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Trotzreaktion nach dem Pokal-Debakel? Stuttgarts Gomez (l) und Jens Lehmann © getty

Nur noch ein Tag bis zum Rückrundenstart: Dann geht auch das Hauen und Stechen um die Europacup-Ränge wieder los. Eine Sport1.de-Prognose:

Von Christian Paschwitz

München - So ganz furchtbar weit weg von der Spitzengruppe sind sie nicht, der Einzug ins internationale Geschäft ist greifbar:

Doch vor dem Rückrunden-Start herrscht unter den fünf Anwärtern auf die Europacup-Plätze trotzdem dicke Luft - zumindest beim FC Schalke 04 und dem VfB Stuttgart. Schuld daran sind personelle Konflikte sowie ein blamabler Auftritt im DFB-Pokal. (Bayern demütigt Stuttgart)

Bei Königsblau prägt das Autoritätsdilemma um Coach Fred Rutten das Bild. Und auch im Ländle hängt der Haussegen schief, nachdem Jens Lehmann gegen Teamchef Markus Babbel polterte. (Lehmann schießt gegen Babbel)

Sport1.de wagt die Prognose: Wer hat am Ende wohl die aussichtsreichsten Karten für den Sprung in den Europapokal-Wettbewerb? Und welche Teams dürften sich schließlich mit dem grauen Mittelmaß zufrieden geben müssen? (Der Tabellenrechner).

Nicht zuletzt könnte auch entscheidend werden, wer am besten auf dem Transfermarkt zugeschlagen hat. (Winterfahrpläne und Wechselbörsen der 18 Teams)

Borussia Dortmund (6. Platz, 29 Punkte, 27:19 Tore)

Die Borussen lassen aufsteigende Tendenz erkennen. Mit Kevin Prince Boateng gibt's zudem eine Heißsporn-Verpflichtung, die sich nach dem Scheitern bei Tottenham in der Bundesliga rehabilitieren will.

Der einzige Leader beim BVB ist allerdings Trainer Jürgen Klopp - zumal Kapitän Sebastian Kehl wieder mal verletzt ausfällt. Auch die ersten Partien gegen Leverkusen und die Bayern dürften schnell erkennen lassen, dass die Mannschaft für einen UEFA-Cup-Rang noch zu grün ist.

Rächen kann sich bei weiteren Ausfällen womöglich doch, Routiniers wie Diego Klimowicz (VfL Bochum) und Robert Kovac (Dinamo Zagreb) abgegeben zu haben.

Sport1.de-Prognose: Die Mannschaft steckt mitten in einem Entwicklungsprozess. Fortschritte wird es weiter geben. In punkto Kaltschnäuzigkeit dürften die Schwarz-Gelben aber noch einiges an Lehrgeld zahlen.

FC Schalke 04 (7. Platz, 27 Punkte, 24:16)

Das Chaos bei Königsblau hat sich nicht wirklich in Wohlgefallen aufgelöst. Die Truppe des nach wie vor wackelnden Trainers Fred Rutten rumpelte sich durch die Vorbereitungsspiele (0:0 gegen Levante, 0:1 gegen Castellon, 2:2 gegen 1860 München).

Selbst das Pokal-Weiterkommen in Jena (4:1) wurde überschattet - durch die Rote Karte für Gerald Asamoah.

Der Eindruck besteht, bei Mannschaft und Manager Andreas Müller herrsche genausoviel Disharmonie und Ratlosigkeit wie zuletzt: Die Nationalspieler Asamoah und Jermaine Jones beschädigten öffentlich Ruttens Autorität ("Wir brauchen mehr Arschlöcher in der Mannschaft!").

Immerhin trennten sich die Knappen von Skandal-Brasilianer Ze Roberto II. Auch der gefloppte Peter Lövenkrands (nach Newcastle) sowie Albert Streit und Carlos Grossmüller (zu den eigenen Amateuren) wurden aussorttiert.

Sport1.de-Prognose: Ohne Teamspirit wird es zwar schwer, sich direkt für den UEFA-Cup zu qualifizieren. Allerdings könnte ein endlich durchgreifender Rutten und ein guter Neustart (gegen Hannover und Bochum, in Bremen) den Egoismus doch noch weichen lassen - und das Punktepolster schaffen, auf das es auf der Saisonzielgeraden ankommt.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei Kevin Kuranyi zu, der nach seiner Rückkehr aus der Nationalelf und mäßigen Leistungen besonders in der Bringschuld steht.

Werder Bremen (8. Platz, 26 Punkte, 39:28 Tore)

Die Pokal-Revanche gegen Dortmund könnte für die Hanseaten eine Initialzündung gewesen sein, unter die schwache Hinrunde endgültig einen Schlusstrich zu ziehen und neu durchzustarten. (Das Sport1.de-Formbarometer)

Wenn Coach Thomas Schaaf auch noch seine "Sorgenkinder" Diego (zuletzt Trunkenheitsfahrt) und Torsten Frings (Rot im Testspiel) auf Linie bringt, sollte sich das an sich eingespielte Ensemble unter die Top fünf schieben können.

Sport1.de-Prognose: In gewohnt ruhiger Arbeitsatmosphäre erfüllen die Weserstädter doch noch ihr Klassenziel. Neue Impulse verspricht überdies der griechische Neuzugang Alexandros Tziolis.

VfL Wolfsburg (9. Platz, 26 Punkte, 35:25 Tore)

Schon in der Hinserie ließ der unlängst noch als graue Maus abgestempelte VfL seine spielerische Klasse aufblitzen.

Weil nun auch Top-Goalgetter Grafite (Handbruch) fit ist, sollte die Wolfsburger Tormaschinerie (35 Treffer) wieder auf Touren kommen und zum Sprung nach vorn ansetzen. Interessante Frage ist, ob der Japaner Makoto Hasebe aufblüht, dem mit Neuzugang Yoshito Okubo (Vissel Kobe) ein Landsmann zur Seite gestellt wurde.

Sport1.de-Prognose: Der beharrliche Weg mit viel Kapital eines Autobauers zahlt sich endlich aus. Gegen Köln, Bochum und Frankfurt winkt ein Auftakt nach Maß - und mit ein bisschen Fortune Platz fünf.

VfB Stuttgart (10. Platz, 25 Punkte, 26:23 Tore)

Entscheidend für die gesamte Rückrunde mag sein, wie die Schwaben auf das blamable DFB-Pokal-Aus gegen die Bayern (1:5) reagieren - ein echter Charaktertest, nachdem es unter Neu-Teamchef Markus Babbel zuvor noch keine Niederlage gab.

Auch Manager Horst Heldt nimmt seinen sportlich Verantwortlichen nun enorm in die Pflicht: "Jeder muss sich jetzt hinterfragen. Das schließt selbstverständlich auch den Trainer mit ein." Der Dauerbrenner um Babbels Trainerlizenz sollte auch künftig nicht weiter belasten.

Unklar scheint aber, was passiert, wenn schon gleich gegen Schlusslicht Gladbach der Befreiungsschlag misslingt und die bisherige "Tore-Lebensversicherung" Mario Gomez nicht auf Touren kommt. Das Betriebsklima empfindlich stören könnte auch Torwart Jens Lehmann mit weiterhin öffentlicher Kritik und privaten Extra-Würsten.

Wegen seiner Schelte an den Teamkollegen nach dem Pokal-Debakel wurde der 39-Jährige nun zu einer Geldstrafe verdonnert.

Sport1.de-Prognose: Der Zug für das internationale Geschäft fährt diesmal ohne den VfB ab.

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