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Marco Reus (2.v.l.) erzielte im Pokal gegen Oberneuland sein erstes BVB-Pflichtspieltor © imago

Dortmund hat vor dem Saisonstart nur Luxusprobleme. Die Konkurrenz traut dem BVB den Hattrick zu. Die SPORT1-Bundesliga-Vorschau.

Von Matthias Becker

München - Sechs Sekunden brauchte Borussia Dortmund, um zu beweisen, dass der Double-Gewinner auch in dieser Saison das Maß der Dinge bleiben könnte.

Beim lockeren 3:0-Erfolg im Pokal bei Viertligist FC Oberneuland zeichnete der BVB in der ersten Halbzeit eine Kombination auf den Rasen, die schon wieder verdächtig an die berauschenden Auftritte der vergangenen beiden Spielzeiten erinnerte:

Einen Steilpass von Kapitän Sebastian Kehl ließ Robert Lewandowski mit dem Rücken zum Tor in den Lauf von Marco Reus abtropfen, der Neuzugang sprintete in den freien Raum und schloss lässig ab.

Wenn die Konkurrenz vor der Saisoneröffnung gegen Werder Bremen (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) gehofft hatte, dass die Borussia durch den Abgang von Shinji Kagawa aus dem Tritt kommen könnte, war diese Szene der klare Gegenbeweis.

HSV-Rekord in greifbarer Nähe

Ein Ende der Traumreise, auf der sich der BVB seit zwei Jahren befindet, ist nicht abzusehen. (DATENCENTER: Die Bundesliga)

Seit 28 Liga-Spielen hat die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp nicht verloren.

Der Bundesliga-Rekord von saisonübergreifend 36 Partien ohne Niederlage des Hamburger SV (1982/1983) ist in greifbarer Nähe.

Bei einer Umfrage des "Sport-Informationsdienstes" unter den Trainern der 18 Bundesligisten sprachen sich nicht wie üblich die Mehrheit der Coaches für die Bayern als Titelfavorit aus.

Nur sechs der Befragten legten sich auf den Rekordmeister fest.

Drei glauben sogar explizit an den Titel-Hattrick der Dortmunder. Zurecht?

Der 18. und letzte Teil der SPORT1-Vorschau-Serie zur 50. Bundesliga-Saison.

Das ist neu:

Marco Reus ist schon jetzt der neue Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Spiels.

Der gebürtige Dortmunder kam als Ersatz für Shinji Kagawa (zu Manchester United) aus Mönchengladbach, einen Qualitätsverlust im Dortmunder Mittelfeld bedeutet das nicht.

Im Klopp-Team agiert Reus als Zehner hinter den Spitzen und nicht, wie in Gladbach, auf einer der Außenbahnen. "Marco spielt genauso gut, wie wir ihn eingeschätzt haben", lobt Klopp.

Dass er im Mittelfeld nun ein Luxusproblem hatte, wird den Trainer kaum stören.

Mit Reus, Jakub Blaszczykowski, Ivan Perisic, Kevin Großkreutz und Mario Götze hat Klopp fünf erstklassige Profis für drei offensive Positionen zur Verfügung.

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Dazu kommen noch hochtalentierte Ersatzleute wie Moritz Leitner und Leonardo Bittencourt, ein weiterer Neuzugang.

Schieber muss sich anstellen

Der zweite große Transfer des Sommers, Julian Schieber (kam vom VfB Stuttgart), muss sich hinten anstellen.

Der Schwabe ist zum einen als Backup zu Torjäger Robert Lewandowski eingeplant, könnte aber auch als hängende Spitze oder auf dem linken Flügel agieren.

"Ich versuche mich reinzuhängen, zu beißen und meine Chance zu nutzen", erklärt er im Gespräch mit SPORT1 bescheiden:

"Es wird eine lange Saison, da werden sich Chancen für mich ergeben."

Das muss besser werden:

Im Vergleich zur Vorsaison gibt es so gut wie kein Steigerungspotenzial.

Mit 81 Punkten brach der BVB den bisherigen Bundesliga-Rekord. Vor allem auf internationaler Ebene wollen sich die Dortmunder aber steigern.

"In der Champions League haben wir unsere Qualität nicht so aufs das Eis gekriegt, das muss jetzt besser werden", sagte Klopp im SPORT1 Bundesliga Sonderheft (Weitere Informationen hier!).

Schlüssel dazu dürfte eine konsequentere Chancenverwertung sein. In der Vorbereitung zeigte der BVB zudem einige Nachlässigkeiten in der Defensivarbeit.

Der Meister gewann nur sechs seiner zehn Spiele (inklusive Supercup) und kassierte dabei 16 Gegentore.

Das Spiel gegen den Ball und das Gegenpressing, die Stützpfeiler des Dortmunder Spiels, müssen funktionieren.

Das sagt der Trainer:

"Sieben Wochen Vorbereitung war lang genug, wir alle sind richtig heiß auf die Bundesliga", sagt Jürgen Klopp: "Nichts ist so alt wie die Leistung im letzten Jahr. Ab Freitag zählt's."

Saisonziel:

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der einen Tag vor Bundesliga-Start einen neuen Rekordumsatz (215,2 Millionen Euro) verkünden konnte, spricht zwar nicht vom dritten Titel in Folge, legt die Messlatte aber höher als in der Vorsaison.

"Wir geben als Ziel aus, dass wir uns wieder für die Champions League qualifizieren wollen", sagte Watzke.

2011 galt noch die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb als Vorgabe.

Die SPORT1-Prognose:

Der Meister hat trotz der Abgänge von Lucas Barrios und Shinji Kagawa nicht an Qualität eingebüßt und ist durch die Verpflichtung von Reus und Schieber offensiv sogar noch variabler geworden.

Gelingt es Klopp, die defensiven Unkonzentriertheiten aus der Vorbereitung abzustellen, wird sich der BVB mit dem FC Bayern bis zum Schluss um den Titel streiten.

Der Meister-Hattrick ist alles andere als ausgeschlossen.

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