Hoeneß über Martinez: "Sollten es nicht erzwingen"
Von Martin Volkmar und Christian Ortlepp
München - Noch rund eine Woche ist das Transferfenster geöffnet, doch die unendliche Geschichte um Javi Martinez könnte schon vorher beendet sein – allerdings nicht im Sinne des FC Bayern.
Die Blockadepolitik von Athletic Bilbao scheint Erfolg zu haben, Uli Hoeneß jedenfalls hat offenbar nur noch wenig Hoffnung auf eine Verpflichtung des Wunschkandidaten.
Und das, obwohl sich der Rekordmeister mit dem spanischen Nationalspieler schon lange einig ist.
"Mir gefallen Leute mit Prinzipien"
"Ich muss ehrlich sagen: Auf der einen Seite ärgert es mich, dass wir es nicht geschafft haben bisher. Auf der anderen Seite gefallen mir Leute, die Prinzipien haben", sagte der Präsident des FC Bayern im Gespräch mit SPORT1.
Nur bei einem Einlenken von Bilbaos Präsident Josu Urrutia wäre laut Hoeneß ein Wechsel von Martinez für die festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro möglich. Ansonsten könnten zusätzliche Steuerzahlungen von bis zu 20 Millionen Euro drohen.
"Der Vorstand von Bilbao will den Transfer entweder erschweren oder verhindern, indem er immer wieder neue Hürden aufbaut", erklärte Hoeneß dazu:
"Im Moment sagen sie, das Geld muss der Spieler selbst bezahlen. Da gibt es möglicherweise ein steuerliches Problem, das wir sicherlich nicht eingehen können."
Zusätzliche Millionenzahlungen
Martinez könnte sich zwar nach Überweisung der 40 Millionen Euro durch den FC Bayern selber aus seinem bis 2016 laufenden Vertrag in Bilbao herauskaufen. Dann besteht aber eben die Gefahr, dass zusätzliche Steuern in Millionenhöhe vom FCB zu begleichen wäre.
Dabei ist die Rechtslage unklar, weshalb die Münchner ebenso wie Martinez dieses Risiko nicht eingehen wollen. Zudem sind offiziell Verhandlungen laut FIFA erst ein Jahr vor Vertragsablauf erlaubt.
Sollte Bilbao hier den FC Bayern verklagen, könnte der Weltverband im schlimmsten Fall ein Verbot aussprechen, für die nächsten zwei Transferperioden Neuzugänge einzukaufen.
Bilbao muss Rechnung stellen
"Aus unsere Sicht gibt es nur eine Lösung", erklärte Hoeneß daher: "Dass Bilbao eine Rechnung an Bayern München stellt. Damit haben wir einen Transfervertrag. Und wenn es den nicht gibt, wird es schwierig, den Transfer zu realisieren."
Für diese Lösung spricht aber in dem seit Wochen andauernden Gezerre um den Defensivspieler nichts, denn Bilbao hat bislang jegliche Kooperation verweigert. Deshalb will Hoeneß den Wechsel auch nicht übers Knie brechen:
"Die Frist ist der der 31. August, und ich denke, dass unser Vorstand und der Sportdirektor bis zum letzten Tag alles versuchen werden, das zu realisieren. Und ich bin der Meinung, man sollte so etwas nicht erzwingen. Das ist nie gut."
Beckenbauer: "Nicht nötig"
Ohnehin sind die Experten wie die früheren Bayern-Kapitäne Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg skeptisch, ob ein Martinez-Transfer angesichts der Bundesliga-Rekordablöse überhaupt Sinn macht.
So sieht es auch Franz Beckenbauer. „Ich weiß nicht, ob Martinez überhaupt nötig ist“, sagte der FCB-Ehrenpräsident SPORT1:
"Ich bin der Meinung, dass das jetzige Personal ausreicht, um Meister zu werden und in der Champions League für Furore zu sorgen."


