"Es bringt nichts, sich verrückt zu machen"
Von Thorsten Mesch
München - Für Bernd Leno ist Hessen in diesem Sommer ein gutes Pflaster.
Mitte Juli gewann er mit Bayer Leverkusen ein Testspiel bei Kickers Offenbach mit 3:0, Mitte August feierte er beim 6:1 gegen Argentinien ebenfalls in Offenbach sein Debüt in der deutschen U-21-Nationalmannschaft.
Am Samstag will der 20-Jährige mit Leverkusen bei Eintracht Frankfurt einen gelungenen Start in die neue Bundesliga-Saison hinlegen und sich vielleicht sogar mit einer guten Leistung für die A-Nationalmannschaft empfehlen. ( DATENCENTER: Die Bundesliga)
Im SPORT1-Interview spricht Leno über seine Ambitionen mit Bayer und beim DFB und sein Wiedersehen mit dem ehemaligen Bayer-Trainer Robin Dutt.
SPORT1: Herr Leno, Sie haben beim 6:1 gegen Argentinien Ihr Debüt in der U-21-Nationalmannschaft gegeben. Wie war das für Sie?
Bernd Leno: Es war schön, in der U 21 zu spielen. Es ist zwar eine Stufe unter der A-Nationalmannschaft, aber es ist schon etwas Besonderes. Ich habe es aber ganz locker genommen wie jedes andere Spiel in der Bundesliga. Deswegen habe ich keine besondere Aufregung gespürt.
SPORT1: Wenn man in der Champions League in London, Valencia und Barcelona gespielt hat, dann hat man schon einiges erlebt. Was ist dennoch anders, wenn man mit dem Adler auf der Brust aufläuft?
Leno: Es hat ein besonderes Flair, mit der Hymne und dem ganzen Drum und Dran. Es ist einfach ein geiles Gefühl, weil man da mit Stolz auftritt und für sein Land spielt.
SPORT1: In der A-Nationalmannschaft ist die Position des dritten Torhüters wieder relativ offen. Wie sehen Sie Ihre Chancen, vielleicht bald von Joachim Löw berufen zu werden?
Leno: Ich sehe das eigentlich ganz gelassen. Ich weiß, dass ich Qualitäten habe, aber ich bin trotzdem erst 20 Jahre alt. Das darf man auch nicht vergessen. Ich versuche, mich in der Bundesliga und in der U 21 zu präsentieren, der Rest kommt von alleine. Es bringt nichts, sich verrückt zu machen. Wenn es kommt, dann kommt's, wenn nicht, dann nehme ich mir Zeit. Ruhe zu bewahren, ist in der Situation einfach das Beste.
SPORT1: Einer "muss" ja auch bei der U-21-EM, so diese erreicht wird, im Tor stehen. Ein großer Anreiz für Sie?
Leno: Auf jeden Fall. Vor drei Jahren hat Deutschland sie gewonnen und jeder kämpft dafür, dass wir uns für die EM qualifizieren. Heute sind viele Spieler von 2009 in der A-Nationalmannschaft dabei. Man kann sich durch den Gewinn eines solchen Titels beweisen.
SPORT1: In der U 21 ist der Teamgeist ein hervorstechendes Merkmal. In Leverkusen schien die Harmonie in der vergangenen Saison häufiger gestört zu sein. Die Vorbereitung auf die neue Saison war sicherlich ruhiger als die meiste Zeit der vergangenen Saison, oder?
Leno: Ich denke schon. Als Michael Ballack noch da war, wurde alles in den Medien hochgepusht, jetzt können wir im Verein ruhiger arbeiten und ich denke, das haben wir auch gemacht. Am Wochenende geht es in der Bundesliga endlich los und wir müssen zeigen, dass wir eine super Mannschaft haben.
SPORT1: Leverkusen war nicht nur durch Ballack in den Schlagzeilen, sondern auch durch die Diskussionen um Robin Dutt und seine Entlassung. Unter Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä lief es am Saisonende sehr gut. Wie ist die Arbeit unter diesem Trainergespann?
Leno: Wir verstehen uns gut mit den Trainern. Beide sind Fachmänner. Sascha kann sehr gut auf die Mannschaft übertragen, was er fordert. Und Sami kann seine Erfahrung super weitergeben. Die Mischung stimmt bei ihnen, die Mannschaft steht voll dahinter. Das hat man auch am Ende der letzten Saison gesehen. Es war auch den Trainern zu verdanken, dass wir noch Fünfter geworden sind. Ich hoffe, dass es so weiter geht wie letzte Saison.
SPORT1: Der Start im Pokal ist mit dem 4:0 in Jena gelungen. Welche Aussagekraft hat das Spiel?
Leno: Natürlich war das ein Pflichtsieg. Allerdings muss man auch bei einem Regionalligisten erst einmal in die Spur finden. Wir haben in Jena hochkonzentriert gespielt und überhaupt nichts anbrennen lassen. So fokussiert müssen wir weiterhin auftreten, auch gegen stärkere Gegner.
SPORT1: Am Samstag spielen Sie in Frankfurt, Was erwarten Sie?
Leno: Das wird sicher nicht einfach. Frankfurt ist Aufsteiger, gerade im ersten Saisonspiel werden die mit viel Motivation und Leidenschaft loslegen. Aber wir wollen das Spiel natürlich gewinnen.
SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt - persönlich und mit der Mannschaft?
Leno: Ich hatte eine gute erste Bundesliga-Saison. Diese Leistung muss ich jetzt bestätigen. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass wir uns wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren.
SPORT1: Man sieht sich im Leben immer zweimal. Robin Dutt war Ihr Trainer in Leverkusen, jetzt ist er quasi Ihr Chef als DFB-Sportdirektor. Ist das für Sie ein komisches Gefühl und denken Sie, dass er die Qualität hat, diesen Posten erfolgreich auszufüllen?
Leno: Er hat die Qualität auf jeden Fall. Er ist nicht umsonst mit Freiburg aufgestiegen und hatte dort super Jahre. Ich habe in Leverkusen mein Bundesligadebüt unter Ihm gegeben - deswegen hat er ja Ahnung (lacht). Es war in Leverkusen eine unglückliche Situation und von außen kam ziemlich viel dazu. Robin Dutt hat bei seiner Entlassung gesagt, dass er nach 18 Jahren als Trainer erstmals vorzeitig gehen musste. Es ist halt einfach so. Es war die Folge einer Niederlagenserie und dann lag eine so negative Konstellation vor, dass der Verein Konsequenzen gezogen hat.


