"Das Pokal-Aus hat unsere Sinne geschärft"
Von Jakob Gajdzik
München - Viel besser hätte der Saisonstart in der Bundesliga für Hanno Balitsch und den 1. FC Nürnberg nicht laufen können.
Nach dem peinlichen Pokal-Aus bei Viertligist TSV Havelse rehabilitierte sich der Club am 1. Spieltag mit einem 1:0-Sieg beim Hamburger SV. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Einziger Torschütze: Hanno Balitsch.
Während die Hamburger am vergangenen Wochenende noch in der Sinnkrise steckten, wartet nun ein ungleich größeres Kaliber auf die Franken. Double-Gewinner Borussia Dortmund gastiert in Nürnberg (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).
Vor dem Duell mit dem Meister spricht FCN-Führungsspieler Balitsch mit SPORT1 über die Marschroute gegen den BVB, die Erwartungen in Nürnberg und seine Aussprache mit Trainer Dieter Hecking.
SPORT1: Herr Balitsch, nach dem Pokal-Aus gegen Havelse haben Sie beim HSV gewonnen. Wie schätzen Sie den Nürnberger Saisonstart ein?
Hanno Balitsch: Den Saisonstart sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Im Pokal haben wir uns das natürlich anders vorgestellt, haben aber beim HSV eine gute Reaktion gezeigt. Wir haben die Fehler, die wir gegen Havelse gemacht haben analysiert und abgestellt. Das Pokal-Aus hat unsere Sinne geschärft, aber wir hätten gerne darauf verzichtet.
SPORT1: Im ersten Heimspiel geht es gegen den Double-Gewinner Borussia Dortmund. Können sich die Fans auf einen Leckerbissen freuen?
Balitsch: Ich bin mir nicht sicher, ob man so früh in der Saison von einem Leckerbissen sprechen kann. Ich hoffe auf ein abwechslungs- und temporeiches Spiel. Wir müssen die Dortmunder in intensive Zweikämpfe zwingen, um sie in Bedrängnis zu bringen. Dennoch: Alles andere als eine deutliche Nürnberger Niederlage wäre eine große Überraschung, aber die wollen wir schaffen. Mit unserem Publikum im Rücken ist es möglich.
SPORT1: Der BVB offenbarte im Auftaktspiel gegen Werder Bremen noch Schwächephasen. Ist es ein Vorteil, so früh in der Saison auf die Borussia zu treffen?
Balitsch: Das kann ein Vorteil sein. Zu Saisonbeginn kann es noch an der Feinabstimmung mangeln. Das gilt aber sowohl für Dortmund als auch für uns. Auch wir haben etliche Neuzugänge und müssen noch unseren Rhythmus finden. Wenn wir das am Samstag vor dem BVB schaffen, kann es ein interessantes Spiel werden. Man muss aber davon ausgehen, dass Dortmund sich von Woche zu Woche steigert.
SPORT1: Mit welchen Trümpfen will der Club Borussia Dortmund packen?
Balitsch: Wir müssen zweikampfbetont agieren, dazu kompakt und diszipliniert stehen. Wir sind nicht gezwungen gegen Dortmund zu Hause das Spiel zu machen. Das ist sehr angenehm, weil wir nicht ins offene Messer laufen. Aus der Situation heraus müssen wir die Räume suchen und finden. Dortmund steht sehr offensiv. Wenn man es schafft, sich durch die erste Gegenpressing-Welle durchzuspielen, ergeben sich diese Räume. Zudem ist auch immer ein Tor nach einem Standard möglich.
SPORT1: Besonders auf das neue Traum-Duo Marco Reus und Mario Götze müssen sie ein Auge werfen. Wie wollen Sie die Beiden stoppen?
Balitsch: Wir kennen die individuellen Stärken der Beiden. Aber daneben gibt es noch die anderen BVB-Spieler, die alle auf ihrer Position eine hohe Qualität haben. Dazu zählt ein Hummels als Aufbauspieler, die beiden offensivstarken Außenverteidiger und die anderen Angreifer. Es bringt nichts, sich nur auf die Beiden zu konzentrieren. Alle Dortmunder verdienen eine besondere Beobachtung.
SPORT1: Sie sind seit Januar in Nürnberg. Die Mannschaft spielt jetzt im vierten Jahr Bundesliga, doch alle sprechen weiter nur vom Klassenerhalt. Was glauben Sie, was möglich ist?
Balitsch: Wir tun gut in Nürnberg, realistisch mit der Situation umzugehen. Wir haben erneut Leistungsträger verloren und einen Umbruch hinter uns. Für eine Mannschaft wie Nürnberg ist das normal, aber dann kann man nicht davon ausgehen, mit Teams um die internationalen Plätze zu konkurrieren. Soweit sind wir noch nicht, wir gehen den gesunden Weg der kleinen Schritte. Wir wollen so schnell wie möglich die 40 Punkte. Je nachdem wann wir die haben, wird man sehen was möglich ist.
SPORT1: 2008 hatten sie in Hannover Stress mit dem damaligen 96-Trainer Dieter Hecking, der sie sogar zu den Amateuren schickte. Wie ist ihr Verhältnis jetzt in Nürnberg?
Balitsch: Wenn irgendetwas hängengeblieben wäre, dann wäre ich nicht in Nürnberg. Dieter Hecking und ich hatten im Vorfeld längere Gespräche und haben die Situation von damals analysiert. Im Nachhinein halte ich das für einen großen Vorteil, denn wir kennen die Stärken und Schwächen des anderen und können bestimmte Situationen gelassener angehen. Momentan arbeiten wir erfolgreich und mit viel Spaß zusammen.


