

Rückschlag nervt ambitioniertes Bayer-Team
Frankfurt - Simon Rolfes sah arg mitgenommen aus.
Ein tiefer Cut über dem linken Auge, das weiße Trikot voller Blutflecken - es war nicht der Tag des Kapitäns von Bayer Leverkusen.
"Wir waren zu langsam, nicht kontrolliert genug und hätten den letzten Pass oft besser spielen können", analysierte der Nationalspieler das 1:2 (1:0) bei Aufsteiger Eintracht Frankfurt ( Bericht) trocken. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Dabei wurde die Szene des Spiels gegen die Hausherren, die wegen eines Teilausschlusses des Publikums vor nur 27.950 Zuschauern spielen musste, entschieden.
Fehlentscheidung von Kinhöfer
In der 38. Minute hätte Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer beim Stand von 1:0 für die Werkself auf Elfmeter für den Aufsteiger entscheiden müssen, nachdem Alexander Meier nach einer deutlichen Berührung mit Bayer-Torwart Bernd Leno im Strafraum zu Boden gegangen war. (DIASHOW: Der 1. Spieltag)
Es folgten hitzige Diskussionen um den zu Unrecht verweigerten Strafstoß. "Gott sei Dank war das nicht spielentscheidend", sagte Eintracht-Trainer Armin Veh über die laut Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen "deprimierende Fehlentscheidung".
Dennoch mussten das hochambitionierte Bayer-Team gegen die mutig aufspielende Eintracht gleich zum Auftakt der 50. Bundesliga-Saison einen schmerzhaften Dämpfer hinnehmen.
"Übereifrig geworden"
Rolfes' Trainer, Sascha Lewandowski, tat sich schwerer, das Spiel "kurz danach sauber zu analysieren", fand aber dennoch einen ähnlichen Ansatzpunkt wie sein Kapitän. "Wenn man sieht, wie gallig die Mannschaft war, dann liegt die Vermutung nahe, dass sie übereifrig geworden ist", sagte er.
Nach dem verdienten Führungstreffer von Stefan Kießling (29.) hatte Bayer irgendwie den Faden verloren und den immer forscher nach vorne spielenden Aufsteiger stark gemacht.
In der hitzigen Frankfurter Atmosphäre fehlte die "Ruhe und Abgeklärtheit", wie Lewandowski befand: "Das war das Manko."
Und Bayers Sportdirektor Rudi Völler sagte im VOLKSWAGEN DOPPELPASS: "Wir sind zu schludrig mit unseren Konterchancen umgegangen. Wir haben zu viel zugelassen und korrekterweise verloren."
Erste Niederlage für Hyypiä/Lewandowski
Einen sehr viel ruhigeren Arbeitstag gehabt hätten Lewandowski und Teamchef Sami Hyypiä, die die erste Niederlage im siebten Bundesliga-Spiel hinnehmen mussten, wenn ihre Offensive eine der zahlreichen Möglichkeiten genutzt hätte.
"Ich hatte zwei gute Kopfballchancen, die ich normalerweise mache", sagte Kießling selbstkritisch.
So blieb dem sportlichen Führungs-Duo nichts anderes übrig, als ihre Elf während des Spiels immer wieder ein "bisschen zu beruhigen" (Lewandowski).
"In der zweiten Hälfte war es defensiv dann zeitweise auch besser", sagte der 40-Jährige: "Das dann die Tore fallen, war nicht gerade dem Spiel geschuldet."
Aigner und Lanig ersticken Duskussion im Keim
Stefan Aigner (57.) und Martin Lanig (82.) rissen den Europa-League-Teilnehmer aus allen Träumen, sorgten aber auch dafür, dass dem Spiel eine hässliche Diskussion aufgrund des Kinhöfer-Fauxpas beim nicht erfolgten Elfmeterpfiff erspart blieb.
So konnte Veh nach seinem 200. Bundesligaspiel als Trainer einen nicht unbedingt erwarteten Sieg feiern - und jegliche Diskussionen nach dem Pokal-Aus bei Erzgebirge Aue (0:3) ersticken. "Ich freue mich, dass wir für unser couragiertes Spiel belohnt wurden", sagte der 51-Jährige.
Arbeit für Verteidiger
Trotzdem liegt noch viel Arbeit vor dem Aufsteiger, gerade in der neuformierten Innenverteidigung.
"Wenn du nur fünf Tage Zeit hast, um dich einzuspielen, geht das nicht von heute auf morgen gut", sagte Veh über Neuzugang Carlos Zambrano und Rückkehrer Bamba Anderson.


