

Wut-Auftritt von Labbadia: "Sind nicht die Mülleimer!"
Von Martin Hoffmann
München/Stuttgart - Zwei Minuten und zehn Sekunden dauerte Bruno Labbadias Monolog - und er stellte in den Schatten, was in den neunzig Minuten zuvor passiert war.
Nach dem 2:2 gegen Bayer Leverkusen ( Bericht), das dem VfB Stuttgart gegen die sportliche Krise nicht entscheidend weiterhalf, legte der Coach in der Pressekonferenz das hin, was auf fußballdeutsch Wutrede heißt (DIASHOW: Der 7. Spieltag) .
Fanpfiffe und "Bruno-raus"-Rufe wegen seiner Auswechslung des starken Youngsters Raphael Holzhauser nahm Labbadia zum Anlass für eine Generalabrechnung mit dem Medienstandort Stuttgart.
"Ich finde, es ist eine gewisse Grenze erreicht hier", hielt der Trainer auf eine Frage zu Holzhauser fest, der - ohne, dass die Zuschauer es wussten - angeschlagen war, und holte zum Rundumschlag aus.
"Oder sage ich: Am Arsch geleckt!"
"Ich kann gewisse Dinge nicht akzeptieren, wenn der Trainer wie der letzte Depp dargestellt wird, als hätte er gar keine Ahnung", ärgerte sich Labbadia:
"Die Zuschauer sind aufgewiegelt durch absolute Unwahrheiten. Holzhauser wäre nicht mehr beim VfB, wenn ich nicht mein Veto eingelegt hätte. Die Trainer sind nicht die Mülleimer von allen."
Er wundere sich nicht, sagte Labbadia weiter, dass es beim VfB "alle paar Monate" einen neuen Trainer gebe: "Als normaler Bundesliga-Trainer muss man sich die Frage stellen: Gehe ich einen schweren Weg mit? Oder sage ich: Am Arsch geleckt! Das Fass ist absolut voll."
Labbadia klagt über Unwahrheiten
Labbadia war in den vergangenen Wochen Ziel kritischer Berichterstattung geworden, dabei haben sich für Labbadia einzelne Journalisten "Unwahrheiten erlaubt, die absolut unter der Gürtellinie waren".
An die "schreibende Zunft" gerichtet, meinte Labbadia: "Ich weiß, dass Sie das jetzt wieder persönlich nehmen, aber das muss hier jetzt mal ganz klar gesagt werden."
Labbadia beendete nach seiner Brandrede die Pressekonferenz und bekam hinterher Rückendeckung von Sportchef Fredi Bobic, der schon zuvor Berichterstattung beklagt hatte, die an "Rufmord" grenze.
"Er hat ein gutes Recht, das genau so zu sagen", so Bobic.
Immer noch kein Heimsieg
Labbadias Auftritt lenkte den Fokus weg von dem seiner Mannschaft, die auf Platz 15 in der Liga und ohne Dreier zu Hause unverändert in der Krise steckt ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Vedad Ibisevic (19., Foulelfmeter/55.) erzielte für den VfB zwar die ersten beiden Saisontore im heimischen Stadion, Stefan Kießling allerdings vereitelte den möglichen Sieg für Stuttgart.
Der Leverkusener erzielte ein Doppelpack (13./59) - seine Tore 11 und 12 in 14 Duellen mit dem VfB.
Lob an die Spieler
"Es ist nicht einfach, der Druck wird sehr, sehr groß, auch die Unruhe", sagte Labbadia anschließend den TV-Reportern.
Er lobte das Spiel seiner Mannschaft aber als Schritt nach vorn: "Wir haben uns nicht aus dem Konzept bringen lassen. Kompliment, das haben die Jungs super gemacht."
Ein besonderes Lob verdiente sich Holzhauser, der als stetiger Aktivposten und Vorbereiter des zweiten Ibisevic-Tors glänzte.
Dass seine Fans nicht verstanden, warum er den Österreicher trotzdem rausnahm, war für Labbadia willkommener Anlass, einige Dinge klarzustellen.


