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Bremens Özil hadert - wie dahinter auch Frings und Mertesacker © imago

Der Titelzug ist abgefahren, ein Platz fürs internationale Geschäft scheint unmöglich: Bremen versagt gegen Bielefeld an allen Fronten.

Von Tobias Schneider

München - Die Erinnerung ist noch präsent an diesem legendären Tag im September 2007:

Es war der 9. Spieltag, als Bielefeld beim Gastspiel in Bremen mit 1:8 gedemütigt und gnadenlos auseinander genommen wurde.

8:1 - es war der höchste Werder-Heimsieg in der Vereinsgeschichte.

Von der Form der Saison 2007/2008 sind die Hanseaten aber inzwischen Lichtjahre entfernt.

Das 1:2 gegen Bielefeld (zum Spielbericht) markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer miserablen Saison.

Im Niemandsland der Tabelle

Bremen verharrt mit 26 Punkten weiter auf Rang zehn, der Abstand zur Tabellenspitze ist bereits auf 12 Zähler angewachsen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir wollten die schlechte Hinrunde vergessen, doch der Schuss ging nach hinten los. Nichtsdestotrotz werfen wir die Flinte nicht ins Korn", übte sich Werder-Manager Klaus Allofs nach Spielende in Zweckoptimismus.

Oder sind das bereits Durchhalteparolen? "Noch ist es viel zu früh, alle Hoffnungen zu begraben", verkündete Sportdirektor Klaus Allofs. Aber doch fällt schwer, an eine Trendwende zu glauben.

Meisterschaft ade

Einmal mehr erwiesen sich die Bremer im Kampf um einen Platz im internationalen Geschäft als heillos überfordert. Was die Champions-League-Qualifikation angeht, ohnehin.

Das Thema Meisterschaft ist an der Weser endgültig abgehakt: "Ich bin Realist. Ich kann doch nach so einer Niederlage nicht von der Champions League reden", meinte ein sichtlich geknickter Allofs.

"Wir wollen einfach nur das nächste Spiel gewinnen." Aber selbst das scheint derzeit nicht wirklich realistisch, wenngleich der kommende Kontrahent Schalke ebenfalls arg kriselt.

Schwierige Personalsituation

Gegen Bielefeld machte sich bei Bremen das Fehlen wichtiger Stammkräfte wie Naldo, Diego und Claudio Pizarro eklatant bemerkbar:

Das neu formierte Innenverteidiger Duo Mertesacker/Niemeyer strahlte alles andere als Sicherheit aus.

Im Mittelfeld wird Spielmacher Diego, der immer für einen Geniestreich gut ist, schmerzlich vermisst. Im Sturm fehlt ohne Pizarro die Durchschlagskraft.

Keine Mittel gefunden

Auffällig war die Ohnmacht im Bremer Spiel. Gegen diszipliniert spielende Bielefelder fehlten den Hausherren die Mittel, vieles wirkte konzeptlos und undurchdacht.

Kapitän Torsten Frings, als Leitwolf gefordert, erwischte abermals einen rabenschwarzen Tag und verschuldete zu allem Überfluss das 1:2 durch einen kapitalen Ballverlust.

Das Zepter nahm der 31-Jährige auf dem Rasen zu keiner Zeit in die Hand.

Keine Kritik am Schiedsrichter

Pech für Werder: Zwei Mal verwehrte der Schiedsrichter den Hanseaten einen berechtigten Elfmeter.

Die Werder-Verantwortlichen verzichteten aber in weiser Voraussicht darauf, dem Unparteiischen Babak Rafati die Schuld an der Niederlage in die Schuhe zu schieben.

Schließlich sollte selbst eine von Personalsorgen gebeutelte Werder-Mannschaft dem Bielefelder Underdog spielerisch überlegen sein.

Schaaf suchte die Gründe für das Versagen daher in den eigenen Reihen.

"Wir haben zu wenig gezeigt. Es war zwar viel Bewegung in unserem Spiel, aber leider ohne Tempowechsel. Wir haben den Gegner einfach nicht gestört", analysierte der Werder-Coach kühl.

Erleichterung in Bielefeld

Während in Bremen nach dem erneuten Tiefschlag Tristesse eingekehrt ist, herrscht in Bielefeld Freude und Erleichterung - schließlich war es der erste Auswärtssieg seit 25 Partien.

Obendrein hat Arminia mit nunmehr 17 Punkten die Abstiegsregion verlassen.

"Wir haben bedingungslos gekämpft und leidenschaftlich gespielt. Jetzt hört endlich das Gerede darüber auf, wie lange wir auswärts nicht mehr gewonnen haben," sagte Arminen-Coach Michael Frontzeck.

Mittelfeldspieler Oliver Kirch brachte die Stimmung im Team auf den Punkt:

"Der Sieg war brutal wichtig, er zeigt, wo es in der Rückrunde langgehen kann. Es war eine Befreiung für die Fans, aber auch für uns. Ich denke, wir sind der Gewinner des Spieltages."

Und der Verlierer des Spieltags ist Werder Bremen.

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