Stummer Protest gegen Magath
Wolfsburg - Schweigen statt Pfiffe: Mit einem stummen Protest haben die Fans des VfL Wolfsburg ihrem Ärger über die sportliche Talfahrt ihrer Mannschaft Luft gemacht und die Schuld Trainer-Manager Felix Magath zugeschoben.
Beim Training des Bundesligisten am Mittwochabend versammelten sich etwa 40 Anhänger der Niedersachsen und entrollten mehrere Plakate.
"Nachhaltigkeit?!", "Europapokal?!" und "Millionen verbrannt - Die Lage verkannt - Stets ne Ausrede zur Hand", stand auf den Transparenten geschrieben.
Zusätzliche Ordner beim Training
Der starke Mann des VfL Wolfsburg gerät immer stärker unter Druck. Aus Sicherheitsgründen wurden zusätzliche Ordner am Trainingsplatz neben der Wolfsburger Arena eingesetzt, doch die Lage blieb friedlich.
Nach dem Training lehnten die Fans ein Gesprächsangebot Magaths ab. Das Tischtuch scheint momentan zerschnitten ( EXKLUSIV: Diego Benaglio im Interview).
Magath zeigt Verständnis
"Unsere Fans haben uns bisher klasse unterstützt. Wir können ihre Sorge über die Situation nachvollziehen. Es ist vollkommen verständlich, dass sie unzufrieden damit sind", sagte Magath anschließend: "Wichtig ist, dass wir alle zusammen daran arbeiten, aus dieser Lage herauszukommen."
Unterstützung gab es für Magath auch von Mittelfeldstar Diego. Ausgerechnet von dem Spieler, der im Mai 2011 vor dem entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt bei 1899 Hoffenheim wegen seiner Nichtberücksichtigung für die Startelf aus dem VfL-Quartier geflüchtet war.
Magath sortierte ihn anschließend aus, nach einem Jahr bei Atletico Madrid kehrte der Spielmacher allerdings vor der Saison an den Mittellandkanal zurück.
Diego stellt sich vor den Coach
"Wir müssen als Mannschaft zusammen mit dem Trainer da rauskommen", sagte der 27-Jährige am Donnerstagnachmittag: "Mein Verhältnis zum Trainer ist sehr gut. Alle Differenzen, die es angeblich gab, sind ausgeräumt. Der Trainer hilft mir, besser zu werden."
Gleichzeitig äußerte der bisher mehr als unglücklich agierende Mittelfeldmann aber auch Verständnis für den Fanprotest. "Natürlich kann ich den Protest der Fans nachvollziehen. Wir haben es alle verstanden und wissen, wie wir damit umzugehen haben", sagte Diego:
"Aber die Fans müssen auch bedenken, dass die Mannschaft sie braucht."
Schlechtester Saisonstart
Mit fünf Punkten aus sieben Spielen und Tabellenplatz 17 hat der deutsche Meister von 2009 den schlechtesten Saisonstart unter Magath hingelegt. Dieser hatte vor Beginn der aktuellen Spielzeit das Ziel internationale Plätze ausgegeben.
Fast schon symbolisch für die sportliche Ernüchterung agiert bisher Diego. In den sieben Spielen sprangen weder ein Tor noch eine Torvorlage für ihn heraus (DIASHOW: Tops und Flops 7. Spieltag).
"Magath-raus"-Rufe
Nach den zuletzt schwachen Leistungen hatten sich die kritischen Stimmen gegen Magath zuletzt gehäuft, in den Heimspielen hatte es immer wieder Pfiffe gegeben, beim 0:2 gegen Mainz zuletzt auch vereinzelte "Magath-raus"-Rufe.
"Ich habe keine Zweifel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass erfahrene Manager eines Welt-Unternehmens sich von öffentlicher Stimmungsmache beeinflussen lassen", hatte Magath zuletzt im kicker mit Verweis auf die Rückendeckung von Geldgeber VW gesagt.


