Matthäus kritisiert Bayerns Einkaufsstrategie
Von Mathias Frohnapfel
München - Für den FC Bayern gibt es aus eigener Sicht nur einen einzigen akzeptablen Platz in der Bundesliga-Abschlusstabelle: Ganz oben.
Die Münchner locken daher Javier Martinez mit allen verfügbaren Mitteln und scheuen auch nicht davor zurück, 40 Millionen Euro für den 23-Jährigen zu zahlen.
Kommt der Baske von Athletic Bilbao, ist das passende Puzzleteil gefunden, glauben sie in München.
"Wir sind bereit, die Summe zu stemmen", erklärte Rummenigge daher bei einem "Sky"-Medientermin.
Dabei ist der Transfer noch immer nicht fix, auch weil die Basken sich nach Rummenigges Worten als ebenso stolzes wie kompliziertes Völkchen erweisen.
"Acht Länderspiele sind keine Menge"
Für Lothar Matthäus stellt sich indes die Frage, ob Martinez zum einen überhaupt die Rolle als Heilsbringer erfüllen kann und zum andern die Rekordsumme wert ist.
"Er hat erst acht Länderspiele gemacht, das ist keine Menge. Er hat noch kein Champions-League-Spiel gemacht, nicht bei Real oder Barcelona gespielt, besitzt aber Qualitäten", sagt der neue Experte des Senders.
Und die Bayern-Legende zählt auf, was für den jungen Spanier spricht: Seine "gute Übersicht", das "gute taktische Auffassungsvermögen und die technische Qualitäten".
Transferpolitik wundert Matthäus
Allerdings hegt der Rekordnationalspieler auch seine Zweifel an Martinez:
"Er gibt auch auf dem Platz Kommandos. Ob er es schafft, das auch bei Bayern zu tun, wird sich zeigen, wenn es zum Wechsel kommt."
Matthäus wundert sich nicht nur über die Münchner, die aktuell quasi mit einem 40-Millionen-Scheck in Richtung der Spanier wedeln, sondern auch über die langfristige Ausrichtung seines Ex-Klubs.
"Wenn man hohe Ziele hat, muss man tief in die Tasche greifen. Wir reden aber von 40 Millionen und einer Position 6, wo Bayern in den letzten zwei, drei Jahren Gustavo für 15 Millionen Euro geholt und davor Tymoshchuk, der hat auch einige Millionen gekostet", argumentiert Matthäus.
"Da hinterfrage ich die Einkaufsstrategie des FC Bayern, wenn man alle anderthalb Jahre einen Spieler für einen zweistelligen Millionenbetrag für die Nummer 6 holt."
"Bayern hat diese Sicherheit nicht"
Und Matthäus lässt es sich auch nicht nehmen, eine Hoffnung des Rekordmeisters anzuzweifeln.
Ob Martinez denn wenigstens endgültig die Lücke auf der Sechs schließe?
"Bayern hat diese Sicherheit nicht. Der Spieler hat eine gute Ausbildung genossen, hat eine starke Persönlichkeit, er war Bilbao der Leader auf dem Platz, das ist aber keine Spitzenmannschaft."
Immerhin vertraut Matthäus in die Urteilsfähigkeit in der Führungsetage seines früheren Vereins und meint: "Ich denke, dass die Bayern-Verantwortlichen wissen, was sie tun."
Martinez fiel Beckenbauer nicht auf
Darauf vertraut auch Ehrenpräsident Franz Beckenbauer.
Im Endspiel der Europa League zwischen Bilbao und Atletico Madrid, gibt der "Kaiser" zu, sei ihm Martinez "nicht so aufgefallen".
"Wenn Bayern so viel Geld ausgeben möchte, muss er ein guter Spieler sein."
Hohe Meinung von Dortmund
Matthäus erwartet in jedem Fall eine delikate Spielzeit, ein "Tanz auf der Rasierklinge".
"Sammer, Martinez-Verpflichtung für die Summe 40 Millionen plus x, da sind viele Dinge, die den Klub zum Erfolg verdammen", meinte der frühere FCB-Kapitän:
"Wenn er sich nicht einstellt, ist Explosionsgefahr. Dann wird es Dortmund wieder schaffen."
Auch Beckenbauer hat eine hohe Meinung vom Titelverteidiger: "Ich glaube, dass Borussia Dortmund durch die Verpflichtung von Marco Reus noch stärker geworden ist."


