Bayern geht hohes Risiko
Die Uhr tickte, denn der Transfermarkt schließt am Freitag.
Doch der FC Bayern hat das Rennen gegen die Zeit gewonnen.
Javier Martinez landete Mittwochnacht in München, absolvierte den Medizincheck und unterschrieb am Mittwoch einen Fünfjahresvertrag beim FC Bayern.
Damit ist eine scheinbar unendliche Geschichte zu Ende, nachdem die Münchner wochenlang mit den Basken um den neuen Star gerungen haben.
40 Millionen Euro Ablöse wird der deutsche Rekordmeister für den Spanier ausgeben, der Defensivarbeiter von Athletic Bilbao ist damit der teuerste Transfer in der Bundesliga-Historie überhaupt.
Dass Martinez angeblich Abstriche beim Jahresgehalt macht, ändert nichts an dem Rekordeinkauf.
Die von Präsident Uli Hoeneß angekündigte "Bombe", voila, da ist sie.
Beim FCB hat sich damit die Fraktion durchgesetzt, die nach der Saison der Enttäuschungen und den drei zweiten Plätzen mehr Risiko gefordert hat.
Alle Bedenken, eine derart große Summe für einen defensiven Mittelfeldspieler auszugeben, haben die Bosse beiseite gewischt.
Und auch dass sein Marktwert nach Expertenmeinung deutlich unter 40 Millionen Euro anzusiedeln ist, brachte die FCB-Führung nicht von ihrem Vorhaben ab. Die Mini-Trophäe Supercup hat die Sehnsüchte nach Titeln eher angeheizt als gestillt, der Rivale Dortmund soll endlich wieder überholt werden.
Bei der EM machte Martinez nur ein Spiel, die Münchner glauben dennoch an ihre Investition in den Ersatzspieler der "Furia Roja".
Denn die Verpflichtung von Martinez ist auch ein Zeichen an den aktuellen Kader: Die Qualität im so wichtigen Sektor vor der Abwehr erscheint Trainer Jupp Heynckes und Sport-Vorstand Matthias Sammer nicht hoch genug.
Luiz Gustavo trägt damit trotz einiger guter Leistungen in der vergangenen Saison künftig nur noch das Prädikat 1b und Anatoliy Tymoshchuk war schon zuletzt nur noch ein besserer Notnagel.
Doch auch das Zutrauen in Bastian Schweinsteiger ist nicht absolut. Selbst wenn es niemand ausspricht, die Angst ist da, dass der vom Verletzungspech geplagte Mittelfeld-Anführer eine neue Seuchensaison erwischt.
Die Bayern tun alles, um Schweinsteiger nach dem Fehlschuss im Champions-League-Finale und einer mäßigen EM zu stärken, komplett abhängig wollen sie sich aber nicht von ihm machen.
Martinez ist zugleich der erste Transfer, der komplett auf Sammers Konto geht.
Der neue Sport-Vorstand hat mit Martinez quasi eine Kopie seiner selbst geholt und soll Sammer helfen, seine Ankündigung vom Amtsantritt einzulösen: "Wir müssen und werden sofort erfolgreich sein".
Martinez muss möglichst rasch funktionieren.
Kein geringer Anspruch an den 23-Jährigen, der noch kein einziges Champions-League-Spiel absolviert hat.


