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Sieht in Leverkusen die Perspektive, die er sich wünscht: Toni Kroos © getty

Bayerns Talent nimmt seine Zukunft selbst in die Hand. Das Leihgeschäft sei sein innigster Wunsch gewesen, verrät Leverkusens Rudi Völler Sport1.de.

Von Christian Paschwitz

München - Sie haben einen Rohdiamanten an Land gezogen, hinter dem auch fast alle anderen Top-Klubs der Liga her waren. Zuletzt hatte vor allem auch der VfB Stuttgart seine Fühler nach ihm ausgestreckt.

Doch veredeln darf Toni Kroos (Porträt), ein wenig unerwartet nun Bayer Leverkusen. Zumindest bis 2010.

"Es war schon überraschend. Schließlich hatten wir in der Vergangenheit ja schon mehrfach bei Bayern München angefragt", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi gegenüber Sport1.de.

"Wir hatten das geistig schon abgehakt und nicht mehr dran geglaubt, ihn zu bekommen."

"Perspektive, die er sich wünscht"

Schließlich ist Leverkusen auch ein direkter Konkurrent der Bayern.

Trotzdem machte nun die Werkself das Rennen um den 19-Jährigen, Weil es Kroos selbst so wollte - eine Bestätigung auch für das gewachsene Positiv-Image des einstigen Pillen-Klubs unterm Bayer-Kreuz.

"Er weiß, dass wir ein junges hungriges Team haben. Und er hat seinen Schritt damit begründet", verriet Völler bei Sport1.de, "dass er bei uns die Perspektive hat, die er sich wünscht."

Wechsel auch wegen Sosa

Die hatte sich in München auch deshalb weiter verschlechtert, ließ Bayers Strippenzieher durchblicken, weil Bayerns Leihgeschäft mit Jose Ernesto Sosa geplatzt war. Keine echte Chance also für Kroos, im hochkarätig besetzten Mittelfeld des Rekordmeisters zum Zug zu kommen.

Nicht mal als Backup-Lösung schien der Kapitän der U-21-Nationalmannschaft mehr vorgesehen, der bei der U17-WM 2007 zum besten Spieler des Turniers gewählt worden war. Und dem Bayern-Manager Uli Hoeneß das Trikot mit der Nummer 10 versprochen hatte.

Dabei hatte Bayerns Ex-Regisseur Mehmet Scholl einst über Kroos gesagt: "Der muss immer spielen. Ich habe noch nie einen offensiven Mittelfeldspieler mit seinen Qualitäten gesehen, der dazu in diesem Alter schon so weit ist."

Scholls Worte unerhört

Kroos fiel jedoch durchs Raster, abgesehen von einigen wenigen Sternstunden: So rettete der damals 17-Jährige den Bayern im Oktober 2007 in der UEFA-Cup-Gruppenphase mit seinem Treffer in der Nachspielzeit ein 3:2 bei Roter Stern Belgrad.

Gerade mal zwölf Partien in der Vorsaison sowie sieben in dieser (nur zweimal von Anfang an) brachten die Entwicklung des gebürtigen Greifswalders zum Erliegen.

Das gestanden sich nun offenbar auch die Bayern ein - und gaben grünes Licht für das eineinhalbjährige Leihgeschäft mit den Rheinländern. (Leverkusen holt Toni Kroos)

Vorkaufsrecht und Ausbildungsentschädigung

Das bedeutet laut Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser auch: Sollten die Bayern bereits nach dieser Saison Kroos zurück haben wollen, bekommt Leverkusen eine Ausbildungsentschädigung. Sonst läuft der Leihvertrag bis 2010 weiter.

Und: Wollen die Münchner den 19-Jährigen dann nicht mehr, hat der Werksklub ein Vorkaufsrecht.

Bislang hatten die Münchner alle Anfragen abgelehnt. Ungeachtet auch der Kritik von Kroos' Vater Roland, der sich in der sich in der Öffentlichkeit mehrfach über das Reservisten-Dasein seines Sohnes beschwerte.

"Nein" noch in Dubai

Noch im Wintertrainingslager in Dubai hieß es von den Münchnern, Kroos solle bleiben und sich durchbeißen.

Doch das will er nun lieber in Leverkusen. Und Bayer-Trainer Bruno Labbadia, ohnehin ein Förderer junger Akteure, traut Kroos einen Stammplatz zu: "Er hat das Talent dazu. Aber er weiß natürlich auch, dass bei uns gerade im Mittelfeld eine große Qualität ist."

Und dennoch: Gerade die Position hinter den Spitzen ließe sich besser interpretieren, als es derzeit Arturo Vidal tut.

Baumjohann vor die Nase

Im Moment will Kroos, dem bei Bayern mit Alexander Baumjohann kürzlich noch ein weiteres Talent vor die Nase gesetzt wurde, erst mal fit werden, er laboriert an den Folgen einer Sprunggelenksverletzung. Dann will er als Profi endlich richtig durchstarten.

Am Montag wird Kroos auf die DFB-Transferliste gesetzt, am Dienstag ist sein erster Arbeitstag bei Bayer. Der Rohdiamant treibt seine Veredelung voran.

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