

Noch fordern nur die Schalker Fans: "Magath raus!"
Gelsenkirchen - Die Rufe waren nicht zu überhören. "Magath raus, Magath raus!", schallte es von den Rängen.
Trainer-Manager Felix Magath durfte beim 0:3 (0:1) seines VfL Wolfsburg bei Schalke 04 froh sein, dass die eindeutige Forderung aus der königsblauen Kurve kam (BERICHT: Schalke versetzt Magath de nächsten Tiefschlag).
Die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte war für den 59-Jährigen ansonsten wenig erfreulich. Nach dem schlechtesten Saisonstart der Wölfe seit elf Jahren und dem Abrutschen auf einen Abstiegsplatz könnten bald nicht nur die Schalker Fans singen:
"Nie mehr Felix Magath!"
Farfans Geste interessiert ihn nicht
In Gelsenkirchen schlug dem Trainer-Manager, der sich dort vor seiner Entlassung im März 2011 nachhaltig unbeliebt gemacht hatte, tiefe Abneigung und Häme entgegen. Nicht nur von den Fans.
Jefferson Farfan, der ihm unter der Woche "militärische Methoden" vorgeworfen hatte, jubelte nach seinem Kopfballtor (33.) demonstrativ vor Magaths Bank - mit eindeutigen Gesten und Worten.
Man musste kein Lippenleser sein um zu erkennen, dass Farfans spanische Worte nicht fürs Vorabendprogramm geeignet waren.
"Das habe ich nicht gesehen, es interessiert mich auch herzlich wenig", sagte Magath bei LIGA total!.
"Mache mir immer Sorgen"
Ob er sich denn jetzt Sorgen mache, wurde der Wolfsburger Alleinherrscher nach seinem 800. Bundesliga-Spiel gefragt.
"Ich mache mir immer Sorgen", antwortete Magath leicht pikiert, "natürlich mache ich mir Sorgen, wenn es nicht läuft. Denn ich bin ja schließlich dafür verantwortlich."
Vor einer Woche nach der 0:2-Heimpleite gegen den FSV Mainz 05 war er nach eigener Aussage noch völlig sorgenfrei gewesen ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Habe einen Abstiegskandidaten übernommen"
"Ich habe damals wieder einen Abstiegskandidaten übernommen und keine Meistermannschaft. Deswegen musste ich viele Spieler holen", sagte Magath am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1:
"Die Mannschaft funktioniert noch nicht. Vor allem, weil das System um Diego noch nicht funktioniert. Deswegen läuft es nach vorne nicht."
Es sei allerdings kein Thema, Spieler wie Diego oder Simon Kjaer unter Wert zu verkaufen, so Magath:
"Ich wünsche mir, dass sich die Spieler für den Verein ins Feuer werfen und nicht für den Trainer."
Fakten sprechen ihn
Wie lange sich die Verantwortlichen beim Geldgeber VW noch tatenlos anschauen, wie der erneut mit Millionenaufwand verstärkte Europacup-Aspirant im Tabellenkeller herumdümpelt, ist offen.
Die Fakten sprechen jedenfalls eindeutig gegen Magath: seit sechs Spielen ohne Sieg, seit 318 Minuten ohne Tor und nun auch noch Rekordhalter in Sachen Angriffsschwäche (DIASHOW: Der 7. Spieltag).
Nur Bayer Leverkusen und der VfL Bochum (jeweils 1982) sowie aktuell die SpVgg Greuther Fürth schafften es in knapp 50 Jahren Bundesliga ebenfalls, in den ersten sieben Saisonspielen nur zweimal zu treffen.
Trainer ohne Erklärungen
Erklärungen hatte Magath nicht zu bieten.
"Das ist halt bei Mannschaften so, bei denen es nicht läuft", sagte er und überraschte seine Zuhörer damit, dass er Verständnis dafür aufbringe, wenn man auswärts bei einem Champions-League-Teilnehmer nach dem 0:2 "nicht mehr die richtige Gegenwehr findet".
Keine Struktur, keine Gegenwehr
Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes kommentierte die leblose Wolfsburger Leistung süffisant: "Natürlich haben sie teure Spieler in ihren Reihen. Aber sie haben nicht wirklich kompakt gewirkt."
Damit beschrieb der Nationalspieler die Probleme der Niedersachsen sehr genau. Erneut hatte Magath seine Mannschaft umgebaut, diesmal durfte erstmals Srdjan Lakic als einziger Stürmer von Beginn an spielen.
Eine Struktur konnten die 60.671 Zuschauer nicht erkennen - kein Wunder bei Magaths ständigen Personalwechseln.
Gegenwehr gab es spätestens nach dem Schalker 2:0 durch Neuzugang Ibrahim Afellay nur 50 Sekunden nach dem Wiederbeginn auch nicht mehr.
"Wir haben im Moment nicht die Moral, das wegzustecken", meinte Magath - und klang ziemlich ratlos.
Schalke lässt Chancen ungenutzt
Mittelfeldstar Diego gab immerhin zu: "Im Moment finden wir nicht den richtigen Weg zusammenzuspielen."
Am Ende war Wolfsburg nach dem dritten Gegentor durch Roman Neustädter (58.) noch gut bedient, denn die Schalker ließen reihenweise erstklassige Konterchancen ungenutzt.
Spieler hoffen auf Besserung
Mit Abstiegskampf statt Europacup-Träumen wollen sich Diego und Co. aber noch nicht abfinden. Lakic wollte "eher von einer schwierigen Situation reden, aus der wir rauskommen müssen", und betonte, "dass wir eine gewisse Qualität haben".
Auch Torhüter Diego Benaglio wollte das internationale Geschäft noch nicht abschreiben: "Die Saison ist noch lange."
Nur Josue, seit 2007 in Wolfsburg, gab zu: "Wir waren schon mal schlecht. Aber im Moment ist es schlimmer."


