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Toni Kroos (r.) spielt seit 2006 für den FC Bayern München © getty

Der FC Bayern gewinnt nach einer bärenstarken Leistung gegen schwache Stuttgarter mit 6:1 (3:1). Martinez feiert sein Debüt.

Aus der Allianz Arena berichtet Mathias Frohnapfel

München - Vor Saisonstart vergrößerte der FC Bayern die Allianz Arena um 2000 Plätze.

Ein weiser Entschluss, so erscheint es nach dem atemberaubenden 6:1-Sieg über den VfB Stuttgart.

Denn die 71.000 Zuschauer bekamen zum ersten Heimspiel gleich mehrere Traumtore und eine spielfreudige Bayern-Mannschaft zu sehen, gegen die der VfB nur im ersten Durchgang ein gleichwertiger Gegner war.

Souverän setzte sich der FCB mit der Torlawine auch wieder an die Tabellenspitze.

Javier Martinez verfolgte das Geschehen bis zur 77. Minute von der Bank, der 40-Millionen-Euro-Zugang dürfte sichtlich beeindruckt gewesen sein. Zumal die neuen Kameraden just zum 24. Geburtstag des Welt- und Europameisters wie entfesselt aufspielten.

Nach Stuttgarts Führung durch Martin Harnik (25.) hieß es zur Pause nach Toren von Thomas Müller (32.), Toni Kroos (34.) und Luiz Gustavo (44.) 3:1. Mario Mandzukic (47.), erneut Müller (49.) und Bastian Schweinsteiger (51.) schenkten danach im Zwei-Minuten-Takt ein. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der völlig entnervte VfB-Angreifer Ibisevic handelte sich noch Rot ein (75.), als er Jerome Boateng hart attackierte.

Robben krank - Schweinsteiger startet

Wie von Jupp Heynckes angekündigt, gehörte Martinez zum Kader, spielte aber nicht von Beginn an. Der Ex-Spieler von Bilbao hatte bislang erst dreimal mit den neuen Teamkollegen trainiert.

Überraschend stand indes Arjen Robben nicht im Bayern-Aufgebot, der Niederländer musste sich kurzfristig mit einer Erkältung abmelden.

Für ihn rückte Bastian Schweinsteiger in die Startelf, der Bayern-Vizekapitän gehörte damit erstmals seit dem Champions-League-Finale wieder zur Anfangsformation.

Warnschuss des VfB

Die erste starke Aktion der Partie gehörte dem VfB. Vedad Ibisevic ließ Dante stehen und bediente Harnik, der zog sofort ab und traf die Latte (3.).

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Die Bayern reagierten auf diesen Warnschuss, dominierten danach das Spiel, ohne sich echte Chancen zu erspielen. Nicht nur Toni Kroos unterlief in der Anfangsphase die ein oder andere Ungenauigkeit.

Auch der erste FCB-Torschütze gehörte Kroos, war allerdings noch ungefährlich (13.).

"Wir hatten in den ersten 20 Minuten zu passiv gespielt, aber nach dem 0:1 ist meine Mannschaft erwacht. Wir haben reagiert, wie es der Anspruch für uns ist, und danach haben wir ein überragendes Spiel gezeigt", sagte Heynckes nach dem Spiel und ergänzte:

"Ich freue mich über das 6:1, aber nochmehr darüber, wie sich die Mannschaft präsentiert. Es harmonieren nicht nur die 14 auf dem Platz."

Harnik mit Traumtor

Ein Traumtor der Stuttgarter entfesselte dagegen die Bayern. 606960(DIASHOW: Der 2. Spieltag)

Arthur Boka zirkelte per Freistoß den Ball auf Harniks Fuß, der volley in den Winkel traf. Neuer hatte zwar noch eine Hand am Ball, das nützte aber nichts (25.).

Der Rückstand ließ den Rekordmeister jetzt fulminant angreifen.

Müller und Kroos drehen das Spiel

Und wie beim Liga-Start in Fürth löste Thomas Müller den Knoten: Mario Mandzukic hatte abgelegt und Müller in abseitsverdächtiger Position volley abgezogen, VfB-Keeper Sven Ulreich tauchte ab, doch gegen Müller Nachschuss war auch er machtlos (32.).

Quasi direkt vom Anstoß des VfB stürmten die Bayern zum 2:1. Müller bereitete diesmal Kroos den Weg, dessen Schuss wunderbar passte (34.).

Die Schwaben verstanden die Welt nicht mehr, binnen zehn Minuten war aus einer Führung ein Rückstand geworden. Ziemlich verdattert hätte Boka nun fast einen Elfmeter verschuldet.

Doch Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ließ weiterspielen, als der VfB-Verteidiger ungestüm den freistehenden Mandzukic zu Fall brachte (41.).

Bayern im Expresstempo

Die Bayern ärgerten sich nicht lange. Mit einem gewaltigen Schuss aus 30 Metern erhöhte Luiz Gustavo stattdessen auf 3:1 und flog danach förmlich in die Arme seiner jubelnden Mitspieler an der Bayern-Bank, zu der auch Neuer herangesprintet kam.

Durchschnaufen, darauf hatten die Bayern auch nach der Pause keine Lust. Stattdessen boten sie ihrem neuen Kollegen Martinez den zweiten Teil der Bayern-Show.

Und falls ein Bayer nicht im ersten Anlauf traf, verwertete ein Mitspieler im zweiten Versuch.

So testete Müller erst freistehend Ulreich, ehe Mandzukic den Abpraller verwandelte (47.). Dann zielte Mandzukic scharf, Ulreich parierte und den durch die Luft trudelnden Ball köpfte Müller über die Linie zum 5:1 (49.).

Auch Schweinsteiger jubelt

Weil?s so schön war, wollte jetzt auch Schweinsteiger dabei sein - die konfuse VfB-Abwehr half aber auch mit. Müller flankte unbedrängt, im Sturmzentrum stand Schweinsteiger goldrichtig und nickte den Ball zum 6:1 ein (51).

Er traf damit vor der Südkurve genau in jenes Tor, das ihm beim Elfmeterschießen im Champions-League-Finale wie verhext erschien.

Erstes Pflichtspiel für Martinez

Die Stuttgarter zogen sich weit zurück, Bayern genoss den eigenen Spielrausch.

"Wir haben viel zu viele Fehler gemacht, wir haben uns im Ballbesitz zu wenig gezeigt. Wir waren nicht in der Lage, dass zwei, drei Leute auf dem Platz eine Initiative ergreifen. Das ist für uns eine bittere Niederlage", resümierte VfB-Trainer Bruno Labbadia nach Spielende.

Heynckes erhöhte indes noch einmal den Gute-Laune-Faktor bei den Fans, als er Martinez brachte.

Nach 76 Minuten und 20 Sekunden kam der Welt- und Europameister für Schweinsteiger.

Ein paar Pässe und ein paar gewonnene Kopfballduelle, mehr zeigte der Spanier nicht. Musste er aber auch angesichts des FCB-Schützenfests nicht.

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