"Wollen den Etablierten weiter ein Bein stellen"
Von Reinhard Franke
München - Armin Veh galt oft als knorriger, verbissener Typ.
Doch Menschen verändern sich mit dem Erfolg. In Vehs Fall ist dies im positiven Sinn geschehen.
Der gebürtige Augsburger erlebte seinen Höhepunkt als Trainer 2007, als er völlig überraschend mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde.
Nach wenig erfolgreichen Stationen beim VfL Wolfsburg und Hamburger SV entschied sich Veh 2011 für ein Engagement eine Etage tiefer und ging zu Eintracht Frankfurt.
Dort kam für den 51-Jährigen der Erfolg zurück und Veh stieg mit den Hessen im Sommer in die Bundesliga auf.
Mit seinem Team ist er die Überraschung der Saison, die Eintracht steht nach sieben Spielen immer noch auf Platz zwei. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Veh bei SPORT1 über seine erfolgreiche Arbeit, Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen und Torwart Kevin Trapp.
SPORT1: Herr Veh, was sagt Ihnen das Jahr 1998?
Armin Veh: (lacht) Da wurde Kaiserslautern als Aufsteiger Deutscher Meister. Aber ganz ehrlich, damit bringe ich gar nichts in Verbindung. Das war etwas Sensationelles und einmaliges, aber da stelle ich wirklich keine Verbindung her.
SPORT1: Der Traumstart Ihrer Mannschaft hat aber auch etwas Sensationelles. Sie wirken bei aller Euphorie um Ihre Mannschaft sehr gelassen. Sind Sie wirklich so cool?
Veh: Man kann das gut zusammenbringen. Wenn man Bodenständigkeit besitzt, dann muss man die nicht irgendwo suchen, die hat man. Das andere nimmt man gerne mit, weil Sport ja auch sehr schnelllebig ist. Ich habe gar keine Lust, etwas herbeizureden, was passieren kann. Wir freuen uns einfach über die aktuelle Situation. Das entspricht auch unserer lockeren Spielweise, wenn wir das so hinkriegen.
SPORT1: Sie sagen immer wieder, dass die Mannschaft Perspektive besitzt. Welche?
Veh: Die Truppe hat Struktur, eine Altersstruktur, wo ich glaube, dass da noch Spieler dabei sind, die sich noch verbessern können. Du besitzt da eine Mannschaft, die auch längere Zeit zusammenspielen kann, wo du wenig neue Leute holen kannst. Du kannst nur mittelfristig planen und musst das Team so entwickeln, dass es länger zusammenbleibt und aus dem heraus besser werden kann. Das ist dann ein Vorteil.
SPORT1: Was sind weitere Gründe für den Erfolg der Eintracht?
Veh: Ich habe in der Vorbereitung schon gesehen, dass da eine Mannschaft ist, die von den Typen her gut zusammen passt, dass das gute Jungs sind und dass wir auch noch kicken können. Klar ist das einfacher, wenn der Erfolg da ist, aber in der Vorbereitung gab es ja noch keinen Erfolg. In der Bundesliga brauchst du auch Glück, aber wir können schon etwas.
SPORT1: Sie und Manager Hübner sind ein hohes Risiko gegangen, indem Sie nur Spieler aus der Zweiten Liga geholt haben. Klopfen Sie sich jetzt gegenseitig auf die Schulter?
Veh: Nein. Ich war überzeugt von den Spielern, weil sie auch das Alter dazu haben und ich sie in der Zweiten Liga jede Woche gesehen habe. Ich habe sie verfolgt, mehr wie zu der Zeit, als ich in der Bundesliga war. Und wenn man wie ich ein paar Jahre in dem Geschäft ist, dann sollte man schon erkennen, ob einer etwas kann.
SPORT1: Kevin Trapp ist so einer. Er hat die Eintracht-Ikone Oka Nikolov als Nummer eins abgelöst.
Veh: Mich überrascht das nicht. Er ist ein großes Talent und das reicht ja nicht, denn er ist ja Bundesligaspieler. Was mich dann schon überrascht, ist, dass er in seinen jungen Jahren schon eine Meinung hat, die er so rüberbringt, dass es nicht überheblich ist. Er ist kein Klugscheißer, sondern hat eine gute Mentalität. Die anderen Spieler, die ich schon hatte in der Zweiten Liga, haben sich weiter entwickelt wie ein Rode, ein Jung, ein Schwegler oder selbst ein Alex Meier mit 29 Jahren. Das freut mich, wenn ich so etwas sehe.
SPORT1: Es wirkt so, als ob Sie entspannter geworden sind. Täuscht der Eindruck?
Veh: Es gibt nicht so viele Vorteile, die du hast, wenn du älter wirst, aber du wirst auf jeden Fall erfahrener und ruhiger. Bei allem Ehrgeiz, den ich habe. Vor einem Spiel bin ich immer noch genauso aufgeregt wie vor 20 Jahren, das kann ich nicht abstellen.
SPORT1: Auch ein erfahrener Hase ist Ihr Boss, Heribert Bruchhagen. Wie ist Ihr Verhältnis?
Veh: Gut. Wir haben in viel mehr Dingen Übereinstimmung, als man das denken mag. Es gibt auch unterschiedliche Punkte, aber er hat eine gute Ironie und er ist ein cleverer Hund. Er kennt das Geschäft. Ob das eine Freundschaft ist, weiß ich nicht, die wird sich vielleicht mal entwickeln.
SPORT1: Herr Bruchhagen bezeichnet die Eintracht als Experiment. Sie auch?
Veh: Experiment von daher, dass wir ein paar Zweitliga-Spieler geholt haben. Ich habe ein Ziel gehabt: den Aufstieg. Und nun, dass wir die Klasse halten und dass die Truppe sich verbessern kann. Und das versuche ich umzusetzen mit meinem Stil.
SPORT1: Am Samstag kommt Hannover. Wird das besonders schwer?
Veh: Das ist ein guter Gegner, der sich international viel erarbeitet hat, in den letzten Jahren vieles richtig gemacht hat. Die haben gezeigt, dass man mit den Größeren mithalten kann, wenn man es richtig macht. Die sind ein Vorbild in der Hinsicht, dass man auch mit wenig Mitteln etwas erreichen kann, wenn man einen guten Job macht. Insgesamt im Verein, denn ein Trainer alleine darf sich nicht zu wichtig nehmen. Das Gesamtbild zählt und das hat Hannover gut hinbekommen. Wir sind Aufsteiger und da haben die uns noch etwas voraus. Wir wollen aber versuchen den Etablierten weiter ein Bein zu stellen.


