

Herbstspaziergang mit leichten Misstönen
Von Matthias Becker und Mathias Frohnapfel
München - Eigentlich gab es beim FC Bayern am Samstagabend keinen Grund für angespannte Stimmung.
Den Startrekord mit einem ungefährdeten 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim eingetütet (Bericht), den Knatsch zwischen Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer wegmoderiert und den Wiesn-Besuch am Sonntag vor Augen:
Die Münchner starteten in ein vielversprechendes Restwochenende. (DIASHOW: Der 7. Spieltag)
Nur Präsident Uli Hoeneß wollte da nicht ganz mitspielen, die anstrengende Woche hatte ihm offenbar zugesetzt.
Hoeneß misstraut der Statistik
Schon der Hinweis auf die Egalisierung der Bundesliga-Bestmarke von sieben Siegen aus sieben Spielen lies den Klub-Patron leicht erzürnen. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
"Ihr alle schaut immer in eure Computer, das ist doch alles Käse", herrschte er die Journalisten an.
Nach seiner merkwürdigen Interpretation, das "alberne Internet" sei am Zwist zwischen Sammer und Heynckes Schuld, der nächste Schritt im Feldzug gegen die moderne Welt?
Wohl eher ein Misstrauen gegenüber der Statistik.
"Was nutzt der beste Start der Geschichte, wenn du am Ende nicht Meister wirst?", fragte Hoeneß, wohl wissend, dass nach den bisherigen Rekordstarts der Bundesligageschichte immer Borussia Dortmund den Titel holte:
"Mich interessiert nur die Differenz zwischen Platz eins und zwei. Das ist maßgeblich für meine Laune."
"Haben keine Chancen zugelassen"
So gesehen hätte seine Stimmung eigentlich prächtig sein müssen. Unabhängig vom Ausgang der Sonntagsspiele hat der Rekordmeister mindestens zwei Zähler Vorsprung.
Abgesehen vom Betriebsunfall in Borrisow haben die Bayern die ersten englischen Wochen der Saison gut bewältigt.
"Wir spielen nicht den perfekten Fußball, den gibt es auch nicht. Besser als am Dienstag (in der Champions League, Anm. d. Red.) war aber, dass wir keine Chancen zugelassen haben", lobte Kapitän Philipp Lahm im Gespräch mit SPORT1.
Entspannter Nachmittag für Bayern
Die Tordifferenz von 21:2 Treffern nach sieben Spieltagen ist schon jetzt einsamer Liga-Rekord.
Gegen Hoffenheim genügte eine entspannte Leistung mit ein, zwei Highlights des überragenden Doppeltorschützen Franck Ribery.
Im ungleichen Duell mit den harmlos-ängstlichen Gästen konnten die Bayern schon früh in der zweiten Halbzeit in den Trainingsmodus zurückschalten.
"Wir haben sieben Spiele gewonnen und sind zurecht Tabellenführer. Alles ist wunderbar, bis auf die Champions League", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.
Rummenigge erklärt Zwist für beendet
Die letzten Nachwehen des öffentlich augetragenen Scharmützels zwischen Heynckes und Sammer wollten die Bayern am Samstag unbedingt hinter sich lassen
Nach den Toren klatschten die beiden Alphatiere demonstrativ miteinander ab.
"Wenn ich sage, dass wir uns gut verstehen und optimal zusammenarbeiten, dann ist das so", erklärte Heynckes bei LIGA total!.
"Ich habe absolut den Eindruck, dass die Sache erledigt ist und die Medien gut beraten sind, den Kleinkrieg zu beenden. Bei uns intern ist das kein Thema mehr", versicherte Rummenigge.
Schuster kritisiert Sammer-Präsenz
LIGA total!-Experte Bernd Schuster sieht die Rolle Sammers aber weiterhin kritisch, ihn irritiert vor allem die Präsenz des Sportchefs auf der Bayern-Bank.
"Es gibt so viele Situationen im Spiel und du fühlst dich da einfach auch beobachtet. Das muss nicht sein. Auf die Bank gehört ein Trainer - und sonst niemand!", sagte der einstige Weltstar.
Die Spieler ließen sich von den Diskussionen aber nicht beeindrucken und sehen einem entspannten Oktoberfest-Besuch am Sonntag entgegen.
Lediglich die Blessuren von Lahm (Schienbeinprellung) und Thomas Müller (Wunde unter dem linken Auge) trübten die Laune ein wenig.
Hoffen auf Vukcevics Genesung
Die Hoffenheimer waren mit ihren Gedanken schon nach Schlusspfiff wieder beim weiterhin im Koma liegenden Teamkollegen Boris Vukcevic.
"Hut ab vor der Truppe, wenn man bedenkt, was in der vergangenen Woche alles passiert ist", sagte Trainer Markus Babbel.
Schon vor dem Spiel hatte er via "sky" über Vukcevic gesagt: "Es ist nach wie vor kritisch, aber die letzten Signale waren positiv."
Eine Genesung wäre sicher wichtiger als jeder Startrekord.


