Heynckes kündigt Abgang an
Von FC Bayern berichtet
Tobias Wiltschek
München - Auf Fehler und Nachlässigkeiten reagierte Jupp Heynckes zuletzt noch allergischer als sonst.
Das mag auch damit zu tun haben, dass der Bayern-Trainer wohl vor seiner letzten Saison als Bundesliga-Trainer steht und einen möglichst erfolgreichen Abschluss genießen will.
Denn Heynckes hat jetzt angedeutet, den deutschen Rekordmeister am Saisonende verlassen zu wollen und sich zur Ruhe zu setzen.
"Ich sage es ganz ehrlich: Wir haben einen Zwei-Jahres-Vertrag, der endet am 30. Juni 2013. Und dann geht wieder ein Lebensabschnitt zu Ende", sagte der 67-Jährige der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag-Ausgabe).
Schon seit längerer Zeit wird über mögliche Nachfolger von Heynckes spekuliert, unter anderem wurde der ehemalige Trainer des FC Barcelona, Pep Guardiola, als Nachfolger ins Gespräch gebracht.
"Ich bin ja nicht mehr 37"
"Der Klub hat mal gesagt, im Dezember, im Januar, im Frühjahr wird man sich zusammensetzen. Aber ich bin ja nicht mehr 37. Letztendlich ist es aber auch egal, ob sie hier einen jungen, einen älteren oder einen alten Trainer haben. Beim FC Bayern ist nur eines wichtig: der Erfolg", erklärte Heynckes weiter.
Ein Nachfolger für den Rheinländer steht noch nicht fest.
Vorfreude auf den Start
Heynckes geht indes mit viel Vorfreude in seine voraussichtlich letzte Spielzeit ( DATENCENTER: Die Bundesliga).
"Wir sind froh, dass es wieder los geht", sagte der Bayern-Trainer vor dem Bundesliga-Auftakt der Münchner in Fürth (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).
Von seinem Team erwartet er einen "Blitzstart" - allein schon wegen des klaren Ziels, die Meisterschale nach zwei Jahren zurück nach München zu holen.
"Es ist nicht nur von großer Bedeutung, wie man in die Saison startet, sondern dass man über den Marathon von 34 Spieltagen hinweg eine Kontinuität hat", sagte der 67-Jährige am Freitagmittag.
Bayern braucht Rückenwind
Für die anstehende Spielzeit hat er sich daher als Ziel gesetzt, den Spielern noch mehr Siegermentalität zu vermitteln.
"Wir müssen die Spiele gewinnen, in denen wir in der letzten Saison noch Punkte liegen gelassen haben", forderte Heynckes.
Ein erfolgreicher Auftakt soll dabei "Rückenwind" für die weiteren Partien bringen.
Karl-Heinz Rummenigge setzt ebenfalls fest auf einen Erfolg in Fürth - auch mit Blick auf die Jubiläumssaison.
"Wir haben die Meisterschaft in 49 Jahren Bundesliga 21-mal gewonnen, und die 50 ist eine schöne Zahl. Da wäre es schön, wenn wir den Titel in der historischen 50. Saison auch wieder gewinnen könnten. Das ist unser großes Ziel", sagte der FCB-Vorstandschef.
Rummenigge prophezeit eine "sehr interessante und emotionale Saison" und verkündete, dass der FCB gegenüber Mitfavorit Dortmund nicht an "Minderwertigkeitskomplexen" leide.
Präsident Uli Hoeneß erhöhte derweil den Druck. "Wir müssen lernen, dass es für uns ein Problem ist, auf Dauer nur Zweiter zu werden", sagte er der "FAZ".
Heynckes mit Respekt vor Fürth
Für Cheftrainer Heynckes kommt es im Moment darauf an, nach dem Sieg im Supercup über Dortmund und dem Erfolg im DFB-Pokal in Regensburg die Sinne für Fürth zu schärfen.
Das "Kleeblatt" ist eine Mannschaft, vor der er trotz des frühen Pokal-Aus in Offenbach Respekt hat.
"Man weiß aus Erfahrung, dass ein Zweitliga-Meister die Aufstiegseuphorie in die neue Saison nimmt und immer wieder einen gefährlichen Gegner darstellt."
Ribery fällt aus
Obendrein steigt vor dem ersten Gastspiel des Rekordmeisters beim Liga-Neuling aus Franken bei den Bayern die Zahl der Ausfälle.
"Franck ist noch nicht wieder vollständig hergestellt", sagte Heynckes über den Gesundheitszustand von Flügelflitzer Franck Ribery.
Der an Fieber erkrankte Franzose wird somit genauso fehlen wie Daniel van Buyten, der nach wie vor an muskulären Problemen laboriert.
Ebenso nicht dabei sein können die Langzeitverletzten Rafinha, Mario Gomez und David Alaba.
Es gibt mehrere Optionen
Größere Sorgen macht sich Heynckes aufgrund des Ausfalls von Ribery nicht.
Es gebe mehrere Optionen, wie man den Mittelfeldspieler ersetzen könne, meinte er auf Nachfrage von SPORT1: "Toni Kroos könnte man ins vordere Mittelfeld stellen, Thomas Müller auf rechts und Arjen Robben auf links."
Auch Xherdan Shaqiri nannte er als mögliche Alternative.
Vom Schweizer, der zu Wochenbeginn in Regensburg brillierte, ist er genauso angetan wie von den anderen Neuzugängen Dante, Mario Mandzukic und Claudio Pizarro.
Lob für gutgelaunten Schweinsteiger
Fast schon euphorisch redete Heynckes über Bastian Schweinsteiger.
"Er ist wieder lockig, flockig und trainiert mit viel Freude", sagte er über den Mittelfeldspieler, der in den letzten Monaten zahlreiche Verletzungen und Enttäuschungen hatte wegstecken müssen, und berichtete sogar von "Jokes" des Oberbayern.
"Er ist einer der besten Mittelfeldspieler der Welt", adelte ihn Heynckes und kündigte an: "Es dauert nicht mehr lange, bis er von Anfang an spielt."
In Fürth soll Schweinsteiger "je nach Spielsituation" womöglich eine ganze Halbzeit lang mitwirken.
Wenig Optimismus im Fall Martinez
Der Frage nach dem aktuellen Verhandlungsstand bei Wunschspieler Javier Martinez wich der FCB-Coach dagegen aus.
Auch wenn er Athletic Bilbao einst trainiert habe, könne er nicht als Mittelsmann in den verfahrenen Verhandlungen dienen.
"Man sollte da abwarten", meinte Heynckes nur und klang dabei nicht sehr optimistisch ( BERICHT: Hoeneß will es nicht erzwingen).


