"Die Serie ist uns völlig wurscht"
Von Mathias Frohnapfel
München - Um ein Haar hätte Mats Hummels die ersten zehn Minuten des Supercups quasi auslöschen können.
Doch der Kopfball des BVB-Verteidigers kurz nach der Pause strich knapp am Tor vorbei, Dortmund verlor 1:2 gegen den FC Bayern ( Bericht). (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
Und Hummels musste sich darüber ärgern, beim Führungstor von Mario Mandzukic wie Abwehrkollege Neven Subotic nicht ganz auf der Höhe gewesen zu sein.
Dennoch hakte der Nationalspieler die Niederlage rasch ab, auch weil er Schwarzgelb für die neue Saison gut aufgestellt sieht.
Einen Holperstart wie in der Vorsaison, als Dortmund nach sieben Spieltagen acht Punkte hinter dem FCB lag, befürchtet der 23-Jährige nicht.
Im SPORT1-Interview spricht Hummels über das Duell mit dem Rekordmeister, den Endspurt in Dortmunds Vorbereitung und die erste Aufgabe im DFB-Pokal.
SPORT1: Herr Hummels, was waren aus Ihrer Sicht die Gründe für die Niederlage im Supercup gegen den FC Bayern?
Mats Hummels: Die ersten zehn Minuten waren mit und ohne Ball sehr schwach von uns, wir lagen dann verdient hinten. Wir haben aber in der zweiten Halbzeit so gespielt, wie wir es uns vorgestellt haben. Bis auf einen Schuss von Robben haben wir nichts zugelasen, hatten selbst Riesenchancen. Wir haben verdient verloren, weil wir die Anfangsphase verschlafen haben. Doch wir haben auch gesehen, dass es nicht so laufen muss, wenn wir unseren Fußball spielen.
SPORT1: Hatte Ihr Team in der Vorbereitung schwere Beine und deshalb Probleme, in die Partie hineinzufinden?
Hummels: Nein, das auf keinen Fall. Wir waren zu Beginn schwach, die ersten zehn Minuten erschreckend schwach - und Bayern stark.
SPORT1: Ihr Trainer Jürgen Klopp hatte zuletzt mehr Galligkeit angemahnt. Wie weit sehen Sie den BVB auf dem Weg, die wiederzuerlangen?
Hummels: Unser Trainer steht unter Strom, sobald ein Fußballspiel angepfiffen wird. Wir wissen aber, dass man es in der Vorbereitung auch mal ein bisschen ruhiger angehen muss, weil er uns dann am nächsten Tag zweimal mehr laufen lässt. Es gab da sicher ein, zwei Partien, die ihm nicht gut gefallen haben. Das muss er als Trainer auch anmahnen. Man kann aber in der Vorbereitung nicht mit der gleichen Leidenschaft spielen, wie es in der Bundesliga der Fall ist. Ich denke, das wird jeder so sehen.
SPORT1: Bayern hat nach fünf Pleiten in Folge den BVB geschlagen. Tut die Niederlage besonders weh, weil so eine historische Serie zuende gegangen ist?
Hummels: Also die Serie ist uns völlig wurscht. Wir wollen jedes einzelne Spiel gewinnen, das haben wir nicht geschafft und sind deshalb unzufrieden. Ob wir zuvor fünfmal gewonnen oder verloren haben, das hat für unser Gefühl keine Auswirkung. Und: Ich verliere lieber im Supercup als in der Bundesliga.
SPORT1: In der Vorsaison hatte der BVB nach dem Meistertitel zu Beginn einige Probleme, startete mäßig in die neue Spielzeit. Was waren damals die Gründe dafür? Könnte es diesmal genauso laufen?
Hummels: Man kann das nicht ausschließen. In der letzten Saison waren wir nach dem 3:1 gegen Hamburg, als wir auch 8:0 hätten gewinnen können, etwas zu überzeugt von uns, ohne zu wissen, wie schwach Hamburg in dieser Phase war. Von der enormen Gegenwehr in Hoffenheim und Hannover waren wir dann überrascht. Ich glaube nicht, dass uns das nochmal passiert. Sollten wir aber wieder eine schwächere Phase haben, wird uns das nicht umwerfen.
SPORT1: Marco Reus ist von Gladbach für 17 Millionen Euro zum BVB gewechselt. Wie läuft bisher die Integration des BVB-Rückkehrers?
Hummels: Seine Integration ist gar kein Problem, er kennt viele von uns schon länger und ist ein Super-Typ. Er wird ein Top-Neuzugang. Wenn er einigermaßen so spielt, wie man es von ihm kennt, wird das eine herausragende Saison von ihm.
SPORT1: Denken Sie, dass er das BVB-Spiel auf eine andere Weise beeinflussen wird als zuvor Shinji Kagawa?
Hummels: Natürlich haben sie unterschiedliche Qualitäten. Die Abschlussstärke, der Variantenreichtum und die Pfiffigkeit zeichnet aber beide aus. Marco hat durch seine Standards und seine Schüsse aus 25 Metern nochmal ein anderes Markenzeichen. Wenn er die richtig einsetzen kann, haben wir viel Spaß daran. Shinji war zwei Jahre lang großartig, von Marco erwarten wir uns das Gleiche.
SPORT1: Woran gilt es bis zum DFB-Pokalspiel beim Regionalligisten Oberneuland zu arbeiten?
Hummels: Wir müssen im Spiel gegen den Ball mehr Leidenschaft zeigen und im Spiel mit dem Ball mehr Mut am Fuß zeigen. Das hat uns gegen Bayern gefehlt in der ersten Halbzeit. Das führt dazu, dass der Gegner dann mehr Selbstvertrauen hat.
SPORT1: Ist es überhaupt vorstellbar, dass der BVB als Meister gegen den Underdog ausscheidet?
Hummels: Das kann immer passieren, das bringt der Pokal mit sich. Als Fan mag ich das, als Spieler würde ich gerne darauf verzichten. Deshalb werden wir das Spiel zu 100 Prozent ernst angehen.


