Problem-Paket trübt die Dortmunder Stimmung
Von Reinhard Franke und Martin Hoffmann
München - Marco Reus wirkt ein wenig, als wolle er von der Ferne aus die Hand auflegen.
In der Nationalmannschaft trumpfte der Dortmunder mit zwei Toren beim 6:1 in Irland auf. Die gute Stimmung, in der er gerade schwelgt, würde er offensichtlich gerne auf seinen Klub übertragen.
"Wir werden kommen, wir können noch viel mehr", meint der Offensiv-Wirbler zur Lage bei Borussia Dortmund. Er sehe sie "gar nicht so negativ, wie es dargestellt wird."
Positiv-Parolen gegen eine Lage, die so positiv nicht aussieht: Sorgen bestimmen in der Länderspielpause das Bild beim Meister.
Holperstart und Sorgen
Holperstart in der Liga, Platz vier und schon neun Punkte hinter dem FC Bayern - und dazu ein ganzes Paket personeller Sorgen:
Eine Fülle von Problemen trüben die positive Anspannung im Vorfeld auf das Derby gegen Schalke 04 am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) und die beiden Kracher in der Champions League gegen Real Madrid.
Trainer Jürgen Klopp wirkte zuletzt nicht umsonst angespannt bis dünnhäutig.
Stimmungsbarometer sinkt
Vor einer Woche beim Spiel in Hannover (1:1) sank das Stimmungsbarometer deutlich. Jakub Blaszczykowski musste in der 39. Minute mit schmerzverzerrtem Gesicht ausgewechselt werden.
Die BVB-Festwochen mit den drei wichtigen Spielen gegen die Königsblauen und gegen die Königlichen werden komplett ohne den Polen stattfinden.
"Der Zeitpunkt ist blöd, weil ich gerade gut in Form war", sagte Blaszczykowski im "kicker", "aber wenigstens komme ich um eine Operation herum." Ein Trostpflaster, mehr nicht.
Kubas Ausfall reißt großes Loch
Sechs Wochen wird der 26-Jährige seinem Team fehlen - und das Loch, dass Blaszczykowski reißt, ist groß. Der nimmermüde Flügelflitzer wurde in der jüngsten Vergangenheit immer mehr zur Triebfeder für das Dortmunder Angriffsspiel. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Auf sein Konto gehen inzwischen saisonübergreifend sage und schreibe zehn Tore und 14 Assists. Auch defensiv konnte Klopp zuletzt stets zufrieden sein mit Blaszczykowski.
Lediglich bei einem Spiel saß der Pole in dieser Saison auf der Bank, prompt setzte es eine 2:3-Niederlage beim Hamburger SV.
Auch Sorgen um Hummels, Bender und Großkreutz
Mit Mats Hummels und Sven Bender drohen gegen Schalke zwei weitere Leistungsträger auszufallen. Hummels sagte die beiden Länderspiele aufgrund einer Fußprellung ab und Bender plagt sich seit dem Hannover-Spiel mit einer Augapfel-Prellung herum.
Dazu verschreckte unter der Woche auch noch Kevin Großkreutz den BVB: Der Mittelfeldmann zog sich beim 2:1-Testspielsieg in Koblenz eine Kapsel- und Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk zu.
Die Blessur soll Großkreutz allerdings nicht von den anstehenden Krachern abhalten, der Einsatz des Mannes, der dem S04-Derby wohl am meisten entgegenfiebert, soll nicht in Gefahr sein.
Unruhe wegen Schmelzer-Kritik
Zusätzliche Unruhe schürte ausgerechnet Bundestrainer Joachim Löw mit seiner bemerkenswert deutlichen Kritik an Marcel Schmelzer, die die BVB-Verantwortlichen ratlos zurückließ.
"Ich fand die Kritik komplett kontraproduktiv", betonte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in den "Ruhr Nachrichten": "Ich habe mich darüber geärgert und habe diesem Ärger auch deutlich Ausdruck verliehen."
In der "Welt" ergänzte Watzke, dass es "suboptimal" wäre, "einzelne Spieler", noch dazu "jüngere Spieler" öffentlich zu kritisieren: "Bei Borussia Dortmund vertreten wir grundsätzlich die Philosophie, dass wir unsere Spieler öffentlich stark reden."
Reus beruhigt die Kollegen
Schmelzers starke Leistung in Irland hat die Debatte beruhigt.
Und Nationalmannschaftskollege Reus ist zuversichtlich, dass der BVB auch den Rest der Negativstimmung mit guten Leistungen wieder vertreiben wird.
"Ich kenne unsere Mannschaft inzwischen gut und kann ihr Potenzial einschätzen", betont er.
Wenn Reus sich irrt und es eine Niederlage gegen die "Knappen" gibt, könnte es aber zum ersten Mal nach zwei Jahren ungemütlich werden im schwarz-gelben Lager.


