Stevens fordert von Schalke das nächste Level
Von Eric Böhm und Martin Volkmar
München - Die Stimmung erinnert an das glorreiche Jahr 1997: Statt Giftpfeilen fliegen vor dem großen Lokalduell nur Respektsbekundungen im Ruhrpott hin und her.
Wie im Jahr der Europapokaltriumphe ist die Stimmung zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) vor dem Kracher auffallend harmonisch (DIASHOW: Die Historie des Revierderbys).
Da will sich Schalkes Manager Horst Heldt an "Dortmunds Arbeit orientieren", und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke lobt bei SPORT1 die "klasse Jungs" des Erzrivalen.
Aus Pleiten gelernt?
Auf dem Rasen im Dortmunder Hexenkessel wird es mit den Freundlichkeiten aber schnell vorbei sein, schließlich haben beide Teams etwas gutzumachen.
Während Dortmund personelle Probleme und ein suboptimaler Saisonstart plagen, wollen die Schalker endlich wieder einen Großen schlagen.
Die vergangenen fünf Spiele gegen den FC Bayern und den Doublesieger BVB wurden nach teils extrem schwachen Leistungen verloren - es gelang dabei nur ein Treffer.
"Ich gehe jedes Spiel neu an. Aber man lernt natürlich aus jeder Erfahrung dazu. Wir werden versuchen, die gleichen Fehler nicht zu wiederholen. Das ist für mich das Wichtige", erklärt Trainer Huub Stevens bei SPORT1.
S04 könnte BVB auf Distanz halten
Obwohl der Niederländer mit Blick auf den Titelkampf betont, "Bayern und Dortmund sind wieder die Favoriten", will er mit seiner Mannschaft nachweisen, dass "der Unterschied kleiner geworden ist".
Die Voraussetzungen scheinen günstig. Die "Knappen" haben trotz unglücklicher Punktverluste in Hannover und Düsseldorf (jeweils 2:2 nach Führung) ihren besten Start seit zwölf Jahren hingelegt.
Bei einem Sieg im 1500. Bundesliga-Spiel der Vereinsgeschichte könnte der Tabellendritte den direkt dahinter rangierenden Titelverteidiger sogar um fünf Punkte distanzieren ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Wir gucken nicht nach anderen Mannschaften. Wir müssen uns auf unsere Leistungen konzentrieren. Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Für mich ist deshalb nur unsere Entwicklung wichtig", wiegelt Stevens ab.
K-Frage bleibt spannend
Die spannendste Frage im Vorfeld des insgesamt 141. Derbys betrifft auf Schalke das Torhüter-Karussell.
Routinier Timo Hildebrand, der sich vor der Saison den Platz im Kasten erkämpft hatte, ist wieder fit. Der junge Konkurrent Lars Unnerstall spielte jedoch zuletzt immer stärker. Auch auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie ließ sich der Cheftrainer nicht locken.
Stevens wird seine Nummer eins erst kurzfristig bekanntgeben, kündigt aber eine "faire Entscheidung" an. Der Verlierer wird sich dann wohl bis zum Winter auf der Bank einrichten müssen.
Papadopoulos fehlt
Im Feld besteht noch Hoffnung auf einen Einsatz von Julian Draxler. Der 19-jährige Ur-Schalker will nach seinem Unterarmbruch mit einer Spezialmanschette unbedingt spielen, kommt aber nach Lage der Dinge nur als Joker in Frage.
Abwehrturm Kyriakos Papadopoulos, dessen Viruserkrankung zu langsam abklingt, muss definitiv zuschauen. Kapitän Benedikt Höwedes wird also mit Joel Matip die Innenverteidigung bilden.
Afellay als Hemmungslöser?
In der - bei aller Herzlichkeit - vermutlich sehr hitzigen Atmosphäre werden wohl Jefferson Farfan und Ibrahim Afellay Torjäger Klaas-Jan Huntelaar flankieren.
Für den zuletzt formverbesserten Niederländer Afellay wird es das erste Duell mit dem BVB. Gemeinsam mit seinen Offensiv-Kollegen wird er besonders gefordert sein.
In den vergangenen Derbys sahen Lewis Holtby, Huntelaar und Co. regelmäßig kein Land und kamen kaum einmal gefährlich vor das schwarz-gelbe Gehäuse. Der sonst so spielfreudige Angriff wirkte mental blockiert.
Stevens spielt Bedeutung herunter
Stevens versucht jedoch, die Schärfe aus der Partie zu nehmen und damit auch den Druck auf sein gelegentlich psychisch anfälliges Team zu reduzieren.
Im Vorfeld des Heimspiels gegen den FC Bayern (0:2) gingen die Königsblauen verbal in die Offensive, bekamen dann aber kein Bein auf die Erde. Diese Lektion wurde offenbar gelernt.
"Ich glaube in erster Linie ist es etwas ganz Besonderes für unsere Fans. Für mich als Trainer ist jedes Spiel wichtig. Ich muss immer sehen, dass ich meine Mannschaft so gut wie möglich einstelle und vorbereite", meint der 58-Jährige.
Jones bleibt cool
Sogar der hitzköpfige Abräumer Jermaine Jones hat die Taktik der leisen Töne verinnerlicht. Entsprechend nüchtern bewertet er das erste Wiedersehen mit Marco Reus seit dem üblen Foul am damaligen Mönchengladbacher im Pokal-Achtelfinale der vergangenen Saison.
"Für mich ist die Sache abgehakt, ich denke, für Marco auch. Und generell sollten wir uns nicht zu sehr in das Spiel hineinsteigern. Dortmunds Erfolge erkennen wir voll an", sagt Jones.


