Für Martinez zahlen die Bayern 100 Prozent Aufschlag
Hallo Fußball-Freunde,
schon nach dem ersten Spieltag verfestigt sich der Eindruck, dass es in dieser Saison wieder auf einen Zweikampf zwischen Dortmund und dem FC Bayern hinauslaufen wird.
Mit Marco Reus hat sich der BVB den aktuell interessantesten deutschen Spieler geholt. Nach dem Spiel gegen die überraschend starken Bremer stellt sich nur die Frage, wie sich das Mittelfeld einpendelt.
Defensiv fehlt den Dortmundern Sven Bender sehr, die Wochen bis zu seiner Rückkehr müssen sie noch gut überstehen. Momentan fehlen die Absicherung und das Tempo, das Bender mitbringt.
Ernsthafte Konkurrenten für die beiden Top-Teams sind nicht in Sicht. Bei einigen Pokal-Geschädigten tickt sogar schon die Uhr.
Beim HSV gibt es keinen Profi, der dem Spiel eine Geometrie verschafft. Das ist eine Mannschaft ohne Gesicht, der die Durchschlagskraft fehlt. Zudem ist die Stimmung im Umfeld schon jetzt negativ. Die Zuschauerresonanz war nicht so wie üblich – und das zum Start der 50. Bundesliga-Saison. Die Hamburger müssen sehr aufpassen.
Gladbach hatte zwar keine Probleme im Pokal, man merkt dem Spiel der Borussia aber deutlich an, dass sie keinen Stürmer mehr mit den Eigenschaften von Marco Reus haben. Mike Hanke, Igor de Camargo und Luuk de Jong - das sind alles Strafraumspieler, da fehlt das Tempo.
Die Gladbacher hatten sechs Monate Zeit, um einen Ersatz für Reus zu finden. Da überrascht es schon, dass Lucien Favre öffentlich anmerkt, dass die Stürmer nicht so gut zusammenpassen. Das birgt viel Konfliktpotenzial.
Zumal sie für ihre Neuzugänge zu viel Geld investiert haben. Bei Spielern, die aus der Schweiz oder Holland kommen, wie de Jong und Granit Xhaka, sollte die Grenze bei sieben bis acht Millionen Euro liegen. Die Borussia hat sich zu sehr auf de Jong versteift.
Ähnliches droht dem FC Bayern mit Javi Martinez. Für einen defensiven Mittelfeldspieler würde ich nicht mehr als 20 Millionen Euro ausgeben. Martinez hat bestimmt Potenzial, aber bei einem Preis von 40 Millionen zahlen die Bayern 100 Prozent Aufschlag.
Die Münchner haben sich nach der letzten Saison Gedanken gemacht, wie sie den Kader punktuell verbessern können. Ich hätte aber anders angesetzt. Im Sturm hätte ich eher versucht, Ezequiel Lavezzi zu holen, der von Neapel nach Paris gewechselt ist. Das ist ein Stürmertyp mit anderen Qualitäten. Mandzukic ist ein Stoßstürmer wie Gomez und Pizarro ist auch eher ein Strafraumspieler, der kann ja auch keinem mehr weglaufen.
Außerdem hätte ich einen Top-Innenverteidiger geholt. Ob es mit Badstuber, Boateng, Dante und van Buyten für die internationale Spitze reicht, weiß ich nicht. Bei der Hintermannschaft habe ich so meine Zweifel.
Auf der Sechser-Position hat man dagegen schon einige Spieler. Vielleicht wollen sie mit Martinez einen haben, der im Zweikampf körperlich präsenter ist, ein starkes Kopfballspiel hat und die zweiten Bälle erobert - aber 40 Millionen sind einfach zu viel.
Wenn schon Manchester City sagt, dass der Spieler zu teuer ist, ist das bedenklich.
Bis nächste Woche
Euer Thomas Berthold
Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.


