Pleiten-Magath: VW-Bosse halten sich noch zurück
Wolfsburg - Verheerende Bilanz, vernichtende Kritik: Für Felix Magath wird's beim VfL Wolfsburg immer ungemütlicher.
Der einstige Meistermacher muss viel einstecken, er wirkt oft genervt, darüber kann auch die neue Designer-Brille nicht hinwegtäuschen.
Bei Fragen nach seinem Anteil an der Misere flüchtet der 59-Jährige nur zu gerne in Durchhalteparolen.
"Nach meiner Meinung stellt sich die Trainerfrage nicht", sagte Magath im "NDR-Sportclub". Die sportliche Lage könne sich rasch wieder ändern.
Das habe man beim Liga-Konkurrenten Hamburger SV gesehen, der mit der jüngsten Erfolgsserie den schwachen Saisonstart vergessen gemacht habe.
"Nur eine Momentaufnahme"
"Innerhalb von 14 Tagen hat sich das gewandelt. Und so gehe ich davon aus, dass das bei uns nur eine Momentaufnahme ist und sich auch wieder verbessert", sagte der Wolfsburger Trainer-Manager.
Schon seit Wochen spricht Magath so, und seine Mannschaft erlaubt sich immer schlimmere Fehler. Beim 0:3 auf Schalke (Bericht) blieb das Team die Bundesliga-Tauglichkeit schuldig.
Nach sechs Spielen ohne Sieg und 318 Minuten ohne Tor findet sich die Werkself auf dem vorletzten Tabellenplatz wieder. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
"Das Magath-Modell ist gescheitert", sagte Ex-Nationalspieler Thomas Berthold SPORT1. (EXKLUSIV: Die Thomas-Berthold-Kolumne)
Magath besitzt große Machtfülle
Magath indes geht fest davon aus, dass die Bosse bei Volkswagen weiter auf ihn setzen. Er besitzt eine große Machtfülle. Magath gehört der Geschäftsführung des Klubs an, ist dort für den Sport zuständig.
Wolfgang Hotze wurde zwar als Sprecher des Gremiums installiert, doch Gegenwind muss Magath deshalb nicht befürchten. "Bei VW sitzen erfahrene Manager, die nicht so schnell unruhig werden. Ich gehe davon aus, hier langfristig arbeiten zu können", sagte Magath im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.
Reaktionen aus dem Aufsichtsrat des Klubs geben dem glücklosen Coach recht. "Die Situation ist alles andere als erfreulich, aber wir bewahren die Ruhe und vertrauen Felix Magath", sagte VfL-Aufsichtsrat Stephan Grühsem dem "kicker".
Noch keine Mannschaft geformt
Unübersehbar bleibt jedoch, dass Magath aus seinem mega-teueren Kader noch keine Mannschaft geformt hat. Erfahrene Neuzugänge wie Naldo und Emanuel Pogatetz erlauben sich Anfänger-Schnitzer.
Regisseur Diego wirkt wie ein Fremdkörper, und der Sturm brachte es in sieben Spielen gerade mal auf zwei Treffer. Nichts greift ineinander.
"Wir verstehen es nicht, die Kompaktheit über ein Spiel durchzuhalten. Wir verlieren im Laufe einer Partie das Miteinander", analysierte Magath.
Länderspielpause kommt Magath gelegen
Die Länderspiel-Pause kommt dem glücklosen Felix nur bedingt zugute. In den nächsten Tagen will der langjährige Profi sein Team wieder aufrichten und den Teamspirit fördern - allerdings sind viele Akteure mit ihren Nationalteams unterwegs.
Er ist jetzt gefordert wie selten zuvor.
Sollte in zwei Wochen die Partie gegen den SC Freiburg auch verloren gehen, droht der Sturz ans Tabellenende.


