Sylvie ist glücklich, der HSV soll es werden
Von Martin Hoffmann
München - Die gute Nachricht des Wochenendes lautet: Sylvie ist gut angekommen in Hamburg.
"Sie hatte Tränen in den Augen, als sie die Alster wieder sah", notierte die lokale Presse. Und dass Rafael van der Vaarts Gattin "überglücklich" sei.
Was die Ehefrau schon ist, muss der neue, alte Klub noch werden.
Und nach drei Niederlagen in drei Pflichtspielen dämmert beim Hamburger SV mittlerweile allen, wie schwer das sogar mit dem zurückgekehrten Superstar werden wird - auch van der Vaart selbst (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Kann es nicht allein schaffen"
Er wolle "gerne ein Führungsspieler sein", hielt der Mittelfeldregisseur bei seinem ersten Teamtraining am Sonntag fest. Aber: "Ich kann es nicht allein schaffen, alle müssen mithelfen."
Ein Umstand, der vor lauter Van-der-Vaart-Euphorie im Moment ein wenig untergeht.
Rund tausend Fans sahen ihm am Sonntag beim Trainieren zu, 3000 Trikots mit seinem Namen wurden allein am Wochenende schon verkauft. Das Wort "Messias", es wird in zahlreichen Medien mit vollem Ernst auf van der Vaart angewandt.
Netzer sieht übertriebene Hoffnungen
Zu viel der Hoffnung, findet SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold: "Zu glauben, dass ein neuer Spieler kommt und alles wird gut - so einfach ist das nicht." ( KOLUMNE: van der Vaart ein Allheilmittel)
Ähnlich sieht es der ehemalige HSV-Manager Günter Netzer, der die Erwartungen an van der Vaart für "maßlos übertrieben" hält.
Die Rückholaktion sei zwar "eine gute Entscheidung", schreibt Netzer in der "Bild am Sonntag", aber: "Kein vernünftiger Mensch kann glauben, dass ein einziger Spieler auf Knopfdruck eine ganze Mannschaft verändern wird."
Der van-der-Vaart-Effekt könne die neuen Teamkollegen zwar "aus der Lethargie und Starre herauszuholen" - aber "nur mit Unterstützung der gesamten Mannschaft".
"Er steht eigentlich für nichts"
Den aktuellen Zustand des Tabellen-Fünfzehnten empfindet der Weltmeister von 1974 höchst bedenklich.
"In seinen Grundfesten erschüttert" sei der HSV: "Der Verein taumelt, er hat an Klasse und Ausstrahlung verloren und präsentiert sich nicht als Mannschaft. Er steht derzeit eigentlich für nichts."
Und daran hätten inzwischen auch Trainer Thorsten Fink und Manager Frank Arnesen ihren Anteil: Deren Einkaufspolitik könne man "bislang nicht als Erfolg bezeichnen".
Vertrauen in die Mannschaft
Van der Vaart wischt derartige Zweifel an der Qualität seiner neuen Teamkollegen beiseite.
"Ich habe sehr viel Vertrauen", betont er: "Sonst wäre ich nicht hergekommen."
Er habe am Samstag als Tribünengast beim 0:2 in Bremen ( Bericht) "eine Mannschaft gesehen, die Talent hat, aber kein Selbstvertrauen" (DIASHOW: Der 2. Spieltag).
Fink weiter selbstbewusst
Für Thorsten Fink gilt die Diagnose nicht. Der Trainer zeigte sich auch nach der Pleite in Bremen noch "fest davon überzeugt, dass wir schnell die Fahrt nach oben antreten".
Van der Vaart könne "die Last nicht allein tragen", aber: "Wir werden durch ihn effektiver, Rafael hat Ideen, ist torgefährlich. Und er will mit führen, macht auch mal den Mund auf."
Nationalcoach Louis van Gaal hat van der Vaart nicht für die anstehenden Länderspiele nominiert, so dass der nun zwei Wochen Zeit hat, sich in die Mannschaft zu integrieren.
Am Dienstagabend wird van der Vaart in einem Testkick beim Landesligisten SC Schwarzenbek erstmals auflaufen.
Notfalls in die Zweite Liga
Van der Vaart will die Zeit auch nutzen, um Berührungsängste der neuen Kollegen abzubauen: "Sie sollen merken, dass ich ein ganz normaler Junge bin."
Zu van der Vaarts Charme-Offensive gehört auch die Versicherung, den HSV selbst im schlimmsten Fall nicht im Stich zu lassen.
"Ich habe für die kommenden drei Jahre unterschrieben", erklärt er: "Egal für welche Liga."


