In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Die Bundesliga ist zurück - und alles bleibt anders. Verrückt. Unberechenbar. Ein bisschen durchgeknallt...

Der erste Wettkampftag in 2009 - eine erste, kleine Signalrakete.

Tendenzen nehmen Konturen an, Wahrscheinlichkeiten werden erhöht, Tempo wird aufgenommen. Und Brennpunkte erkennbar.

Werder im Winterschlaf

Brennpunkt Bremen: Die Pleite gegen Bielefeld konstatiert: Bei Werder geht allmählich nichts mehr. Platz 10, Winterschlaf, Niemandsland.

Schafft die Weser-Truppe die Qualifikation für das internationale Geschäft nicht, wird es ganz eng für die hanseatischen Kaufleute. Und zwar an allen Fronten. ad

Die Führungscrew um die Herren Born und Müller hört 2010 auf, der Versuch, Klaus Allofs zum Alleinherrscher zu machen und so von dem Wechsel zum FC Bayern abzuhalten, könnte scheitern.

Spielmacher Diego wird gehen. Pizzaro auch. Und dann?

Werder vor dem Kollaps.

Enttäuschung Königsblau

Brennpunkt Schalke. Mal wieder ein Spiel verschenkt, wieder nicht mit Herzblut gefightet. Königsblau ist eine einzige Enttäuschung.

Sechs Punkte Rückstand auf einen UEFA-Cup-Platz, neun auf die Championsleague-Qualifikation. Keine Linie, nirgendwo. Schalke versumpft.

Und nächste Woche kommt's zum Krisengipfel gegen Werder. Danach wissen wir, welcher einstiger Titeljäger für die nächsten Wochen in die Depression verfällt.

"Irgendwie geht es schon weiter"

Gefährlich: Bei beiden Klubs erkennt man keine Reißleinen-Mentalität. Die "irgendwie geht es schon weiter"-Denke herrscht noch vor.

Ganz ehrlich: Auch wenn man bei dieser Achterbahn-Liga keine Prognosen mehr abgeben sollte, aber bei Werder und Schalke ist die Saison schon vorbei. Die eigenen Ansprüche können nicht gehalten werden.

Bedeutet: Konsequent die Rückrunde zum Neuaufbau und Regeneration der Philosophie nutzen.

Sonst werden beide ein Dauerpatient.

Auch Gladbach ein Pflegefall

Brennpunkt Mönchengladbach: Eingekauft, durchgemixt, gehofft. Ergebnis. Null. Da nützt es auch nicht, dass Hans Meyer "68 Minuten mit System" gesehen hat.

Verloren ist verloren. Und bleibt verloren. Beim letzten Rettungsmanöver unter Trainer-Guru Dick Advocaat wurden ebenfalls Millionen investiert, der Klassenerhalt zwar geschafft, aber der Klub völlig ramponiert. Das Meyersche Maßnahmen-Paket erinnert fatal daran.

Schalke, Bremen, Gladbach ? die Pflegefälle der Liga. Aber es gibt auch Highlights!

Hertha: eine verschworene Truppe

Überraschung Hertha. Keiner spielt effektiver als Berlin. Nicht immer schön, aber erfolgreich. Und mit Biss.

Angeführt von Simunic kämpft sich die Hauptstadt-Dame von Spieltag zu Spieltag. Trainer Favre macht einen bemerkenswerten Job.

Die Hertha wirkt verschworen, selbstbewusst und uneuphorisch. Das könnte die Mischung schlechthin sein. Ich muss zugeben: Hertha hatte ich NIE auf dem Zettel, aber diese unaufgeregte Art Punkt auf Punkt einzufahren, erinnert an Bayern München.

Für mich ist die Hertha in jedem Fall dabei, wenn in dieser Saison um Trophäen oder Fußball in Europa geht. Respekt.

Arminia weiß, was sie will

Überraschung Bielefeld. Vor dem Start mit Trainer Michael Frontzeck verlängert, egal ob 1. oder 2. Liga, jetzt in Bremen gesiegt.

Klarer kann ein Bekenntnis nicht sein, und deutlicher kann eine Kampfansage an das Abstiegsgespenst nicht formuliert werden. So grau die Arminia in der Liga auch aussehen mag, so mutig hat man auf der Alm entschieden.

Wer weiß, was er will, wird belohnt im Fußball. Deshalb wünsche ich mir, dass Bielefeld auch in der nächsten Saison eine erstklassige Station im Wanderzirkus Bundesliga bleibt!

Jungstars unter sich

Überraschung Leverkusen. Alle wollten Bayern-Talent Toni Kroos, Leverkusen hat ihn.

Jetzt kickt unter dem Bayer-Kreuz (sorry, aktuell an der Düsseldorfer Kö...) eine echte Jungstar-Truppe mit einem Jungstar-Trainer Labbadia.

In "Düsselkusen" wächst was, eine Mannschaft mit langfristiger Perspektive. Ich kenne die Aufgabenverteilung im Management nicht so genau, aber das Duo Völler/Reschke überrascht mit einer konsequente Aufbau-Politik.

Vielleicht sollte Uli Hoeneß seinen Nachfolger am Rhein suchen...

Hoffenheim - schlicht, aber erfolgreich

Keine Überraschung: Hoffenheim. Als "gefühlter Tabellenachter" (Zitat Rangnick) muss man Cottbus zu Hause immer schlagen.

Die schlichte, unspektakuläre Art hat mir gut gefallen. Und die VIPs waren brav und pünktlich auf ihren Plätzen nach der Halbzeit. Sogar der Kaiser Franz Beckenbauer hat geklatscht.

Vielleicht hat sich die TSG doch abgekühlt. Eines steht fest: Wenn Hoffenheim gegen Hertha in der neuen Arena spielt, kauf ich mir ein Ticket. Vielleicht sehe ich dann den Überraschungsmeister 09.

In dieser Saison ist alles möglich. Sogar, dass die Bayern mal konstant gut bleiben. Oder werden.

Bis nächste Woche

Euer Toni Schumacher

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