Nach Werder-Kritik: De Bruyne rudert zurück
Bremen - Ein Spaziergang an der Weser, ein Bummel durch den historischen Stadtkern oder ein Ausflug an die benachbarte Nordseeküste - von der Werder-Krise war in Bremen am Sonntag keine Spur.
Der schwächste Saisonstart in der Ära Thomas Schaaf ist mit sieben Punkten aus sieben Spielen perfekt. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Anstatt nach der peinlichen 1:3-Pleite beim FC Augsburg ( Bericht) an der prall gefüllten Mängelliste zu arbeiten, bekamen die Spieler von Trainer Thomas Schaaf erst mal zwei Tage frei.
Zeit genug, um dem Frust freien Lauf zu lassen. Nach dem Katastrophenstart hat Neuzugang Kevin De Bruyne nämlich zum Rundumschlag gegen Schaaf und seine neue Heimat ausgeholt.
"Der Trainer ist ganz okay, aber wir sprechen nicht. Ganz einfach: Er ist noch nie zu mir gekommen und ich auch nicht zu ihm", sagte De Bruyne in der belgischen Zeitung "Het Nieuwsblad".
De Bruyne lästert über Werder
Einmal so richtig in Fahrt, polterte der 21-jährige belgische Nationalspieler weiter und kritisierte die Stimmung an der Weser.(DIASHOW: Der 7. Spieltag)
"Ich vermisse die Wärme und Atmosphäre aus Genk. Die Deutschen sind steifer. Ihre Mentalität liegt mir nicht. Wenn Werder eine Familie ist, gilt das nur für die Menschen von hier", sagte die Leihgabe vom FC Chelsea und ergänzte:
"Ich hatte zunächst Deutsch-Unterricht vom Klub, aber ich habe abgelehnt. Ich mag es nicht. Ehrlich gesagt, möchte ich später nicht in Deutschland leben."
De Bruyne distanziert sich von Aussagen
Laut einer Werder-Pressemitteilung am Montagnachmittag hat De Bruyne sich zwischenzeitlich in einem Telefonat mit Schaaf von den Aussagen distanziert.
"Kevin hat mich angerufen, um die Irritationen auszuräumen, die nach einem Interview mit einer belgischen Zeitung und den jeweiligen Übersetzungen in deutschen Medien entstanden waren. Es war ein positives Gespräch, und es war wichtig, dass er angerufen hat", sagte Schaaf
Der Neuzugang habe sich aber noch nicht eingelebt in der Hansestadt, sagte Schaaf und zeigte Verständnis:
"Es stimmt, dass Kevin noch nicht so den Kontakt zu Bremen gefunden hat. Er spielt das erste Mal im Ausland und fühlt sich eben sehr zu seinem Freundeskreis in Belgien hingezogen. Kevin hat aber glaubhaft versichert, dass er weder mit dem Verein, noch mit Mitspielern Probleme hat."
Allofs nach Blamage geladen
Dennoch dürften die Vorkommnisse die Stimmung in Bremen kaum verbessern. Zumal Geschäftsführer Klaus Allofs schon nach Blamage von Augsburg richtig geladen war.
"Für gewisse Fehler habe ich Verständnis, aber für das nicht. Man kann ein Spiel mal unglücklich verlieren, aber wir waren nicht in der Lage, Zweikämpfe zu gewinnen", meckerte Allofs nach der desolaten Vorstellung beim bis dato Tabellenletzten, der gegen Werder seinen ersten Sieg einfuhr.
"Dass wir eine junge Mannschaft haben, entschuldigt nicht alles. Vor allem nicht, wie wir das Spiel angegangen sind. Das war fahrlässig", sagte Allofs. Nach der vierten Liga-Pleite ist Werder vom erhofften Kampf um die internationalen Plätze meilenweit entfernt.
Hinten und vorne Probleme
Nicht nur die Defensive wackelt angesichts von 13 Gegentoren seit dem Abgang von Naldo gewaltig, auch im Angriff läuft im Jahr eins nach Claudio Pizarro kaum etwas zusammen.
Der Blick auf die Tabelle dürfte Profis, Fans und Verantwortlichen der Grün-Weißen nicht sonderlich gefallen.
Hinter Hannover und dem HSV ist Werder nur noch die Nummer drei im Norden, selbst der zu Serienbeginn kriselnde Hamburger Erzrivale ist an den Bremern vorbeigezogen.
Zudem ist der Abstand zur Abstiegszone nach dem starken Saisonstart inzwischen beträchtlich geschrumpft.
Allofs spricht von "Fehleinschätzung"
"Wir haben viel Lob bekommen, das immer richtig einzuschätzen, fällt vielen nicht leicht", sagte Allofs und sprach im Bezug auf das Augsburg-Spiel von einer "Fehleinschätzung".
"Wir haben gedacht, wir könnten hier ein bisschen Fußballspielen am Freitagabend. So geht das nicht - in der Bundesliga ist jedes Spiel umkämpft, da ist es egal, ob man gegen den FC Bayern spielt, oder gegen den FC Augsburg. So kann man kein Spiel gewinnen."
Zwei Wochen hat Werder nun Zeit, um bis zum Heimspiel am 20. Oktober gegen Borussia Mönchengladbach an seiner Mängelliste zu arbeiten.


