Kritiker-Frust statt Rekordlust
Von Martin Hoffmann
München - Der Rekord? Ach.
Man braucht Jupp Heynckes nicht kommen mit dem Thema Start-Bestmarke, mit der Möglichkeit, dass sein FC Bayern als erstes Team der Bundesliga-Geschichte den achten Sieg im achten Spiel feiern kann.
"Rekorde bedeuten mir überhaupt nichts", sagt Heynckes auf der Pressekonferenz vor dem Gastspiel bei Fortuna Düsseldorf (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER): "Die sind für Lexika, für die Statistik."
Dem Trainer des Rekordmeisters ist nicht nach Bestmarken-Huberei, er versucht den Blick auf das zu richten, was dahinter steht: "Hochkonzentriertes Arbeiten." ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Länderspiel-Ärger abstreifen
Heynckes hat in dieser Woche beobachten können, wie schnell alle Euphorie dahin sein kann, wenn eine Fußballmannschaft genau das vergisst.
Das 4:4 der Nationalmannschaft gegen Schweden beschäftigt den Bayern-Trainer, schon allein deshalb, weil es zu einem guten Teil seine Spieler waren, die den Vier-Tore-Vorsprung verspielten.
Von großen Nachwirkungen will Heynckes allerdings nichts wissen.
"Das wird nicht das große Problem sein", glaubt der Coach: "Das muss ein Profi abstreifen. Man muss wieder zum Tagesgeschehen übergehen."
Kein Verständnis für Neuer-Kritik
Heynckes betonte das in besonderem Maße bei Manuel Neuer, der nach Heynckes Auffassung ohne irgendeinen Knacks zurück nach München gekehrt ist: "Er war super drauf."
Sein Coach stellt sich vor den Keeper und gegen die Kritik, die nach seiner missglückten Vorstellung im DFB-Team auf ihn eingeprasselt ist.
"Manuel muss das ganz nüchtern aufnehmen", so Heynckes: "An zwei Szenen war er vielleicht nicht ganz so glücklich beteiligt. Aber ihn dann in Frage stellen - dafür habe ich kein Verständnis."
Es gebe offenbar "nur noch Extreme in der Beurteilung von Spielern".
Experten "die zu wenig Kenntnis haben"
Überhaupt schienen die Nachwehen des Länderspiels für Heynckes ein willkommener Anlass für Medienschelte, die er sich, wenn es um die eigene Arbeit geht, wo das Ganze dann wie ein Abwehrreflex anmutet, eher erspart.
Mit Blick auf das Länderspiel kritisiert Heynckes aber ein namentlich genanntes Medium, das den Nationalspielern unfaire Noten gegeben hätte.
Und moniert, dass zu dem Thema zu viele vermeintliche Experten sprechen, "die zu wenig Kenntnis haben".
Konsequenterweise sagt Heynckes dann selbst auch nichts über das Spiel: "Was passiert ist, muss der Bundestrainer aufarbeiten."
Kein Kommentar zur eigenen Zukunft
Ebenso schmallippig ist Heynckes, als ein anderes ungeliebtes Thema kommt: Die von Uli Hoeneß soeben wieder angeschnittene Frage seiner Zukunft nach 2013.
Er habe mit FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge "eine ganz klar Vereinbarung, dass wir uns spätestens im Frühjahr zusammensetzen werden. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen."
Fällt Dante raus?
Lieber redet er über seine eigenen und aktuellen Baustellen.
Über die Frage etwa, ob er in Düsseldorf seine Abwehr umstellen will, weil Dante unter einer Kniestauchung leidet und Linksverteidiger David Alaba für Österreich im Länderspiel geglänzt hat.
Er wolle abwarten, so Heynckes: "Grundsätzlich ist kein Bereich von der Rotation ausgeschlossen."
Geduld bei Robben gefragt
Und dann ist da noch das Dauerthema Arjen Robben und die rätselhafte Muskelverletzung, die ihn seit drei Wochen schachmatt setzt.
Robben selbst erklärte in der "Bild", dass die Sache "einfach frustrierend" sei.
Heynckes bleibt da nur das Offensichtliche auszusprechen: "Man braucht Geduld."
Massage für Ribery
Sorgen um die Einsatzfähigkeit Robbens Flügelpartner Franck Ribery zerstreut Heynckes.
Dass der am Donnerstag nur Lauftraining bestritt, sei eine schlichte Reha-Maßnahme nach dem kräftezehrenden Länderspiel der Franzosen in Spanien gewesen.
Und wenn ihn wirklich wieder eine Blessur plage, "dann wird er von mir massiert".


