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Willy Sagnol (l.) wurde 2006 Vize-Weltmeister mit der französischen Nationalelf © getty

Willy Sagnol fällt der Abschied vom Profifußball sehr schwer. Bayern-Manager Uli Hoeneß macht dem Franzosen ein Riesenkompliment.

Von Mathias Frohnapfel

München - Auf dem Fußballplatz hat Willy Sagnol schon zig Mal seinen Fans zum Abschied zugewunken.

X-mal eine kleine Verbeugung gemacht, wenn der FC Bayern auch mit seiner Hilfe den nächsten Sieg gelandet hatte. (DATENCENTER: Spielerprofil)

Jetzt hat sich der Franzose vom Fußball verabschiedet, vor zahlreichen TV-Kameras und Reportern an der Säbener Straße.

"Ich muss meine Karriere beenden, dabei habe ich alles probiert in den vergangenen 14 Monaten. Es ist eine Entscheidung des Köpers", sagte Sagnol.

Sachlich sollte das klingen an diesem Montagnachmittag und doch merkte man dem Franzosen mit jedem Satz mehr an, wie schwer ihm dieser Schritt fällt.

"Hätte gerne noch ein paar Jahre gespielt"

"Ich hätte gerne noch ein paar Jahre Fußball gespielt."

Auch die Münchner hätten den Vize-Weltmeister von 2006 nur allzu gern weiter die Außenlinie hoch- und runterspurten und tolle Flanken schlagen sehen.

Das mit gefühlten hundert "y" versehene langgezogene "Willyyyy" der Fans war längst das Markenzeichen des Abwehrspezialisten bei Auftritten in der Allianz Arena geworden.

Stattdessen jetzt die Sportinvalidität. Die Achillessehne und weitere Verletzungen zerstörten alle Comeback-Träume.

"Unser bester Transfer"

Uli Hoeneß litt mit. Der Manager, der damals selbst mit 27 Jahren das Profifußballspielen wegen Knieproblemenen aufgeben musste, kennt Sangols Situation ja aus eigener Anschauung.

"Er war einer der besten Transfers, den wir je gemacht hatten", machte Hoeneß Sagnol ein Riesenkompliment.

Denn der quirlige Außenverteidiger sei nun mal ein "perfekter Profi" und ein "sehr gutes Vorbild für die jungen Spieler" gewesen. 62988(DIASHOW: Sagnols Karriere)

"Ein Mensch mit Prinzipien"

Hoeneß hatte schon bald zu Sagnol einen eigenen Draht entwickelt. Und das nicht nur wegen des gemeinsamen Champions-League-Triumphs 2001 in Mailand.

Die wichtigsten Vertragsverhandlungen, berichtet der FCB-Manager, habe er stets mit Sagnol allein geführt. Einen Berater brauchten die beiden in den vergangenen acht Jahren für den besiegelnden Handschlag nicht.

"Die Gespräche mit ihm gingen nicht nur übers Geld. Da waren auch philosophische Sachen dabei", erklärt Hoeneß über die Kämpfernatur Sagnol.

Und plaudert zugleich aus, dass der Franzose manchmal ziemlich stur sein konnte. "Er ist ein Mensch mit Prinzipien."

Altintop als Sagnol-Ersatz

Für die Bayern kommt jetzt die Frage, wie sie Sagnol auf dem Fußballplatz ersetzen können. "Extrem schwierig", nennt Hoeneß dieses Vorhaben.

Die Nachfolgersituation und ob die Bayern noch einen Einkauf für Sagnol planen, schildert er auf Nachfrage von Sport1.de so:

"Es hängt alles davon ab, wie sich die Spieler zeigen, die jetzt auf der Position sind (Christian Lell bzw. Massimo Oddo, d. Red). Hamit Altintop kann auch auf der Position spielen, wie er mit der Türkei bei der EM gezeigt hat."

Aber: "Wir fühlen uns nicht furchtbar unter Druck. Wir werden gemeinsam mit Jürgen Klinsmann zu gegebener Zeit entscheiden. Unser Vorteil ist es ja, dass wir schon jetzt ein Gerüst für die kommende Saison haben."

Als Manager nach Monaco?

Sagnol wird die nächsten Monate in München bleiben, ehe er nach Frankreich ziehen möchte. Zuvor erwartet den letzten Münchner Champions-League-Sieger im Team noch eine Reihe von Untersuchungen, damit die Sportinvalidität festgestellt werden kann.

Kein leichter Weg. Doch Sagnol denkt bereits an das Plus an Zeit, das er nun seiner Familie widmen kann.

Die Pläne ab Sommer? Es gibt Spekulationen, dass er dann zu seinem alten Klub AS Monaco als Manager zurückkehren könnte. "Das ist zum Beispiel eine Möglichkeit", erklärt er.

Mehr wolle er zu dem Thema nicht sagen.

Das große "Au revoir"

Stattdessen spricht Sagnol mit etwas Wehmut über seinen baldigen Abschied aus München. Eins stehe jedoch fest: "Ein Teil meines Herzen wird immer hier bleiben."

Uli Hoeneß schaut ihn derweil auf dem Podium immer wieder an, ehe er ihm das ganz große "Au revoir" ("Auf Wiedersehen") verspricht.

Durch das "große Tor in der Allianz-Arena" wollen die Bayern laut Hoeneß Sagnol verabschieden. "Wir werden ja im Mai hoffentlich auch was zu feiern haben", kündigt der Manager an.

Meisterfeier und Servus aus München - das wäre auch ganz nach dem Geschmack von Willy Sagnol.

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