

Kein Sieg, kein Raul: Stevens tobt
Von Eric Böhm
Hannover/München - Nach Jubel war den Schalkern beim Schlusspfiff in Hannover nicht zumute.
Ein 2:2-Remis ( Spielbericht) bei einer der heimstärksten Mannschaften der Bundesliga ist beileibe kein Fehlstart, trotzdem haderte der Champions-League-Teilnehmer.
Zwei Abwehrschnitzer und der fehlende Killerinstinkt nach der Führung durch den starken Regisseur Lewis Holtby erzürnte vor allem Trainer Huub Stevens (DIASHOW: Der 1. Spieltag).
"Wir haben viele Fehler gemacht, das darf im Profifußball nicht passieren. Vorn haben wir uns für das gute Spiel nicht belohnt", sagte Stevens bei LIGA total!.
Meisterschaft ist ein Thema
An der Reaktion von Stevens und seiner Spieler ist deutlich abzulesen, dass die Ansprüche bei den Königsblauen gestiegen sind.
Nach der überraschend guten vergangenen Saison, hatte Manager Horst Heldt die Wiederholung von Rang drei als offizielles Ziel ausgegeben, die Meisterschaft aber explizit nicht ausgeschlossen.
"Für den Titel sind wir momentan noch nicht reif genug. Wenn wir lange genug oben dabei bleiben sollten, versuchen wir, unsere Chance zu nutzen. Das muss das Ziel sein", forderte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, der mit seinem Klassetor zum Ausgleich das Blatt kurzfristig gewendet hatte.
Hunterlaar kündigt baldige Entscheidung an
"Für mich ist es besser, mich auf Fußball zu konzentrieren", sagte Huntelaar, der bei seinem Treffer zum 1:1 (52.) deutlich gezeigt hatte, dass er dies auch ohne langfristige Planung kann.
"Wenn die Zeit da ist, wird eine Entscheidung kommen", betonte Huntelaar, "ich denke, dass die bald da ist."
Dominante zweite Hälfte
Beim Start in die 50. Saison der Bundesliga untermauerte Schalke zumindest in der starken zweiten Hälfte die eigene Erwartungshaltung (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Mit viel Tempo brachten sie Hannover immer wieder in Bedrängnis, drehten einen unglücklichen 0:1-Rückstand in nur zwölf Minuten und waren nah dran die Heimdominanz der Niedersachsen - seit 17 Monaten ungeschlagen - zu brechen.
In der vergangenen Spielzeit wurde das identische Resultat noch als Erfolg verbucht, diesmal fiel das Fazit ganz anders aus.
"Nach der ersten Hälfte wäre ich zufrieden gewesen, am Ende natürlich nicht. Nach der Führung haben wir uns zu weit zurückgezogen und das Tor bekommen", sagte Ersatz-Kapitän Huntelaar.
"Das ist großer Quatsch"
Trotz des Abgangs der Ikone Raul und des Verzichts auf ablösepflichtige Neuzugänge deutete der immer noch sehr junge Kader das große Potenzial und den Erfolgswillen an.
In Hannover fehlte dem letztendlich einzig sieglosen Topteam des ersten Spieltages nur die Abgeklärtheit in beiden Strafräumen.
Als die zuletzt öffentlich thematisierte Raul-Nachfolge des Duos Holtby und Julian Draxler ins Gespräch kam, platzte dem ohnehin schon geladenen Stevens der Kragen.
"Das ist großer Quatsch. Wer Ahnung von Fußball hat, weiß, dass Raul nur durch die ganze Mannschaft ersetzt werden kann. Holtby oder Draxler spielen nicht allein", raunzte Stevens.
Holtby trumpft auf
Die beiden Youngster deuteten in den zweiten 45 Minuten in der Festung AWD-Arena an, dass ohne den Altstar das temporeichere Spiel zur großen Stärke werden könnte.
Der nun wieder im offensiven Mittelfeld agierende Holtby krönte seinen Auftritt mit einer Torvorlage und einem seltenen Kopfballtreffer.
"Brink und Reckermann sind Vorbilder von mir, vielleicht habe ich mir bei ihnen ein paar Tipps geholt. Ich kann mich aber nicht so richtig freuen. Wir haben gut gespielt, aber zwei dumme Tore bekommen", bedankte sich der 21-Jährige im "Sky"-Interview bei den Olympiasiegern im Beachvolleyball.
Slomkas Risiko belohnt
Die Gastgeber nahmen das sehr glückliche Remis dagegen gern mit und blieben auch im 19. Heimspiel in Folge ohne Niederlage.
Vor allem weil Coach Mirko Slomka gegen sein ehemaliges Team das richtige Näschen hatte und den Schweizer U-21-Nationalspieler Adrian Nikci - er traf mit dem ersten Ballkontakt - aus dem Hut zauberte.
"Ich freue mich für Adrian Nikci. Eigentlich war der Wechsel risikoreich. Schalke ist heute sehr dominant aufgetreten. Deshalb können wir froh über den Punktgewinn sein", analysierte Slomka.
Guter Start für 96
Nikci selbst war fast sprachlos: "Ich bin überglücklich!" Neben dem Stürmer, der vom FC Zürich kam, traf mit Felipe auch der zweite Neuzugang.
Nach der Pause offenbarte der Innverteidiger aber ähnliche Schwächen, wie beim Europa-League-Auftritt in Breslau ( Bericht).
Zwar zeigten Slomkas Schützlinge im schon fünften Pflichtspiel der Saison beileibe keine herausragende Leistung, aber unter dem Strich stimmten die Ergebnisse in allen Wettbewerben.
"Schalke hat ein sehr gutes Spiel gemacht und große Qualität bewiesen. Unter dem Strich geht das Unentschieden für uns in Ordnung", meinte Jan Schlaudraff.


