

Jeder gegen jeden: Krisen-Club im Stimmungstief
Freiburg - Als die Beschimpfungen aus dem Fanblock immer lauter wurden, brachen die Profis des 1. FC Nürnberg ihren Weg zu den Anhängern nach Abpfiff vorzeitig ab.
Bei ihrem angefressenen Trainer waren die Spieler im Anschluss an die vierte Niederlage in Folge aber nicht besser dran ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Ich bin nicht dazu da, alles schönzureden. Ich werde mit dem ein oder anderen Tacheles reden", sagte Dieter Hecking LIGA total! nach dem 0:3 (0:1) beim SC Freiburg ( Bericht).
Dass der Club-Bus mit Ersatz-Kennzeichen nach Hause fahren musste, weil die Nummernschilder geklaut wurden, passte perfekt ins Bild.
Ebenso wie die vermeintliche Twitter-Attacke von Robert Mak gegen den eigenen Coach.
Teamgeist vergiftet?
"Man muss den Finger auch mal in die Wunde legen. Es passt mir nicht, was da derzeit passiert", haderte Hecking noch weit nach Spielende.
Momentan scheint es in erster Linie innerhalb des Teams nicht zu passen.
Davon zeugten die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Profis.
Klose attackiert die Kollegen
Vor allem Innenverteidiger Timm Klose attackierte die Kollegen.
"So macht es keinen Spaß. Da versucht man alles, und dann ist man in der Abwehr der Arsch. Wir setzten gar nichts von dem um, was wir uns vornehmen", äußerte der Schweizer:
"Ich sage besser nichts mehr, sonst sage ich nur das Falsche."
Obwohl Klose vor 22.800 Zuschauern noch einer der besseren Nürnberger war, wird der 24-Jährige für diese Aussagen ganz sicher einen Extra-Einlauf von Hecking erhalten.
Der Coach stellte nämlich unmissverständlich klar, dass er "keine populistischen Aussagen gebrauchen kann".
Mak droht empfindliche Strafe
Noch schlimmer als Klose könnte es Mak treffen.
"Es ist normal, dass im Fußball-Geschäft auf den Trainer geschimpft wird. Aber er muss aufpassen, wo er es macht. So geht es nicht, dass wird er merken", sagte Hecking am Sonntag.
Der Slowake war in Freiburg zur Pause ausgewechselt worden und hatte anschließend angeblich im sozialen Netzwerk seinem Unmut freien Lauf gelassen.
"Verdammter Trainer"
Unter seinem mittlerweile abgeschalteten Account war in einer Mischung aus slowakisch und englisch eine Schimpftirade zu lesen, die übersetzt soviel bedeutet wie:
"Fußball ist eine verschissene Politik. Ich hasse es. Verdammter Trainer."
Kurz darauf folgte ein entschuldigender Eintrag, ehe anschließend von einer angeblichen Hacker-Attacke die Rede war.
Über mögliche Konsequenzen werden die Verantwortlichen erst entscheiden, wenn der Mittelfeldspieler wieder von seiner Länderspielreise zurückkehrt.
Trainer attackiert Team
Hecking selbst hatte seine Schützlinge schon in Freiburg verbal in die Pfanne gehauen.
"Die Mannschaft hat all das verloren, was sie in den ersten drei Spielen ausgezeichnet hat. Wir müssen das jetzt kritisch analysieren. So geht es natürlich nicht", äußerte Hecking, der noch nie als Spieler oder Coach gegen Freiburg gewinnen konnte:
"Leider sind die Nationalspieler nun weg - aber sie werden froh sein, dass sie nicht da sind..."
Hecking wünscht sich "Reizklima"
Die verbleibenden Profis erwarten bis zur nächsten Partie gegen den FC Augsburg ungemütliche Tage, von Gesprächen hat Hecking jedenfalls genug.
"Reden können wir alle. Wir brauchen aber keine Alibi-Ausreden. Vielleicht brauchen wir eher ein Reizklima", sagte der Trainer:
"Jetzt sind wir wieder in die Situation geraten, in die wir nicht wollten. Aber vielleicht brauchen wir ja diesen Druck, um wieder zusammenzurücken."
Für den Trainer der Nürnberger (7 Punkte), die die zurückliegenden sieben Spiele gegen Freiburg nicht gewinnen konnten, kommt die Situation aber nach eigener Aussage nicht überraschend.
"Ich habe die Mannschaft immer so eingeschätzt, dass es eine Saison wird, in der es darum geht, 40 Punkte zu holen", äußerte Hecking.
Freiburg wieder in der Spur
Das gleiche Ziel haben die Freiburger (8 Punkte), für die Cedric Makiadi (36.), Daniel Caligiuri (90.+2, Foulelfmeter) und Marco Terrazzino (90.+3) trafen, vor Augen (DIASHOW: Der 7. Spieltag).
Nach nur einem Zähler in den zurückliegenden drei Partien war die Erleichterung im Breisgau deshalb um so größer.
"Wenn die Mannschaft auf dem Level spielt, auf dem sie in den zurückliegenden Spielen gespielt hat, dann sollte sie sich irgendwann belohnen", sagte Trainer Christian Streich:
"Ich bin sehr froh, dass sie diesmal belohnt worden ist."


