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Jubel über das Hamburger 1:0: Collin Benjamin (r.) feiert Schütze Mladen Petric © getty

Von wegen unbesiegbare Münchner: Im Nord-Süd-Schlager zum Rückrundenstart entzaubert Hamburger den Rekordmeister und ist nun Tabellenführer.

Hamburg - Er griff in den imaginären Köcher, zog den Pfeil, schoss - und traf den FC Bayern mitten ins Herz.

Mit seinem neunten Saisontor erzielte Mladen Petric den "goldenen" Treffer beim 1:0 (1:0)-Heimerfolg des Hamburger SV beim Rückrundenauftakt-Knaller gegen den Rekordmeister.

Damit ist die Crew von Trainer Martin Jol zumindest für 19 Stunden neuer Spitzenreiter.

"Das war das Highlight meiner Hamburger Zeit. Das war ein unglaubliches Spiel", jubilierte der HSV-Coach. "Wir hätten noch fünf bis sechs Tore mehr machen können. Die Bayern hatten aber auch noch genug Chancen, um Tore zu machen."

Bayern gleich in Not

Ohne den gesperrten Ivica Olic, der bei Temperaturen im Minusbereich bibbernd auf der Stahltreppe in der Nord-Ost-Ecke kauerte, hielten die Hanseaten ihr System variabel: Je nach Spielsituation agierten die Rothosen in einer 4-2-3-1- beziehungsweise 4-1-4-1-Formation, mit der die Bayern zunächst ihre Probleme hatten.

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Bayern setzte dem ein klassisches 4-4-2 entgegen. Aber herein gespült und getragen vom Euphorie-"Tsunami", der von den 57.000 Zuschauern in der HSH-Nordbank-Arena entfacht wurde, bestimmten die Gastgeber die Anfangsminuten.

"Die erste halbe Stunde haben wir verpennt. Wir haben zu weit von den Leuten weggestanden und den HSV spielen lassen. Die zweite Halbzeit war spielerisch okay, aber wir haben viel zu viele Chancen vergeben", monierte Bayerns Trainer Jürgen Klinsmann.

"Jetzt ärgern wir uns natürlich über diese Niederlage, aber wir müssen uns eben die Punkte nächste Woche holen."

Trochowski trumpft auf

Einen ersten Warnschuss gab Jonathan Pitroipa bereits nach zwei Minuten Richtung Bayern-Gehäuse ab, verfehlte das Ziel aber um gut zwei Meter. Dann tauchte Bastian Schweinsteiger urplötzlich im Strafraum vor HSV-Keeper Frank Rost auf, verpasste mit seiner Direktabnahme aber knapp das Tor.

Nur drei Minuten später hätte Ex-Bayer Piotr Trochowski beinahe die Führung erzielt. An einen seiner Flatter-Distanzschüsse bekam Keeper Michael Rensing gerade noch die Finger und lenkte die Kugel so an den Pfosten (6.).

Die Bayern wirkten lange nicht so spritzig wie noch bei der 5:1-Gala im Achtelfinale des DFB-Pokals beim VfB Stuttgart. Luca Toni behakte sich permanent mit Bastian Reinhardt, sein Sturmpartner Miroslav Klose fand nicht ins Spiel.

Es lief nicht rund beim Rekordmeister. Symptomatisch: Martin Demichelis und Lucio stiegen gemeinsam zum Kopfball hoch, bei der Landung trat der Argentinier dem Brasilianer unglücklich auf den Fuß.

Toni-Tor aberkannt

Der HSV blieb gefährlich: Erst lief Guerrero auf Rensing zu, musste sich aber im Laufduell dem Brasilianer Lucio geschlagen geben (9.). Dann widerfuhr Pitroipa in einer ähnlichen Szene das gleiche Schicksal im Duell mit Philipp Lahm.

Dennoch trafen die Münchner zuerst ins Netz: Luca Toni setzte sich im Zweikampf mit Reinhardt durch und schob den Ball an Frank Rost vorbei. Schiedsrichter Knut Kircher hatte zuvor aber ein angebliches Foul des Italieners erkannt.

Die strittige Szene leitete eine zerfahrene Phase der ersten Halbzeit ein, in der wenig Torchancen zu verbuchen waren, dafür umso mehr kleine Fouls das Spielgeschehen bestimmten. Van Bommel rauschte in David Jarolim hinein, Rost stritt sich im Fünfmeterraum mit Christian Lell.

Pitroipa entscheidend

Sie dauerte an, bis Goalgetter Petric zu schlug: Nach einer Trochowski-Ecke bekamen die Bayern den Ball nicht aus der Gefahrenzone, ausgerechnet Sturm-Floh Jonathan Pitroipa gewann das entscheidende Kopfball-Duell gegen Schweinsteiger.

David Jarolim schaufelte den Ball aufs Gehäuse, und Michael Rensing wehrte ihn direkt auf den Kopf von Petric ab, clever zum 1:0 abstaubte.

Auch nach dem Seitenwechsel drückte der HSV mächtig aufs Tempo. Petric kreuzte direkt nach Wiederanpfiff vollkommen frei vor Rensing auf. Erneut rettete das Aluminium die Münchner, der Nachschuss von Paolo Guerrero fegte über das Netz.

Präzision fehlt

Erst danach kamen die Bayern besser ins Spiel, die Hamburger zogen sich zurück und zollten dem hohen Tempo ein wenig Tribut.

Letztlich fehlte es den Gästen jedoch an der Präzision und wohl auch dem nötigen Glück im Abschluss bei den guten Chancen von Klose (66.), Toni nach Klose-Vorarbeit (69.) und Tim Borowski (78.).

In der 82. Minute durften sich die HSVer bei Jerome Boateng bedanken, der einen Klose-Schuss einen Meter vor der Torlinie für den bereits geschlagenen Rost wegschlug.

Slavias Tavares kommt

Am Rande der Partie verkündete Slavia Prag auf seiner Internet-Seite, Mickael Tavares an den Hamburger SV abzugeben.

Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler habe ein Angebot erhalten, das er "kaum ablehnen konnte", hieß es.

Der langjährige Vertrag sei "eine große Chance für seine Karriere", zitierten die Tschechen den Franzosen.

Tavarez war 2007 vom französischen Klub FC Tours nach Prag gewechselt. Zusammen mit dem Venezuelaner Rincon soll Taverez den nach Manchester abgewanderten Nigel de Jong ersetzen.

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