In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Jetzt gehts los!

Das Ende der sportlichen Eiszeit ist greifbar nahe: endlich wieder Bundesliga! Endlich Schluss mit Budenzauber in der Halle, Trainingsspielchen in Dubai und Mini-Turnieren in Belek.

Endlich wird es wieder ernst: Tore, Spiele um Punkte. Für den Titel, gegen den Abstieg, zur Qualifikation fürs internationale Fußball-Business.

Bundesliga - die tägliche Dosis Spannung. Ich habe dieses Spektakel so vermisst. Ganz ehrlich.

Und freue mich gespannt auf die Rückrunde, auf Teil 2 einer bisher ziemlich "wilden" Saison. Und die ersten Antworten auf die Schlüsselfragen der Liga:

Geht der Hoffenheim-Hype wirklich weiter?

Mein Gefühl sagt NEIN. Seit dem Thriller-Duell mit den großen Bayern hat sich das berühmteste und verrückteste Fußball-Dorf verändert. Zwangsweise. Leider.

Franz Beckenbauer hat Recht: Eine Spur Größenwahn hat die Idylle erreicht. Das ist gefährlich.

Wenn TSG-Trainer Ralf Rangnick nach der Arena-Eröffnung gegen die VIP-Fans giftet, weil sich die Zuschauer lieber das neue Stadion ansehen, als ein Testspiel gegen eine unterklassige Auswahl und deshalb nicht pünktlich zur 2. Halbzeit auf ihren teuren Plätzen sitzen - dann muss ich attestieren: der hat den Schuss nicht gehört.

Der Kick seiner Truppe war das Dessert einer Party. Nicht der Hauptgang. Wer sich so wichtig nimmt in einer komplexen Fußball-Wirtschaftswelt beweist: die Lockerheit, das Unbekümmerte ist weg. Stattdessen: Verbissenheit.

Für mich überraschend: Rangnick durfte die Kunden attackieren und wurde nicht eingebremst. Auweia.

Hinzu kommt: Mit dem Ausfall von Ibisevic ist der Knipser weg. Mit Hildebrand hat man auf den ersten Blick nicht die Abwehr verstärkt, sondern sich Diskussions-Potenzial geholt.

Meine Fernprognose: Hoffenheim wird ein ganz normales Mitglied der Leistungsgesellschaft Bundesliga - und kommt in den UEFA-Cup. Aber: das sympathische Schmunzeln ist verschwunden.

Werden die Bayern Meister?

Klares JA. Die Demontage des VfB Stuttgart im Pokal hat gezeigt: Die Vorbereitung hat die Superstar-Maschine geölt, die Bayern haben ihre zerstörerische Kraft wieder gefunden. Die Klinsi-Boys kann keiner stoppen.

Aber eines kann ich mir nicht verkneifen: Das monatliche Nettogehalt von Monsieur Ribery von angeblich über 300.000 Euro hat mich schon aus den Schuhen gekippt. Nicht aus Neid oder Missgunst.

Vielmehr die veröffentlichte Meinung, dass er jeden Cent Wert sei. Kein Spieler auf dieser Welt ist solch eine Summe wirklich wert - im Vergleich zu anderen Jobs in diesem Leben.

Der Markt gibt es für Ribery her - also hat er es verdient. "Wert sein" kann er es nicht, das wäre auch ein zu hoher Druck.

Denn: Die Bundesliga hat vor Ribery funktioniert und wird es auch nach Ribery tun. Er ist ein toller, genialer Fußballer. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

Schafft Hans Meyer den Klassenerhalt mit Gladbach?

Ich glaube nicht daran. Trotz der Zukäufe fehlt der Borussia die Qualität. Über die Sinnhaftigkeit der Transfers kann man nicht urteilen, weil die Sichtweise von Meyer nichts anderes zulässt.

Von außen hätte ich mich anders verstärkt, kann aber die Argumentation vom Kult-Hans nachvollziehen. Allein die Tatsache, dass diese Traditionsmarke zum wiederholten Mal am Abgrund steht ist ein "Verbrechen". So oder so: Gladbach muss endlich lernen!

Verleiht der Podolski-Transfer den Kölnern Flügel?

Klar steht der FC Kopf: Poldi im Sommer wieder da, jetzt träumen alle vom UEFA-Cup, einer Super-Truppe und noch mehr. Natürlich freue ich mich als Kölner, aber es gibt auch eine andere Sichtweise der Dinge.

Nicht um etwas als Dauer-Nörgler kaputt zu reden, was doch so schön und happy aussieht. Ein 23-jähriger kommt nach zwei Jahren "nach Hause" und gibt einem das Gefühl, als gäbe es kein "danach" mehr.

Aber Poldi steht nicht vor dem Karriereende! Und er allein schießt den FC nicht ins Penthouse der Bundesliga. Dazu braucht man noch mindestens drei Verstärkungen - und muss Geromel halten.

Und wenn Poldi irgendwann mal geht, weil doch nicht alles gelaufen ist, wohin will er? In Deutschland will kein Klub mehr das ewige Lied vom Kölner Dom hören...

Ich wünsche mir als Kölner, dass es beim FC so ausgeht wie ein kölsches Sprichwort es sagt: "Et hät noch immer joot jejange." In Kurzform: Alles wird gut.

Schön, dass ich wieder Fussball leben darf.

Bis Montag,

Euer Toni Schumacher

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