

Magische Bayern bekommen Champagner-Verbot
Von Christian Stüwe
München - Am Ende waren es die Verlierer, die feierten.
Die Fans von Fortuna Düsseldorf bejubelten ihre Mannschaft noch lange nach Abpfiff, die Spieler von Trainer Norbert Meier liefen sogar noch eine Ehrenrunde.( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Die Bayern hingegen, die der Fortuna beim 5:0 ( Bericht) eine Lehrstunde erteilt und den Startrekord der Bundesliga gebrochen hatten, waren äußert bemüht, erst gar keine Feierstimmung aufkommen zu lassen.(DIASHOW: Der 8. Spieltag)
"Wir haben mit dem achten Sieg in Folge einen Startrekord hingelegt, es wird trotzdem auf dem Flug zurück nach München aber keinen Champagner geben", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge streng.
Doch die Zahlen sind eindrucksvoll. Fünf Punkte beträgt der Vorsprung auf den Tabellenzweiten Eintracht Frankfurt, Schalke folgt mit sieben Zählern, auf den großen Rivalen Borussia Dortmund sind es bereits zwölf Punkte.
"Wir müssen weitermachen"
"Wir werden aber keine Schadenfreude Richtung Dortmund zeigen. Wir müssen weitermachen", stellte Rummenigge klar.
Die Mannschaft scheint dies verinnerlicht zu haben.
Der zweifache Torschütze Thomas Müller nannte das Länderspiel am Dienstag gegen Schweden, bei dem die DFB-Elf einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt hatte, als warnendes Beispiel.
"Wir sind uns durch die vergangenen zwei Jahre bewusst, dass wir schön auf dem Teppich bleiben müssen", erklärte Müller: "Letztes Jahr hatten wir auch eine gute Phase im Herbst und es hat dann nicht gereicht. Deswegen werden wir Spiel für Spiel weiterarbeiten."
Einen solch dominanten Eindruck wie in dieser Saison hinterließen die Bayern aber in keiner der beiden letzten Spielzeiten.
Blick geht Richtung Lille
Das Torverhältnis von 26:2 belegt dies eindrucksvoll. Besonders die Offensive spielt derzeit überragend.
Der bärenstarke Franck Ribery war praktisch an allen Toren beteiligt und hatte die meisten Ballkontakte (110) aller Spieler.
Mario Mandzukic erzielte sein siebtes Saisontor, Müller hat nach den Treffern fünf und sechs nur einen weniger als in der kompletten letzten Saison auf dem Konto.
Rafinha wird gefeiert
Selbst der kurz vor Schluss eingewechselte Rafinha trug sich noch in die Torschützenliste ein und feierte seinen Treffer mit einem Salto.
"Wie die Mannschaft Rafinha nach seinem Tor gefeiert hat - das ist etwas, was im Moment das Innenleben der Mannschaft widerspiegelt", sagte Heynckes bei LIGA total!.
"Wir sind stark, die Stimmung ist gut und alle sind fit", sagte auch Ribery und blickte gleich nach vorne: "Wir müssen nun gut regenerieren für Dienstag."
Denn stehen die Bayern beim OSC Lille in der Pflicht, Wiedergutmachung für die bisher einzige Pflichtspielniederlage der neuen Saison in der Champions League gegen BATE Borissow zu leisten.
Schweinsteiger: "Müssen nachlegen"
Von möglicher Langeweile in der Liga wollte deshalb auch Bastian Schweinsteiger vor dem richtungweisenden Spiel in Frankreich nichts wissen. "Da müssen wir nachlegen. Wir müssen uns weiter von Spiel zu Spiel durcharbeiten", sagte der Nationalspieler und nannte einen Grund für die Siegesserie:
"Wir haben verstanden, dass die Defensivarbeit vorne beginnt. Das ist der Unterschied zur vergangenen Saison."
Denn auch die Abwehr der Münchner steht sicher. Gegen die harmlose Fortuna ließ der Rekordmeister über 90 Minuten keine echte Torchance zu.
"Das hat mir besonders imponiert", meinte Heynckes, der die Art und Weise des Sieges "überragend" fand.
Rummenigge freut der Rekord
Der Startrekord hingegen spiele für ihn keine Rolle, hatte der Trainer bereits vor dem Spiel gesagt.
Und so hatte Rummenigge an einem fast perfekten Nachmittag der Bayern zumindest noch einen Grund, Heynckes zu widersprechen.
"Auch wenn der Trainer gesagt hat, der Rekord interessiere ihn nicht, freue ich mich schon sehr darüber", sagte der Vorstandschef.
Meier: Bayern kein Maßstab
Wenig Grund zur Freude hatten die Verantwortlichen der Fortuna, aber sie wussten die Niederlage richtig einzuordnen.
"Die Bayern waren sehr konzentriert und sehr ballsicher. Wir haben es nicht geschafft, sie zu stören. Wir dürfen dieses Spiel nicht als Maßstab anlegen", sagte Trainer Norbert Meier, der mit Blick auf das nächste Spiel gegen Schlusslicht VfL Wolfsburg forderte: "Wir müssen den Mund abputzen und weitermachen."


