Schalker Keeper-Roulette: Hildebrand Favorit
Von Thorsten Langenbahn
Gelsenkirchen - Der Moment der Entscheidung rückt immer näher: Aus drei mach eins, lautet die Aufgabe für Schalkes Trainer Huub Stevens bei seinem Torhüter-Casting.
Sechs Wochen lang hatten die Kandidaten Zeit, sich für den Stammplatz zwischen den Pfosten beim Champions-League-Teilnehmer zu empfehlen.
Beworben auf den Titel "Schalkes next Top-Torhüter" haben sich Ralf Fährmann (23 Jahre/1,96 Meter/93 Kilogramm), Lars Unnerstall (22/1,98/100) und Timo Hildebrand (33/1,86/80).
Und einer ist, erstmal, raus. Fährmann reist nicht mit zur ersten DFB-Pokalrunde beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken (So., ab 15.45 Uhr im LIVE-TICKER).
"Er ist lange Zeit verletzt gewesen, ihm fehlt die Spielpraxis. Deshalb wird er bei der U 23 spielen", erklärte Stevens am Freitag, erkärte aber: "Das ist eine Momentaufnahme".
Stevens legt sich im Pokal fest
Ob Unnerstall oder Hildebrand in Saarbrücken beginnen, hat Trainer Huub Stevens dagegen noch nicht verkündet.
"Der Torhüter wird in der Regel nicht so oft gewechselt. Wenn sich der Trainer für einen entschieden hat, hat der gewisse Vorschusslorbeeren. Die muss er erstmal erfüllen", sagt Schalke-Manager Horst Heldt zu SPORT1.
Das könnte heißen: Wer am Sonntag im Ludwigspark aufläuft, startet auch eine Woche später bei Hannover 96 mit einem Bonus in die Liga.
Stevens will einen Stammtorhüter, von Rotation hält der 58-jährige Niederländer auf dieser Position nichts. Der Niederländer versicherte am Freitag aber auch, das der Pokal-Keeper nicht zwangsläufig am ersten Spieltag im Tor stehen muss.
Unnerstall mit beeindruckender Entwicklung
"Es ist ein spannender Kampf. Alle drei sind sehr gute Torhüter. Der Trainer hat die Qual der Wahl", sagt Heldt über das Schalker Luxusproblem.
Unerstall brachte es in der vergangenen Saison auf die meisten Spiele der drei Kandidaten. In diesen 21 Partien hielt er sechsmal die Null.
"Lars hat in den zurückliegenden anderthalb Jahren eine sensationelle Entwicklung genommen", lobt Heldt.
Der Lohn: Die vorzeitige Vertragsverlängerung Anfang August. Unnerstall unterschrieb für zwei weitere Jahre bis zum 30. Juni 2015.
Achillessehnenprobleme zum Vorbereitungsstart
"Die vergangene Saison war schon eine sehr gute, weil er ins kalte Wasser geworfen wurde und dabei dem großen Druck standgehalten hat. Das zeugt von enormer Qualität", lobt Heldt das Top-Talent.
Unnerstall war am neunten Spieltag für den verletzten Fährmann nach dessen Kreuzbandriss eingesprungen - und hatte seine Aufgabe gut gelöst.
Zuvor hatte der lernwillige Schlussmann bereits Matthias Schober (36) als Nummer drei verdrängt. Der Routinier hat seine Profikarriere inzwischen beendet.
Zu Beginn dieser Vorbereitung musste Unnerstall allerdings zwischenzeitlich wegen Achillessehnenproblemen pausieren. Ein kleiner, aber vielleicht entscheidender Nachteil.
Erfahrung spricht für Hildebrand
Favorit auf die Nummer eins scheint der im Winter nachverpflichtete Timo Hildebrand zu sein. Der siebenfache Nationaltorwart ist mit 33 Jahren der Älteste im Schalke-Kader und hat mit 265 Bundesligaeinsätzen die meiste Erfahrung.
"Ein wichtiger Aspekt des Torhüterspiels", wie Hildebrand meint. Der Deutsche Meister mit dem VfB Stuttgart 2007 empfahl sich schon frühzeitig im Test gegen den AC Mailand (0:1).
In der vergangenen Saison war er erst durch eine Schultereckgelenksprengung von Unnerstall ins Tor gerückt - bis er in der Europa League gegen Bilbao mit einer Ellenbogenverletzung ausschied. Unnerstall übernahm wieder.
Fans haben klaren Favoriten
In der Vorbereitung hinterließ Hildebrand, der seinen Vertrag schon im Mai bis 2014 verlängert hatte, den besten Eindruck aller Kandidaten.
Und auch die Fans sprechen sich klar für den Routinier aus. Im Rahmen einer von Hauptsponsor "Gazprom" organisierten Abstimmung, an der sich mehrere Tausend Anhänger beteiligten, erhielt der 33-Jährige Hildebrand rund 300 Stimmen mehr als Unnerstall.
Fährmann fehlt die Spielpraxis
Und was ist mit Ralf Fährmann? Der trägt zwar das Trikot mit der Nummer 1 und nimmt auf dem offiziellen Schalker Mannschaftsfoto die goldene Mitte zwischen Unnerstall (Rückennummer 36) und Hildebrand (Nr. 34) ein.
Der direkte Weg zwischen die Pfosten lässt sich aus dieser Momentaufnahme in der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn freilich nicht ableiten.
Pech für Fährmann: Der 2011 von Eintracht Frankfurt nach Gelsenkirchen zurückgekehrte 23-Jährige (insgesamt 30 Bundesliga-Einsätze) muss sich nach seinem Kreuzbandriss wieder neu beweisen.
Durch seine fehlende Spielpraxis hat der vor einem Jahr noch potenzielle Schalker Nachfolger von Nationaltorwart Manuel Neuer zurzeit die schlechtesten Karten. Auch im Milan-Test sah er beim einzigen Gegentreffer nicht souverän aus.
Einer muss auf die Tribüne
Für einen wird es letzten Endes jeweils heißen: "Sorry, heute leider kein Foto von Dir auf dem Platz!" Von einem wird es nur ein Motiv auf der Tribüne geben.
Tribüne? "Das kann immer sein", weiß auch Unnerstall. Doch der Jüngste im Trio gibt sich kämpferisch: "Ich will wie im letzten Jahr spielen und bin zuversichtlich, dass das klappt."
Fährmann sagt: "Ich wäre schon sehr enttäuscht, wenn ich die Nummer drei würde. Ich bin jetzt wieder heiß darauf zu spielen."
Konkurrenzkampf ohne Zickereien
Zickenkrieg unter den SNTT-Kandidaten gibt es aber keinen. "Das Verhältnis ist gut", beteuert Unnerstall.
Der muss es wissen. Schließlich teilte er sich im Trainingslager mit seinem Konkurrenten "Ralle" Fährmann sogar ein Zimmer.
Die Show wird weitergehen. Wie schnell sich das Blatt dabei wenden kann, hat die vergangene Saison gezeigt.


