"Das schmeckt mir gar nicht", grollt Hecking.
• Das sagt der Trainer:
"Als Trainer muss man immer das große Ganze sehen und es wird sich zeigen, ob wir die Abgänge kompensiert haben und es wird spannend zu beobachten, ob wir noch ein besseres Niveau erreichen werden wie im letzten Jahr. Ich hoffe, dass wir eine ähnlich gute Rolle spielen werden wie in den letzten beiden Jahren", sagt Hecking.
Dass mit dem Ex-Stuttgarter Timo Gebhart lediglich ein bekannter Spieler geholt werden konnte, ist für Hecking kein Problem. Im Gegenteil: Für ihn haben die Neuzugänge "genügend Qualität".
Neben Gebhart kamen Noah Korczowski (Schalke 04, A-Junioren), Sebastian Polter (VfL Wolfsburg, Ausleihe), Roussel Ngankam (Hertha BSC U19), Hiroshi Kiyotake (Cerezo Osaka) und Marcos Antonio (Rapid Bukarest).
"Den einen oder anderen kennt man noch zu wenig, weil er erst am Anfang seiner Karriere ist", erklärt Hecking, "den Einzigen, den man kennt, ist Timo Gebhart und der war ein Jahr verletzt. Das schöne ist, wenn wir die Skeptiker mit unseren Neuen wieder überraschen können."
• Saisonziel:
Träumereien werden von Hecking und Manager Martin Bader erst gar nicht zugelassen. "Es geht wieder darum 40 Punkte plus x zu holen. Das ist immer noch die magische Zahl, die man braucht. Je schneller man die hat, desto sicherer ist man in der Liga", betont Hecking.
• SPORT1-Prognose:
Vom Potenzial dürfte der Club nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Hecking hat in den letzten zwei Jahren gezeigt, wie man aus Talenten gestandene Bundesliga-Spieler macht. Es wird bestimmt nicht einfacher ein Team zu formen, dennoch gibt es genug Substanz in der Mannschaft, um am Ende die magische Zahl 40 zu erreichen.


