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Wegen seiner Abwanderungsgedanken setzt Ribery die Bayern immer mehr unter Druck © getty

Der Franzose will wohl nur beim Gewinn der Champions League bleiben - und macht das abhängig von seinen Forderungen nach Verstärkungen.

Von Christian Paschwitz

München - Er klingt immer unverhohlener wie jemand, der seinen Abgang inszeniert. Und er führt dabei gar erpresserische Argumente ins Feld:

Franck Ribery (Porträt) droht dem FC Bayern mit seinem Abschied. Der Rekordmeister kann nicht wirklich darauf bauen, dass der Franzose seinen Vertrag bis 2011 erfüllen wird.

Denn: Bayern Superstar will unbedingt die Champions League gewinnen. Dabei macht er seinen Verbleib in München öffentlichkeitswirksam von Verstärkungen abhängig. Bedeutet im Umkehrschluss: Scheitern die Bayern in diesem Jahr oder 2010 vorzeitig in der Königslasse, sagt der 25-Jährige an der Isar Adieu.

"Unser Abschneiden in der Champions League wird eine bedeutende Rolle spielen. Ich habe sehr große Lust, diesen Wettbewerb zu gewinnen", antwortete Ribery der französischen Sporttageszeitung "L"Equipe" auf die Frage, wie er sich hinsichtlich seiner persönlichen Zukunft entscheiden wolle.

"Schwierig zu sagen, was passiert"

Auch gegenüber der französischen Nachrichtenagentur "AFP" ließ das Mittelfeld-Ass ein klares Bekenntnis zu den Bayern erneut vermissen: "Es ist schwierig zu sagen, was passieren wird."

Dass Gerüchte entstünden, sei jedoch "weder mein Problem, noch mein Fehler. Ich bin gut auf dem Feld, das ist das Wesentliche. Für die Dinge, die außerhalb des Platzes passieren, habe ich Leute, die sich kümmern."

Grundsätzlich fühle er sich zwar wohl bei den Bayern ("Der Klub tut viel für mich, und ich gebe mein Maximum. Wir ziehen an einem Strang").

"Der Verein spürt den Druck"

Allerdings meinte Ribery auch vielsagend: "Viele Vereine interessieren sich für mich und wurden öffentlich genannt. Hohe Summen sind in Umlauf gebracht worden. Auch der Verein spürt den Druck und stellt sich Fragen..."

Trotz des jüngsten Rüffels von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge verlangte der Franzose erneut Neuzugänge: "Ich weiß, dass das Team verstärkt werden muss, damit es in allen Wettbewerben und vor allem in der Champions League das notwendige Niveau hat."

Rummenigges Kritik an seinen öffentlichen Forderungen konterte Ribery mit den Worten: "Wenn ich die Namen einiger Spieler fallen lasse, von denen ich glaube, dass sie uns weiterbringen können, ist das zum Wohle des Vereins."

Klinsmann versucht zu entspannen

Immerhin: Er wisse aber, dass die Verantwortlichen daran arbeiteten, die Mannschaft zu verstärken, ergänzte er.

Das bestätigte Trainer Jürgen Klinsmann: "Ich kann ihm versichern, dass wir an anderen Spielern für die nächste Saison dran sind. Franck weiß, dass wir mit diesem Klub in den nächsten Jahren viel vorhaben."

Der 44-Jährige (Porträt) fügte hinzu: "Ich finde es faszinierend, mit solchen Spielertypen zusammenzuarbeiten. Aber solche Spieler wollen auch überzeugt werden, mit dem FC Bayern erfolgreich sein zu können."

Zoff wegen "Arroganz-Attacke"

Davor hatten sich die Bayern-Verantwortlichen allerdings weniger diplomatisch gezeigt - und Ribery wegen seiner "Arroganz-Attacke" bei der 5:1-Gala im DFB-Pokal beim VfB-Stuttgart (Schönen Gruß nach Hoffenheim) attackiert.

"Das hat mir gar nicht gefallen. Das ist Cirque du Soleil. Das muss Franck sich in Zukunft abgewöhnen", polterte Manager Uli Hoeneß (Macht Hoeneß doch weiter?), nachdem Ribery einen Elfmeter überheblich in die Arme von VfB-Keeper Jens Lehmann geschlenzt hatte.

Und Klinsmann meinte: "Da hat es ein bisschen gebrodelt in mir."

Widerworte gegen Hoeneß

Auch Franz Beckenbauer lässt dem als Spaßvogel geltenden Franzosen (Einwurf: Was erlaube Franck?), der im Trainingslager in Dubai kürzlich mit dem Mannschaftsbus einen Unfall fabrizierte und von der Ulknudel zur nervigen Diva zu geraten scheint, inzwischen längst nicht mehr alles durchgehen:

"Auch ein so fantastischer Fußballer muss sich an Spielregeln halten", sagte der Bayern-Präsident der "Bild". "So ein Elfer ist provozierend. So etwas darf sich auch Ribery nicht erlauben."

Der Spieler dagegen tut den Vorfall als Lapalie ab - und geht mit seinen Vorgesetzten auf Konfrontationskurs: "Sollte der Manager ein Problem mit mir haben, soll er es mir persönlich sagen. Wenn ich Lust habe, einen Elfmeter wieder so zu versuchen, werde ich es auch tun."

Schweinsteiger steht bereit

Und weiter: "Das ist meine Art Fußball zu spielen. Das werde ich beibehalten. Und wenn es gegen den HSV wieder einen Elfer gibt, werde ich diesen schießen."

Ob Ribery beim Rückrundenstart in Hamburg (ab 20 Uhr LIVE) im Fall der Fälle jedoch tatsächlich zum Punkt schreiten wird, bleibt eine spannende Frage: Nach Halbzeitpause in Stuttgart hatte Klinsmann Bastian Schweinsteiger (Porträt) zum Elfmeterschützen benannt - der dann auch prompt ran musste. Und souverän verwandelte.

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