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Wulf Ingo Usbeck (l.) und Tasmania Berlin gewannen nur zwei Bundesliga-Spiele © imago

Die ersten Bundesliga-Jahre werden von Skandalen überschattet. Hertha dient als Beispiel. Tasmania leidet. SPORT1 blickt zurück.

Von Rainer Kalb

München - Die ersten zehn Jahre waren die wilden Jahre der Bundesliga.

Im zweiten Teil der Serie zur 50. Bundesliga-Saison blickt SPORT1 zurück. (50 Jahre Bundesliga: Teil 1 der SPORT1-Serie)

Der Profifußball war an Professionalismus noch nicht gewöhnt.

Es gibt zwei bezeichnende Beispiele.

1964/65 war Hertha BSC Berlin erwischt worden, weil der damals von der DDR eingeschlossene Inselverein mehr als die 1200 Mark bezahlte, um überhaupt Spieler nach Berlin zu locken.

Wegen der Schwarzgeldzahlungen wurde der "alten Dame" die Lizenz entzogen und, wie so so schönheißt, "par ordre de Mufti" - durch die Anordnung des Mullahs, also des DFB - Tasmania Berlin in die Bundesliga gehievt.

Trauriger Rekord für Tasmania

Dass die sportlich in der Bundesliga nichts verloren hatten und damit die Sportfunktionäre der Lächerlichkeit preisgaben, beweist die ewige Tabelle der Bundesliga: 108 Gegentore, nur acht Punkte aus 34 Spielen - dieser Rekord ist der Tasmania nicht mehr zu nehmen.

So kommt es, wenn Sportfunktionäre den Sport regeln wollen, statt die Entscheidungen auf dem Platz fallen zu lassen.

Da waren übrigens Karlsruhe und Schalke sportlich abgestiegen. Weil aber auch der DFB weiter auf Kohle setzen wollte und der KSC mit Klage gegen die Aufnahme von Tasmania drohte, wurde die Bundesliga kurzerhand auf 18 Vereine aufgestockt. (DATENCENTER: Die Bundesliga)

Karlsruhe und Schalke blieben drin; Mönchengladbach war so naiv, dass einige Spieler des Aufsteigers vor dem Flug nach Berlin ihre Pässe vergaßen - im Glauben, sie blieben innerhalb der Bundesrepublik.

Canellas löst Bundesliga-Skandal aus

1970/71 waren die Spieler gierig, wie sie es heute noch sind, und die Vereinsfunktionäre hatten nichts gelernt. Der Bundesliga-Skandal kam ans Licht, als Offenbach-Präsident Horst-Gregorio Canellas an seinem 50. Geburtstag auf ein Tonbandknöpchen drückte und den in Feierlaune anwesenden Gästen eben diese Laune versaute.

Der betrogene Betrüger machte der Öffentlichkeit Tonbanddokumente zugänglich, auf denen auch der inzwischen geflügelte Satz zu hören ist: "Boss, wir müssen Spiele kaufen."

Kindermann greift durch

Über 80 Spieler und Funktionäre sowie Trainer wurden seinerzeit durch die akribische Arbeit von Chefankläger Horst Kindermann gesperrt; Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld wurde die Lizenz entzogen.

Dank gewiefter Anwälte wehrten sich vor allem Schalker Spieler vor staatlichen Gerichten gegen die Urteile der Sportgerichtsbarkeit. Für 2300 Mark hatten sie ein Spiel gegen Bielefeld verschoben.

Den Klubs entstand durch den Skandal ein immenser Schaden. Da es europaweit noch die Auslandsspieler-Regelung gab, waren die meisten in Deutschland gesperrten Spieler unverkäuflich, es musste Ersatz beschaffen werden, und der Zuschauerschnitt sank auf die Tiefstmarke von etwas über 18.000. Die Bundesliga hatte ihre Unschuld verloren.

Das Fernsehen entdeckt die Bundesliga

Auch das Fernsehen merkte erst nach und nach, was es an der Bundesliga hatte. Vom 1. Spieltag gab es noch keine Bilder. Später zahlten die TV-Anstalten 1000 bis 2500 Mark pro Spiel direkt an die Klubs, ehe das vom DFB zentralisiert wurde.

Zwei, später drei Spiele durften in Ausschnitten gezeigt werden,und die Anstoßzeit wurde auf 15.30 Uhr vorverlegt, damit die Kamikaze-Fahrer des Westdeutschen Rundfunks mit ihren Filmrollen noch pünktlich das Funkhaus in Köln erreichten.

Von einem Verantwortlichen der ersten Stunde, dessen Name nicht mehr exakt zu finden ist - die Quellen widiersprechen sich - ist der Satz überliefert: "Wir können für eine TV-Übertragung aber kein Geld bezahlen."

Heute ist dem Fernsehen ein TV-Vertrag in seiner Gesamtheit über 600 Millionen Euro wert.

So ändern sich die Zeiten.