Fortuna räumt mit Kritik auf
Von Christian Paschwitz
München - Nur an der Torwand im ZDF-Sportstudio zeigte sich noch einmal Fortuna Düsseldorfs vielerorts kritisierte Offensivschwäche.
Gleich bei allen sechs Versuchen war Andreas Lambertz gescheitert, deklassiert im Duell mit einem 16-jährigen Schüler, wie es Mitspieler Axel Bellinghausen vorher schon augenzwinkernd prognostiziert hatte ("Der schießt euch die Wand kaputt und trifft nicht ein Mal").
Beim Unentschieden mit dem FC Schalke 04 jedoch hatten Lambertz und Kollegen jedoch bewiesen, dass sie alles andere sind als reine Mauerkünstler, vor dem Tor sehr wohl auch erfolgreich abschließen können.
Zweimal in Folge zwei Tore
Von wegen bloß Defensive: Zwei Tore gab es gegen den königsblauen Champions-League-Teilnehmer, und das nach einem schnellen 0:2-Rückstand. ( Bericht)
Davor schon ein Doppelpack bei Mitaufsteiger Greuther Fürth. (DIASHOW: Der 6. Spieltag)
Den Nörglern für die drei Nullnummern ab dem zweien Spieltag ist fürs erste der Wind aus den Segeln genommen worden.
Goalgetter Schahin euphorisch
"Die anderen kochen auch nur mit Wasser. Und ich habe ja auch ein bisschen was drauf", sagte Dani Schahin nach seinem Doppelpack gegen Schalke.
Nicht bloß der aus Fürth gekommene Stürmer, der auch schon beim Saisonstart gegen den FC Augsburg zweimal getroffen hatte, kann dabei eine gewisse Genugtuung gegenüber den Kritikern nicht ganz verbergen.
Ganz Düsseldorf wirkt in diesen Tagen euphorisiert wie sonst nur zur Karnevalszeit oder direkt nach dem Aufstieg. "Ich denke, dass jetzt jeder verstanden hat, dass wir auch Fußball spielen können", erklärt Johannes van den Bergh.
Fortunas Feierwochen gehen weiter
Fortunas Feierwochen nach dem sechsten Spieltag lesen sich beeindruckend: Platz sechs, zehn Punkte auf dem Konto, immer noch ungeschlagen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Da stört es auch wenig, dass es nach 1462 Minuten erstmals wieder ein Gegentor setzte, der mittlerweile unumstrittene Schlussmann Fabian Giefer nach 462 Minuten das erste Düsseldorfer Gegentor dieser Saison einstecken musste (Weiße Weste: Giefer liegt vor Neuer).
Und um die Statistik zu komplettieren: Fast hätte das Duell mit Schalke gar den ersten Bundesliga-Heimsieg der Rheinländer seit 5655 Tagen hervorgebracht.
2004 noch in der Oberliga
Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen:
2004 hießen die Gegner in der Oberliga Nordrhein Yurdumspor Köln, GFC Düren oder Borussia Freialdenhoven.
Kaum einmal mehr als 3000 Zuschauer kamen zu den Spielen im kleinen Flinger Broich, im Schatten der Müllverbrennungsanlage zwischen Kleingärten und Autohäusern. ( VEREINSSEITE: Alles zur Fortuna)
Euphorie wie in den 70ern und 80ern
Nun indes hat die Fußball-Euphorie in Düsseldorf hat ein Ausmaß erreicht, das die Stadt selbst in den erfolgreichen 70er und 80er Jahren nicht erlebt hat.
"Was hier abgeht, ist Wahnsinn. Da bekommst du eine Gänsehaut, fantastisch", meint Norbert Meier. Dass es so ist, ist auch das Verdienst des Trainers - und Wolf Werner.
Gleich 16 neue Spieler hat Fortunas Manager zu Saisonbeginn geholt, darunter eben auch 400.000-Euro-Schnäppchen wie Giefer. Meier wiederum fügte die personellen Einzelteile zu einem funktionierenden Mannschaftspuzzle zusammen.
Meier verjagt Geister der Vergangenheit
Auch er selbst passt zur Fortuna derzeit wie offenbar kein zweiter Coach:
"Man kann es so zusammenfassen: Da haben sich zwei Gestrandete getroffen. Es haben sich zwei gesucht und gefunden", sagte Meier kürzlich bei "Sky 90" über seine Beziehung zur Fortuna.
Noch immer haftet dem 54-Jährigen der Makel an, einst als Trainer des MSV Duisburg einen Kopfstoß des damaligen Kölners Albert Streit vorgetäuscht zu haben.
"Ich habe aus diesem Fehler gelernt"
"Ich habe da einen großen Fehler gemacht. Aber ich habe aus diesem Fehler gelernt. Durch die Sperre", sagt Meier geläutert, "hatte ich ja genug Zeit, zu reflektieren."
So wie Lambertz, Kapitän seit Fortunas Aufbruch aus der vierten Liga ins Oberhaus, noch mindestens 28 Liga-Spieltage bleiben, um womöglich noch einmal sein Glück an der Torwand versuchen zu dürfen.


