Der Dino ist wiederbelebt
Von Julian Buhl und Sven-Arne Görn
Hamburg/München - Die Anerkennung kam von höchster Stelle.
Mit seiner Nominierung von Hamburgs Kapitän Heiko Westermann für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele setzte kein Bundestrainer Joachim Löw ein symbolisches Ausrufezeichen hinter den Aufschwung des HSV.
"Er hat in letzter Zeit super Leistungen gebracht. Auch er hat sich gesteigert, wie viele andere bei uns. Das wird dadurch honoriert", sagt Hamburgs Trainer Thorsten Fink im Gespräch mit SPORT1. Zufrieden kann der Coach feststellen: "In den letzten zwei Wochen ist es fast optimal gelaufen."
Nach einem desaströsen Saisonstart mit drei Ligapleiten in Folge und dem peinlichen Pokal-Aus gegen Drittligist Karlsruher SC (2:4) haben Fink und sein Team die Trendwende geschafft. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Schlüsselerlebnis gegen BVB
Das Schlüsselerlebnis, das den Positivlauf des HSV auslöste, war zweifellos der 3:2-Triumph daheim gegen Doublegewinner Borussia Dortmund.
Insgesamt zehn Punkte holten die Hanseaten in den vergangenen vier Partien, schoben sich dadurch in der Tabelle vom vorletzten auf den achten Platz vor. (DIASHOW: Tops und Flops 7. Spieltag)
Mit einem 6:0 im Testspiel gegen den Bezirksligisten VfL 93 Hamburg und einem 8:1 bei Landesligist Eintracht Elbmarsch hielt Finks Team am Wochenende die Sieglaune aufrecht.
Dem Coach zufolge hat sein Klub den Umschwung "natürlich auch durch die neuen Spieler hinbekommen. Wir sind spielerisch besser geworden, haben viel mehr Torchancen und stehen auch ganz gut."
Köpke lobt Adler
Vor allem die Verpflichtungen von Ex-Nationalkeeper Rene Adler und Mittelfeldregisseur Rafael van der Vaart prägen das neue HSV-Spiel.
Adler ist der erhoffte Rückhalt, der seinen Vorderleuten die nötige Sicherheit gibt.
"Er strahlt eine innere Ruhe und Konzentration aus, ist aber gleichzeitig sehr viel lauter und bestimmter als früher", lobte zuletzt Torwarttrainer der Nationalmannschaft Andreas Köpke in der "Hamburger Morgenpost": "Mir ist aufgefallen, dass er in Hamburg mehr dirigiert als noch in Leverkusen."
Van der Vaart Kopf der Mannschaft
Die Organisation im Mittelfeld und des Offensivspiels hat derweil Rückkehrer Rafael van der Vaart erfolgreich übernommen.
Der Niederländer ist schnell der unumstrittene Chef auf dem Platz und der Kopf der Mannschaft geworden, verkörpert genau das, was dem HSV so lange gefehlt hat.
Seine starke Form untermauert van der Vaart nun auch wieder in der Nationalelf: Zuletzt von Bondscoach Louis van Gaal nicht für die WM-Qualifikationsspiele im September nominiert, traf der Regisseur nun beim 3:0 in der WM-Qualifikation gegen Andorra.
Fünf Torvorlagen und ein eigener Treffer sprechen für sich. Und auch seine Nebenleute blühen unter seiner Führung mehr und mehr auf.
Son blüht auf
Vor allem der der 20-Jährige Heung-Min Son scheint von von van der Vaarts Mitwirken zu profitieren. Der Koreaner - seit Neuestem vom FC Liverpool umworben - erzielte seitdem bereits vier Tore, zwei davon legte van der Vaart direkt auf.
Fink sieht sein Team jedenfalls auf einem guten Weg und glaubt auch in der Tabelle im Moment genau da zu stehen, "wo wir hingehören".
Für einen Platz unter den ersten Sechs reicht das aber noch nicht: "Natürlich können wir diese Teams auch schlagen, das haben wir gegen Dortmund gezeigt. Aber auf Dauer müssen wir da schon noch was erarbeiten."
Das kann Fink dank der jüngsten Erfolgsserie nun in aller Ruhe tun.


