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Tristesse in rot: Toni Kroos, Christian Lell und Lukas Podolski (v.l.) © getty

Beim FC Bayern herrscht nach dem unzufriedenstellenden Saisonauftakt gegen den Hamburger SV Ernüchterung.

Von Daniel Rathjen

München - Er hatte es bereits prophezeit. Sie seien noch nicht so weit, die Vorbereitung, die ohnehin zu zerstückelt war, dauere noch zwei bis drei Wochen an, hatte er gesagt.

Bayerns neuer Trainer Jürgen Klinsmann war nach dem unterhaltsamen 2:2 (2:1) gegen den starken Hamburger SV trotzdem enttäuscht.

"Ich hätte mir drei Punkte gewünscht. Insgesamt war es aber ein gerechtes Ergebnis. Der HSV hat eine gute Leistung gezeigt?, zollte der 44-Jährige, den es bei seiner Bundesliga-Premiere kaum auf dem Sitz hielt, dem Gegner ein Lob.

Er bemühte sich, dass Positive hervor zu heben. "Ich habe auch viele Fortschritte gesehen. Die Feinabstimmung wird immer besser", erkannte er.

Dem pflichtete Miroslav Klose bei. "Wir haben schon besser gespielt und sind kompakter aufgetreten als beim 4:3 im Pokal gegen Erfurt. Natürlich hätten wir aber vorne die eine oder andere Chance vorne mehr nutzen können", räumte er im Gespräch mit Sport1.de ein.

Klose noch nicht fit

Grund zur Selbstkritik hatte gerade der Nationalstürmer allemal. Denn der 30-Jährige ist noch weit von seiner Bestform entfernt und war gegen den HSV - speziell auf Grund mangelnder Fitness - ein Schatten seiner selbst.

"Es war enorm schwer für uns. Die haben mit zwei Sechsern vor der Abwehr gespielt." Tatsächlich war wohl vor allem der kompromisslose Einsatz von David Jarolim und Nigel de Jong ausschlaggebend dafür, dass die Bayern oft verzweifelten und in der Spitze kaum Anspielstationen fanden.

Philipp Lahm fand deutliche Worte: "Normal müssen wir das Spiel gewinnen, wir haben 2:0 geführt. Aber wir haben es versaut. Defensiv haben wir nicht gut gearbeitet. Wir waren nicht so organisiert wie man es normalerweise sein muss. Zudem haben wir die entscheidenden Tore nicht gemacht. Wir müssen uns steigern."

Zu wenig Impulse von Kroos

Den 0:2-Rückstand durch Tore von Bastian Schweinsteiger (12.) und Lukas Podolski (16./ Foulelfmeter) egalisierten die Gäste dank der Ex-Münchner Paolo Guerrero (25.) und Piotr Trochowski (57./Foulelfmeter).

Erschreckend: Der Rekordmeister setzte nach dem Ausgleich nichts mehr dagegen. Im Mittelfeld war trotz des Bemühens von Schweinsteiger und Toni Kroos das Fehlen von Franck Ribery spürbar. Und die Defensive ohne den verletzten Abwehrchef Martin Demichelis war erneut nicht sattelfest.

"Bei der Qualität von Ribery wäre das aber auch schlimm, wenn uns das Fehlen nicht aufgefallen wäre", stellte Bayerns Manager Uli Hoeneß klar. Direkt nach dem Schlusspfiff schüttelte er Klinsmann mit mürrischem Gesichtsausdruck nur lapidar die Hand.

Hoeneß tief enttäuscht

"Es ist doch logisch, dass man sich bei so einem Resultat nicht um den Hals fällt", wollte er seine Mimik nicht überbewertet wissen. Bei Hoeneß wurde die Enttäuschung über den unzufriedenstellenden Saisonstart aber besonders deutlich.

Vielleicht klangen ihm noch die Worte von Ottmar Hitzfeld im Ohr. Klinsmanns Vorgänger, der vor der Partie sichtlich das Bad in der Menge bei seiner Ehrung zum Trainer des Jahres genoss, ging hart mit seinem Erben ins Gericht.

"Gerade die ersten Spiele sind sehr wichtig, um Luft zu bekommen zu den Verfolgern. Wenn man jetzt am zweiten Spieltag auch nur einen Punkt in Dortmund holt, hat man vielleicht schon vier Punkte zu wenig. Wenn man 2:0 führt, muss man das Spiel gewinnen!", resümierte er als TV-Experte. Einen richtigen Fehlstart habe er allerdings nicht erkannt.

Freude beim HSV

Der HSV konnte dagegen den Abgang von Spielmacher Rafael van der Vaart mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung kompensieren. "Wir dürfen Rafa nicht hinterher weinen. Er ist weg. Und wir haben gesehen: Es geht auch ohne ihn", bilanzierte Kapitän Jarolim.

Martin Jols Einstand als Trainer ist also geglückt. "Beim 2:0 dachte ich schon, es ist umöglich, noch etwas zu holen", gab Jol zu, meinte aber auch: "Wir haben mit Herz gespielt, teilweise sehr gut, aber wir haben auch Fehler gemacht."

Pfeifkonzert für Klinsmann

Für Klinsmann bleibt ebenfalls noch viel Arbeit. "Wir sind noch nicht imstande, überall Druck zu machen. Das kommt mit der Fitness in den nächsten Wochen. Aktuell muss man zufrieden sein."

Stellt sich jedoch nicht schnell Besserung ein, dürfte "Klinsi" schon bald noch mehr Gegenwind ins Gesicht wehen. Bei einigen Fans scheint der Reformer bei weitem nicht unumstritten. Bei der Begrüßung waren Pfiffe aus dem Fanblock unüberhörbar?

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