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Jens Lehmann spielte 57 Mal für die deutsche Nationalelf © imago

Der Stuttgarter Torhüter kritisiert nach der Pokalpleite gegen Bayern München seine Mitspieler und den Teamchef. Das könnte Folgen haben.

Stuttgart - Nach einer Lehrstunde der ganz besonderen Art hat Stuttgarts Torwart Jens Lehmann die Berufsauffassung seiner Kollegen in Frage gestellt und heftige Vorwürfe erhoben.

"Die Winterpause ist nicht dazu da, sich auf die faule Haut zu legen. Und sie ist schon gar nicht dazu da, um wiederzukommen und Verletzungen mit sich rumzuschleppen und mal wieder krank zu werden oder Blessuren zu haben", motzte der 39 Jahre alte Keeper nach der 1:5-Heimpleite des VfB im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Bayern München (Bayern demütigt Stuttgart) .

Noch vor Weihnachten hatten die Schwaben den Bayern im letzten Spiel der Bundesliga-Vorrunde ein 2:2 abgetrotzt - nur wenige Wochen und eine verkorkste Vorbereitung mit vielen Problemen später lagen Welten zwischen den beiden Süd-Kontrahenten. 60462(DIASHOW: Bayern überfährt Stuttgart)

Für Lehmann unverständlich: "Da muss man sich fragen, was hat Bayern München gemacht, was hat der VfB Stuttgart gemacht? Die waren spritzig, schnell, präsent - und wir so gar nicht. Irgendetwas muss anders gelaufen sein."

"Premiere"-Experte Ottmar Hitzfeld wertete diese Aussagen von Lehmann sogar als "indirekte" Kritik an Teamchef Markus Babbel.

Hitzfeld erwartet Babbels Reaktion

"Diese Aussagen kommen zum falschen Zeitpunkt. Er soll über seine eigene Leistung und nicht über die Vorbereitung sprechen. Da muss Babbel intensiv mit ihm reden und eventuell auch Konsequenzen ziehen", erklärte der Schweizer Nationalcoach.

Doch nicht nur bei Lehmann saß der Frust ganz tief. "Das ist sehr, sehr bitter. Wir haben alles vermissen lassen, haben uns von den großen Namen verrückt machen lassen und sind vor Ehrfurcht erstarrt. Wir haben als Mannschaft versagt", sagte ein völlig konsternierter Babbel.

"Bittere Lehrstunde"

Deshalb bemühten sich die Stuttgarter erst gar nicht, das Debakel schönzureden. Kapitän Thomas Hitzlsperger sprach von einer "bitteren Lehrstunde", Torjäger Mario Gomez von einer "Vorführung, die schwer zu verdauen ist".

Und bei der wirklich alles schiefging - selbst der Jubel über den Ehrentreffer in der 84. Minute. Martin Lanig wollte dem Torschützen Gomez einen Klaps verpassen und traf ihn aus Versehen an seiner empfindlichsten Stelle.

VfB ohne Leidenschaft

Über die Gründe für die Demontage durch die in allen Belangen überlegenen Bayern waren sich beim VfB alle schnell einig. "Uns hat der Mut, die Bereitschaft und die Leidenschaft gefehlt", kritisierte Hitzlsperger.

Viel Zeit, um Aufbauarbeit zu leisten, bleibt Interimscoach Babbel, der zuvor in fünf Pflichtspielen drei Siege und zwei Unentschieden eingefahren hatte, nicht. Bereits am Samstag startet der VfB in die Bundesliga-Rückrunde mit dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.

"Jetzt gilt es, dass wir in der Bundesliga gutmachen, was wir in der Hinrunde vergeigt haben. Wir müssen uns ganz anders präsentieren", meinte Gomez - und Babbel fügte an: "Wir sind hingefallen, jetzt müssen wir wieder aufstehen und Leidenschaft zeigen."

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