

Bayerns Offensive: Das Ende der Statik
Von Martin Hoffmann
München - Euphorisch war er nicht gerade, der Torjubel von Arjen Robben.
Aber man muss schon sehr böswillig sein, will man hier etwas hineininterpretieren. So nach Art von: Aha, es nagt wohl noch alles an ihm. Die verschossenen Elfer, der Liebesentzug der Fans, die Ego-Debatten.
Aber das war es nicht: Zu seltsam war einfach Robbens Treffer, der am Ende doch nicht seiner sein sollte. Und zu klar war beim 3:0 ( Bericht) schon, dass nichts mehr anbrennen würde beim tapferen, aber harmlosen Liganeuling Greuther Fürth.
Der klare Pflichtsieg war noch kein Grund für Jubelausbrüche, wohl aber ein Indiz für eine aus Münchener Sicht erfreuliche Erkenntnis: Dass der neue FC Bayern gefährlicher ist als der alte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Fortschritte bei der Trauma-Therapie
Was damit zu tun hat, dass die Sorgenkinder der Triple-Vize-Saison offenbar Fortschritte bei der Trauma-Therapie gemacht haben.
Wie Robben, der dem 2:0 durch Mario Mandzukic ebenso den Weg bereitete wie dem Eigentor von Fürths Thomas Kleine zum Schluss (DIASHOW: Der 1. Spieltag) .
Oder wie Thomas Müller, der sich in die Partie gegen die defensiven Hausherren hineinbiss, das 1:0 schoss - und sich hinterher bei LIGA total! über den Verlust von psychologischem Ballast freute:
"Jetzt müssen wir nicht jeden Tag in den Gazetten lesen, dass wir dem BVB wieder hinterherlaufen."
Besserer Kader "macht sich bemerkbar"
Natürlich war ihm und allen Teamkollegen klar, dass Greuther Fürth nicht mehr als ein Trippelschritt auf dem Weg zur Rückeroberung der Meisterschaft war.
Aber der erfolgreiche Auftakt wirkte zumindest wie ein Fingerzeig, dass der FCB für diesen Weg gerüstet ist.
Den Hauptgrund dafür nennt Kapitän Philipp Lahm: "Dass wir einen breiteren und besseren Kader haben als vergangene Saison, das macht sich jetzt schon bemerkbar."
Shaqiri mit Formabfall
Eine Feststellung, die vor allem für die Offensive gilt: Fehlt ihr Mario Gomez, ist nun eben Mandzukic da und trifft.
Der Kroate erzielte bisher in jedem Pflichtspiel für Bayern (Supercup, DFB-Pokal, Liga) mindestens ein Tor.
Fehlt der Offensive Franck Ribery, wirbelt nun eben das Schweizer Top-Talent Xherdan Shaqiri.
Der war in Fürth zwar nicht in der Form, in der er sich bei seiner kleinen Pokalgala gegen Regensburg präsentiert hatte, kam seltener durch, verlor viele Zweikämpfe.
Weniger berechenbar
Und doch machte auch ein schwächerer Shaqiri Bayerns Attacke-Abteilung unberechenbarer.
Immer wieder tauschten er, Müller und Robben in der Offensive die Positionen, überraschten die Gegenspieler, brachen die in der Vorsaison so oft beklagte Statik auf.
Perfekt lief deswegen noch lange nicht alles. "Es gibt noch viel zu verbessern", mahnt Robben: "Wir hatten zu einfache Ballverluste. Heute wurde das noch nicht bestraft, aber da muss man aufpassen."
Und doch überwogen alles in allem die positiven Eindrücke: "Man könnte schon sagen, dass im Vergleich zum letzten Jahr das Quäntchen wieder da ist", glaubt Müller.
Trainer Jupp Heynckes urteilte ebenso und sagte bei "sky" über die Frustrationen der Vorsaison: "Sie sind nicht vergessen, aber weggesteckt. Das ist ganz wichtig."


