

Wiederauferstehung nach langer Leidenszeit
Aus Dortmund berichten Martin Volkmar und Thorsten Langenbahn
Dortmund - Mario Götze stand abfahrbereit am Ausgang zur Parkgarage des Signal Iduna Parks und zierte sich.
Doch die ein paar Meter entfernt von einem Absperrband zurückgehaltenen Journalisten ließen nicht locker, und so hatte der Dortmunder Matchwinner schließlich ein Einsehen.
Nach diesem Auftakt nach Maß wusste Götze offenbar selber, dass er sein zuletzt auferlegtes Schweigegelübde nicht länger halten konnte. (DIASHOW: Der 1. Spieltag)
Und der 20-Jährige, der nur drei Minuten nach seiner Einwechslung nach 81 Minuten den 2:1-Siegtreffer gegen Werder Bremen ( Bericht) erzielt hatte, machte aus seinem Herzen dann auch keine Mördergrube.
"Eine Riesenbefreiung für mich"
"Der Treffer war eine Riesenbefreiung für mich. Ich hatte ja eine lange Leidenszeit", gab Götze offen zu:
"Das war ein Supergefühl, im eigenen Stadion wieder ein Tor zu machen. Das ist eine gefühlte Ewigkeit her für mich."
Fast die komplette Rückrunde hatte der Shootingstar wegen einer hartnäckigen Schambeinverletzung beim BVB-Triumphmarsch zu Meisterschaft und Pokal nur zusehen können, auch die EM verlief mit einem Kurzeinsatz für ihn enttäuschend.
Und in der Vorbereitung auf die am Freitag eröffnete 50. Bundesliga-Saison hinderte ihn eine Augenentzündung daran, rechtzeitig in Topform zu kommen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Spielpraxis fehlt noch
"Ich glaube, ich schaffe noch keine 90 Minuten. Ich bin bei 100 Prozent, aber mir fehlt einfach nur ein bisschen die Spielpraxis", meinte Götze.
Doch seine jüngsten Kurzeinsätze machten deutlich, dass der Publikumsliebling mit der Rückennummer 10 auf dem besten Weg zu alter Stärke ist.
"Er ist schon weit. Er könnte jetzt schon eine Halbzeit spielen, nach der nächsten Länderspielpause ist er definitiv wieder komplett fit", erklärte Trainer Jürgen Klopp, der seinen Super-Joker kurz nach dem überraschenden Bremer Ausgleich durch Theodor Gebre Selassie ins Spiel gebracht hatte.
Klopp überwindet sich: "Kein Kindergeburtstag"
"Es ist kein Kindergeburtstag, bei so einem Stand einen Offensivspieler einzuwechseln, da musste ich mich schon überwinden", gestand Klopp ein.
Der Mut des Meistercoachs wurde belohnt und die begeisternden Dortmunder Fans, die im mit 80.645 Zuschauern ausverkauften Stadion zum wiederholten Mal für eine überragende Atmosphäre sorgten, hatten ihren Helden.
Riesenfreude bei den Mitspielern
Auch die Mitspieler freuten sich offenkundig riesig für ihr jüngstes "Sorgenkind". "Ich glaube, man kann gar nicht beschreiben, was das für ihn bedeutet. Er hat eine lange Leidenszeit", sagte Marco Reus.
"Nach dem Tor sind alle gekommen und haben ihn fast erdrückt. Es freut mich unheimlich für ihn, weil er ein super Typ ist und nie aufgegeben hat."
Und Kapitän Sebastian Kehl ergänzte: "Mario hat eine lange Durststrecke hinter sich. Das Tor wird ihm hoffentlich Selbstvertrauen geben, denn er ist ein wahnsinnig wichtiger Mann für uns und wird uns noch viel Freude bereiten."
Neuzugang Reus erneut bärenstark
Im Jubel um Götze gingen einige andere Aspekte dieses durchweg unterhaltsamen Auftakts der Jubiläums-Spielzeit etwas unter. Etwa der zweite Dortmunder Mann des Abends.
17,1-Millionen-Neuzugang Reus zeigte nicht nur wegen seines ersten Saisontreffers zur frühen Führung (11.) eine bärenstarke Vorstellung und war bester Mann auf dem Platz.
"Davon hat man natürlich geträumt, im ersten Spiel direkt das Tor zu machen. Das war sehr wichtig für mich, aber noch wichtiger war es für die Mannschaft", berichtete der gebürtige Dortmunder.
Der Ex-Gladbacher übersah allerdings nicht, dass der Double-Gewinner noch ein Stück von seiner Vorjahresform entfernt ist: "Wir haben uns das Leben schwer gemacht, vor allem in der zweiten Halbzeit. Darüber müssen wir reden."
Hummels-Kritik: "Art und Weise hat mir nicht gefallen"
So sah es auch Mats Hummels. "Das Ergebnis ist gut, aber die Art und Weise hat mir und allen anderen noch nicht so gut gefallen", erklärte der Abwehrchef. "Aber es war wichtig, mit drei Punkten zu starten."
Damit sprach er seinem Trainer aus dem Herzen. "Das war brutal harte Arbeit für alle Beteiligte", meinte Klopp, für den unterm Strich vor allem der Startsieg zählte.
Auch mit Blick auf den 50. Geburtstag von Sportchef Michael Zorc am Samstag: "Ich bin ganz froh, dass wir unserem Manager nicht mit null Punkten den Geburtstag versaut haben."
Schaaf ärgert sich
Genau darüber ärgerte sich erwartungsgemäß sein Kollege Thomas Schaaf. "Wir waren ein sehr schöner Gast und haben die Punkte da gelassen. Darüber ärgern wir uns", sagte der sichtlich angefressene Werder-Coach, lobte aber auch:
"Was meine Mannschaft heute gezeigt hat, war gut. Leider schaffen wir es aber nicht, etwas mitzunehmen. Das ist sehr schade. Ein Punkt wäre verdient gewesen."
In der Tat zeigten sich die neu formierten Bremer weder vom Pokal-Aus bei Drittligist Preußen Münster noch von der Dortmunder Kulisse beeindruckt.
Wenn Schaaf tatsächlich gelingt, die vielen nicht eben pflegeleichten Profis wie die am Freitag überzeugenden Marko Arnautovic und Eljero Elia tatsächlich zu einer Einheit zu formen, könnte Werder zu einer der Überraschungen der neuen Saison werden.


