Das Magath-Modell ist gescheitert
Hallo Fußball-Freunde,
Das Modell Trainer-Manager ist in Wolfsburg genauso gescheitert wie in Hoffenheim. Ich frage mich die ganze Zeit: Wer trifft sich eigentlich mit Felix Magath auf Augenhöhe, wenn er Trainer, Manager und Geschäftsführer ist?
Da ist niemand, der fachlich mit ihm überhaupt eine Diskussion führen kann, und diese Struktur ist doch total falsch.
Wie auch so vieles anderes falsch läuft. Schon allein was die Transferpolitik angeht: Da wird ein Naldo geholt, der zum einen kein Führungsspieler ist und zum anderen seit zwei Jahren Probleme mit seiner Gesundheit hat.
Auch ein Olic kann keine Truppe führen, war ja auch schon bei Bayern nur Ergänzungsspieler.
Natürlich ist es Pech, dass sich ein Patrick Helmes verletzt hat. Aber es kann mir doch niemand erzählen, dass es dann keine Märkte gibt, wo ich einen guten Stürmer hole. Nur: Wenn man nicht vernetzt ist, dann kriege ich eben auch niemanden.
Mit so einem Kader dann von Champions League zu reden, ist eine Einschätzung, die total unrealistisch ist. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Und wenn ich diese unfassbaren Stellungsfehler sehe, vor allem in der Viererkette: Wird da taktisch überhaupt gearbeitet?!
Ich muss die Spieler doch auch dahin stellen, wo sie ihre Stärken haben. Simon Kjaer zum Beispiel spielt auf der Sechs, wo er vorher noch nie im Leben gespielt hat.
Diese Mannschaft hat auch gar keine Hierarchie: Ein Nationalspieler wie Christian Träsch wird vorher für neun Millionen geholt und spielt nun gar keine Rolle mehr.
Und Diego agiert ohne Selbstvertrauen, ohne Mumm, ohne Alles - dabei hat er bei Atletico Madrid stark gespielt.
Entscheidend ist immer: Ich muss einen Draht haben zu meinen Spielern. Felix ist vom alten Schlag, das kann man insofern diskutieren.
Auf der anderen Seite werden die Spieler hochbezahlt, da darf man auch nicht so empfindlich sein. Diese Sache mit den ausgeleerten Wasserflaschen würde ich deshalb nicht zu hoch hängen.
Unterm Strich aber bleibt: Es funktioniert wieder nichts, wie schon im Vorjahr, weshalb Wolfsburg auch nicht zu Unrecht auf einem Abstiegsplatz steht.
Wie lange sich die VW-Bosse das noch anschauen werden, ist schwer zu sagen. Aber klar ist, dass die Argumente für den Trainer immer weniger werden.
Auch die momentane Situation bei Bayern um Matthias Sammer finde ich sehr speziell: Jupp Heynckes ist seit 20 Jahren im Geschäft, da finde ich es schon interessant, dass er sich jemanden neben sich auf die Bank setzen lässt.
Was hat da ein Sportdirektor grundsätzlich zu suchen? Im Ausland gibt so etwas gar nicht, nur in Deutschland. Sammers Äußerungen nach dem Bremen-Sieg habe ich sowieso nicht verstanden: In einer langen Saison gibt es eben auch mal Spiele, da spiele ich halt nicht auf ganz hohem Niveau.
Da heißt es dann: Drei Punkte mitnehmen, Mund abputzen und das war's. Wenn ich aber wie Sammer vor dem Champions-League-Spiel in Borissow so eine Patrone abschieße, frage ich mich: Was soll das für ein Signal sein an die Mannschaft?!
Was nimmt die Mannschaft denn daraus mit? Nichts! Stattdessen ging der Schuss voll nach hinten los. Und ich bin mir auch sicher: Da bleibt immer was hängen, auch bei Heynckes.
Spannendste Frage ist ohnehin für mich: Wer wird nächster Bayern-Trainer, wer folgt auf Heynckes? Da muss sich dann zeigen, was Sammer wirklich kann, welche Nachfolge-Kandidaten er da parat hat. Was ja viele gern vergessen: Der Martinez-Transfer war kein Sammer-Transfer, sonder kam allein wegen Heynckes' guter Kontakte nach Bilbao zustande.
Ob Sammer bislang also schon eine Duftmarke gesetzt hat, ist schwer zu sagen.
Bis nächste Woche
Euer Thomas Berthold
Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.


