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Bayern-Trainer Klinsmann zeigte sich während und nach dem Spiel verärgert © getty

Ein Topspiel, ein Schwerverletzter, zwei Aufreger - und am Ende jubelt nicht der FC Bayern. Der HSV übernimmt die Spitze.

Hamburg - Der Matchwinner der Partie genoss sein Hochgefühl.

"Es ist sensationell, einfach geil", lachte er.

Und wie um es noch einmal zu bekräftigen, klopfte sich Mladen Petric in den Katakomben der Nordbank-Arena mit der Hand auf die Raute.

"Da sitzt mein Herz", zeigte der Stürmer, der zuvor den Hamburger SV mit seinem "goldenen" Treffer in der 44. Minute zum 1:0 (1:0)-Heimsieg gegen den FC Bayern geschossen hatte.

Von der Meisterschaft wollte er (noch) nicht reden. "Es ist wunderschön, oben mitzuspielen, aber um den Titel zu holen, muss schon vieles zusammen kommen", merkte er an.

"Wir sind sauer"

Er wird es wissen, Jürgen Klinsmann ebenso. Auch wenn der Bayern-Coach es sich augenscheinlich nicht anmerken lassen wollte, diese Pleite wurmte ihn enorm.

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Bei seiner Analyse wählte der sonst so smarte Ex-Kalifornier deutliche Worte: "Im Moment sind wir sauer, weil wir uns das ganz anders vorgestellt haben", sagte er.

Er ging mit seinem Team, in dem Franck Ribery einen rabenschwarzen Tag erwischte, hart ins Gericht: "Die erste Hälfte haben wir komplett verpennt", klagte er an.

Vor allem die Leistung des Schiedsrichters Knut Kircher aus Rottenburg stieß ihm bitter auf.

Toni-Tor annulliert

Der Referee annullierte Luca Tonis Treffer in der 29. Minute zum Entsetzen aller Bayern. Kircher hatte ein leichtes Zupfen des Weltmeisters am Trikot von Bastian Reinhardt geahndet.

Kircher blieb fest bei seiner Entscheidung: "Wenn man die Fernsehbilder betrachtet, sieht man, dass mein Pfiff und das Heben der Fahne des Assistenten nahezu gleichzeitig waren. Wir haben beide ein Stoßen Luca Tonis gesehen", rechtfertigte er sich.

Auf Verständnis stieß er bei den Bayern damit nicht. "Von Seiten des HSV - speziell von David Jarolim - war zu hören, dass die Bayern bevorzugt behandelt werden würden, jetzt wurden wir wohl benachteiligt", betonte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge auf Nachfrage von Sport1.de.

"Es war ein Tor"

"Es war jedenfalls ein astreines Tor", stellte Klinsmann nach dem Abpfiff fest. Auch den Kopfball von Miroslav Klose hatte er hinter der Linie gesehen (48.).

"Mein Assistent hat mir klar signalisiert, dass der Ball nicht hinter der Linie war", resümierte Kircher dagegen.

Klinsmann sah das anders, als Knackpunkt wollte er die strittigen Szenen jedoch nicht betrachten. "In der zweiten Halbzeit waren genug Chancen da, um das Spiel umzubiegen", erkannte der Trainer.

Chancen nicht genutzt

Die Chancenverwertung war dann wohl auch das entscheidende Kriterium. "Wir hätten mindestens zwei Tore machen müssen, jetzt sind wir nur noch enttäuscht", meinte Bastian Schweinsteiger.

Für Bayern-Präsident Franz Beckenbauer war der HSV-Sieg "in Ordnung. Bayern ist für seine Nachlässigkeit in der ersten Halbzeit bestraft worden und hat nach der Pause die vielen Chancen nicht genutzt."

Wieder auf Boden der Tatsachen

Petric erklärte das Erfolgsrezept des HSV so: "Wir waren optimal vorbereitet und wir haben uns in der zweiten Halbzeit mit elf Mann in die Bälle geworfen. Deshalb haben wir gesiegt."

Letztlich ließen sich die Bayern auch von der Bissigkeit der Hamburger in den Zweikämpfen aus dem Konzept bringen. Sie sind nach zuletzt elf Spielen ohne Niederlage und der umjubelten 5:1-Gala im Pokal beim VfB Stuttgart wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Zudem überzeugten die Hanseaten mit elanvollem und direktem Angriffsspiel. "Der HSV ist einer unserer ersten Konkurrenten", findet deshalb auch Bayerns Nationalspieler Philipp Lahm.

Große Sorgen um ihre Vormachtstellung machen sich die Bayern aber trotz allem nicht.

Kampfansage von Hoeneß

"Wir wollen nicht am 18. Spieltag Erster sein, sondern nach 34 Spieltagen Meister. Und da können Sie sicher sein, dass wir oben stehen", richtete Münchens Manager Uli Hoeneß sogleich eine neue Kampfansage an die Konkurrenz.

"Im Moment können sie sich freuen, aber am Ende stehen wir oben", ergänzte Keeper Michael Rensing, der zudem anmerkte, sein Team sei oft viel zu passiv gewesen.

Mittelfußbruch bei Reinhardt

Während er und die Bayern mit schlechter Laune in den Mannschaftsbus stiegen, drang noch ein wenig Jubelgesang aus der Kabine des HSV, der nebenbei noch die Verpflichtung des französischen Mittelfeldspielers Mickael Tavares von Slavia Prag so gut wie perfekt machte.

Allerdings wurde auch dort die Freude getrübt. Denn Reinhardt, der in der 64. Minute ausgewechselt worden war, hat sich den rechten Mittelfuß gebrochen.

"Er wird voraussichtlich drei Monate ausfallen", prophezeite HSV-Mannschaftsarzt Oliver Dierk. Am Montag entscheide sich, ob der Innenverteidiger operiert werden müsse.

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