

Der Club beschwört die kleinen Schritte
München/Nürnberg - Torlos, trostlos und am Ende ein Ergebnis, dass weder dem 1. FC Nürnberg noch dem FC Augsburg wirklich weiterhilft.
Nach dem 0:0 im fränkisch-schwäbischen Duell ( Spielbericht) sprach Club-Trainer Dieter Hecking mit sorgenvoller Miene vom Weg der "kleinen Schritte" aus der Krise.
Denn seine Mannschaft wartet seit fünf Spielen auf einen Sieg und drei Begegnungen auf einen Torerfolg (DIASHOW: Der 8. Spieltag).
"Der Wille war da, das Schiff wieder flott zu machen. Aber es fehlt uns derzeit die Durchschlagskraft nach vorn. Aber wir wollen unser Glück wieder erarbeiten", sagte Hecking nach seinem 150. Spiel als Nürnberger Coach.
Pleitenserie beendet
Zumindest bei den Fans macht sich bereits eine ausgeprägte Herbst-Depression breit. Nach dem Schlusspfiff hallten Pfiffe durch die Arena.
Hecking kann die Anhänger verstehen: "Sie haben ja auch lange Geduld mit uns gehabt. Acht Punkte aus acht Spielen - natürlich haben wir uns mehr versprochen."
Nach zuvor vier Niederlagen bremsten die Franken mit dem Punktgewinn zwar die Talfahrt, stecken aber weiter im Tabellenkeller fest ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Wir haben den Negativtrend ein bisschen durchbrochen. Es war kein gutes Spiel. Daran sieht man, wie verunsichert die Mannschaft ist", bestätigte Raphael Schäfer.
Sorgen um Schäfer
Der Keeper sorgte unfreiwillig für den nächsten Nackenschlag im Frankenland. Er musste wegen einer Achillessehnenblessur zur Halbzeit in der Kabine bleiben.
"Es ist eine alte Entzündung. Wir werden morgen die entsprechenden Untersuchungen machen und sehen, was genau los ist", konnte Schäfer noch nichts über die Schwere der Verletzung sagen.
Youngster Patrick Ratkowsky machte seine Sache als Vertreter bis auf eine grobe Unsicherheit bei einem hohen Ball gut.
Kapitän übt Kritik
Schäfer wollte sich trotz des gewonnenen Punktes aber nicht denen anschließen, die einen Schritt nach vorn gesehen haben wollten.
"Uns fehlt eine gemeinsame Spielidee. Wir sind immer eine Zehntelsekunde langsamer. Das macht häufig den Unterschied aus", analysierte der 33-Jährige.
Immerhin machte die ordentliche Abwehrleistung gegen biedere Augsburger Mut. Ersatz-Kapitän Hanno Ballitsch gab dann auch die entsprechende Marschroute für die nächsten Wochen aus.
"Am Ende müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Vieles ist spielerisch auf der Strecke geblieben. Die Defensive muss unser Grundstein sein. Dann klappt es auch vorn wieder mit einem Tor", meinte der Mittelfeldspieler.
Rollmann zufrieden
Augsburg (sechs Punkte) ist seit nunmehr drei Spielen ungeschlagen, wartet aber seit 1976 auf einen Sieg beim Club.
"Das ist ein gerechtes Ergebnis, obwohl wir in der zweiten Halbzeit die besseren Chancen hatten. Wenn wir eine nutzen, gewinnen wir das Spiel. Aber unser Weg geht weiter nach oben", meinte Augsburgs Torsten Oehrl.
Sein neuer Manager Jürgen Rollmann fühlt sich in der Rolle des Außenseiters wohl und will den Rest der Liga im Stile eines legendären Krimi-Stars aufmischen.
"Die Einstellung ist hervorragend. Bei uns stimmt sehr viel. Mit dem Columbo-Prinzip kann man gut fahren - unterschätzt werden und zuschlagen", sagte der ehemalige Torhüter.
Weinzierl hadert mit Möglichkeiten
Cheftrainer Markus Weinzierl war angesichts von weiterhin nur einem Saisonsieg und fünf Toren nicht ganz zufrieden.
"Wir haben zwei große Chancen in der zweiten Hälfte liegenlassen. Wir arbeiten von vorn bis hinten sehr gut gegen den Ball. Vorn müssen wir das Glück noch mehr erzwingen", haderte der junge Coach.


