"Der Rekord wäre schön, aber..."
Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel
München - Dante Bonfim Costa Santos erscheint zum Interviewtermin mit einem großen Lächeln und frisch frisiert.
Fünf Minuten - inklusive Waschen, Föhnen, Eincremen - braucht der Brasilianer nach eigenen Worten, um seine lockige Haarpracht zu zähmen.
In der Bundesliga vermittelt er manchem Stürmer in ebenso schneller Zeit, was es heißt, gegen den Innenverteidiger des FC Bayern um jeden Zentimeter rangeln zu müssen.
Mit der Gewissenhaftigkeit eines Rangers im Nationalpark achtet der Neuzugang aus Gladbach darauf, dass keiner sein Revier betritt.
Das Resultat spricht für Dante und Jerome Boateng, seinen Partner in Münchens Abwehrzentrale: In sieben Spielen musste der Rekordmeister bisher nur zwei Gegentore schlucken.
Und die Roten scheinen derzeit Jagd auf Bestmarken zu machen ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Glückt ein Sieg in Düsseldorf (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), hätte der FCB zum Saisonstart achtmal in Folge gewonnen - Bundesliga-Rekord.
Im SPORT1-Interview spricht Dante, der an diesem Donnerstag seinen 29. Geburtstag feiert, über dieses Zwischenziel, seinen eigenen Start in München, Trainer Jupp Heynckes und verrät einen Wunsch seiner Frau.
SPORT1: Dante, im Oktober müssen Sie im Training in München schon etwas mehr laufen, um nicht zu frieren. Wie warm ist es denn derzeit in Salvador da Bahia, Ihrer Heimatstadt in Brasilien?
Dante: 30 Grad, ich habe erst vor kurzem mit meiner Familie telefoniert.
SPORT1: Wächst da im Herbst die Sehnsucht nach zu Hause?
Dante: Nein, das Klima ist ganz anders hier, ich bin aber schon ein paar Jahre in Europa und habe mich daran gewöhnt.
SPORT1: Und wie haben Sie sich eingelebt in München?
Dante: Ganz gut, meine Kinder sind in einem deutschen Kindergarten, sie sprechen schon besser Deutsch als ich (lacht). Meine Frau ist sehr glücklich hier. Es wird immer über die Weltklassespieler von Bayern gesprochen, aber es gibt hier im Verein noch viele andere Weltklasseleute - zum Beispiel in der Geschäftsstelle, das macht auch den Unterschied.
SPORT1: Die Entscheidung, beim FCB zu unterschreiben, war also richtig?
Dante: Ja, und ich hab noch eine Motivation, lang hier zu bleiben, weil es meiner Frau sehr gefällt. Die Stadt ist echt schön. Die Natur gefällt mir, wir wohnen etwas außerhalb, die Isar ist nah, außerdem die Seen und Berge. In München haben wir auch viel mehr Sonne als vorher in Gladbach (schmunzelt).
SPORT1: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat kürzlich gesagt: "Dante steht bombenfest, spielt extrem konzentriert". Zeigt dieses Lob, dass Sie auch sportlich auf dem richtigen Weg sind?
Dante: Na klar. Wenn ein wichtiger Mann im Verein genau das sagt, bin ich total zufrieden. Das freut mich, aber ich muss auf dem Boden bleiben, mein Weg ist noch lang.
SPORT1: Was verlangt FCB-Trainer Jupp Heynckes von Ihnen als Innenverteidiger?
Dante: Er hat gesagt, dass ich in Gladbach viel auf dem Platz gesprochen und organisiert habe, das soll ich auch bei Bayern machen. Ich soll viel mit den Kollegen reden und wir sollen uns gegenseitig motivieren.
SPORT1: Die Bayern-Defensive hat in der Liga erst zwei Gegentore bekommen. Ist die Kommunikation mit Jerome Boateng dennoch ausbaufähig?
Dante: Ich habe einen super Eindruck von Jerome, er ist robust, schnell und kann am Ball technisch alles machen. Ich spreche jeden Tag im Training mit ihm, damit unsere Abstimmung und das Gefühl für den anderen immer besser werden.
SPORT1: Sie arbeiten seit drei Monaten mit Jupp Heynckes zusammen. Wie würden Sie den Trainer beschreiben?
Dante: Für ihn ist es wichtig, uns klarzumachen, wann wir stören müssen, wann wir ruhig bleiben müssen. Es macht auf jeden Fall Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten.
SPORT1: Wenn der FC Bayern in Düsseldorf gewinnt, würde er Geschichte schreiben. Acht Siege zum Saisonstart sind noch keinem Team gelungen, das wäre ein schönes Ziel, oder?
Dante: Der Rekord wäre schön, ganz klar. Wir brauchen dafür ja nur noch ein Spiel. Der Rekord sagt aber nichts aus. Wenn wir zum Beispiel die 15 ersten Spiele alle gewinnen und den Rest verlieren, werden wir auch nicht Meister. Der Rekord ist nicht unser Hauptziel, sondern immer weiterzugewinnen und am Ende die Schale hochzuhalten.
SPORT1: Fortuna hat bisher erst drei Gegentore hinnehmen müssen, wie schätzen Sie den Aufsteiger ein?
Dante: Ich denke, dass das ein Aufsteiger mit sehr viel Motivation ist. Sie spielen sehr gut und sehr kompakt, sie haben deshalb nur wenige Gegentore kassiert. Wir brauchen auf jeden Fall eine Topleistung dort, um zu gewinnen.
SPORT1: David Alaba hat nach seiner Verletzungspause für Österreich bereits wieder ein starkes Länderspiel gezeigt. Alaba ist für die Position als Linksverteidiger vorgesehen. Wenn er zurückkommt, wird der Konkurrenzkampf, auch im Zentrum extrem hart. Holger Badstuber möchte bekanntlich auch wieder in der Mitte spielen.
Dante: Ich freue mich, dass David zurückkommt, er ist sehr gut für unser Team, der Junge hat eine sehr hohe Qualität. Wir brauchen auch jeden in dieser Saison. Es wird dann eng, aber auch für den Trainer (lacht). Er muss entscheiden. Wir freuen uns, wenn alle fit sind, und auch Arjen (Robben, Anm. d. Red.) und Mario (Gomez, Anm. d. Red.) zurückkommen.
SPORT1: Denken Sie, es hat Auswirkungen auf den Teamgeist, wenn Spieler mal länger auf der Bank sitzen müssen?
Dante: Das ist klar, wenn einer lange Zeit nur Ersatz ist, ist er auch mal einen Tag sauer oder so. Wir wissen um diese Situation, wir sind hier bei Bayern München und haben 22 Topspieler. Entscheidend ist, dass wir unser Ziel erreichen. Denn dann sagt keiner mehr: Ein Spieler hat zehn Spiele gemacht und der andere nur 15 oder 20.
SPORT1: Was würde es Ihnen bedeuten mit dem FCB Meister zu werden und den Fans die Schale am Marienplatz präsentieren zu können?
Dante: Es ist logisch, dass wir alle hier im Verein wieder am Marienplatz stehen wollen. Doch wir müssen ruhig bleiben. Ich finde es positiv, dass wir immer wieder selbstkritisch sind, uns selbst motivieren und die Gegner respektieren. Der Titel ist unser Traum, aber wir haben erst sieben Spieltage hinter uns und sollten jetzt nicht so viel darüber sprechen.


