

Ohne Oberkontrolleur Magath: VfL wirft Last ab
Düsseldorf - Die Worte "Felix Magath" vermied Diego, als würde alleine der Name böse Geister heraufbeschwören.
Meisterhaft zeigte der kleine Spielmacher des VfL Wolfsburg nach der Befreiung von einer Zentnerlast, wie man einen Menschen kritisiert, indem man dessen Nachfolger in den Himmel lobt.
"Lorenz ist sehr intelligent und respektvoll", sagte der Brasilianer nach dem 4:1 (0:0)-Erfolg bei Fortuna Düsseldorf ( Bericht) über Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner.
Noch bezeichnender war sein nächster Satz: "Wir hatten hier keine Angst, Fehler zu machen - das war wunderbar."
Die Einstellung, der Geist, alles sei völlig anders gewesen als unter "dem früheren Trainer", das sei "überragend".
"Wir haben 90 Minuten zusammengehalten, jeder hat gekämpft. Wir sind stolz, unseren Fans endlich wieder etwas geboten zu haben", sagte Diego bei LIGA total!
"Mister Lorenz" sei Dank.
( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Wölfe" wie von Last befreit
Die Trennung von ihrem einzigen Meistertrainer hat die Wolfsburger aus der Lethargie gerissen (DIASHOW: Der 9. Spieltag), der VfL verließ zudem durch den Erfolg Tabellenplatz 18.
Nur im Ansatz ließ sich erahnen, welche Fesseln am vergangenen Donnerstag im ganzen Klub gelöst worden sind.
Nach dem 2:0 sei "von vielen eine riesige Last gefallen", sagte Köstner, "man hat eine Befreiung gesehen".
Jedoch schob er hinterher: "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir das auch Felix Magath und seinem Trainerteam zu verdanken haben."
Köstner hofft auf Verbleib
Doch Felix Magath ist Vergangenheit. Die Gegenwart ist Lorenz-Günther Köstner.
Und der schwieg sekundenlang, als er gefragt wurde, ob er nicht weitermachen wolle.
Dann atmete der 60-Jährige tief durch, schüttelte den Kopf und sagte: "Was soll's? Lügen darf man nicht. Selbstverständlich ist es das Größte, in der Bundesliga zu trainieren."
Wer das einmal erlebt habe, wolle immer wieder dieses Gefühl spüren.
Trainerfrage noch nicht entschieden
Doch, das weiß Köstner ganz genau, über das Schicksal des Trainers wird in der Zentrale eines Weltkonzerns entschieden.
Da bringt es nichts, dass die VfL-Ultras ein Pro-Köstner-Transparent ("Mehr als eine Interimslösung") entrollten.
"Ich habe kein Problem damit, zurückzustecken, wenn VW andere Ziele verfolgt", das war der Satz aus Köstners Mund, der die Lage in Wolfsburg perfekt beschrieb.
Wer sonst sollte auch entscheiden, wenn nicht Francisco Garcia Sanz, VW-Vorstand und Vorsitzender des VfL-Aufsichtsrates, oder der (all)mächtige VW-Vorstandsboss Martin Winterkorn?
Sportdirektor, Manager, Herausgeber der Stadionzeitung sogar - das war ja alles Magath.
Köstner bleibt gelassen
"Schaun mer mal", sagte Köstner nur. Seine Visitenkarte jedenfalls hat er hinterlassen.
Nach vier Zu-Null-Niederlagen in Serie und 457 Minuten ohne Treffer erlösten Bas Dost (50./64.), Ivica Olic (53.) und Diego vom Elfmeterpunkt (78.) die zuletzt arg zahnlosen Wölfe.
Das Gegentor durch einen Foulelfmeter von Jens Langeneke (70.) steckte der VfL weg, ohne vor den 45.673 Zuschauern ins Wanken zu geraten.
Das war zumindest in dieser Saison eine neue Qualität.
Und es war ein Sieg, der nach stürmischen Tagen eine geradezu himmlische Ruhe verbreitet.
Eile herrscht in der Trainerfrage nun nicht, es sieht stark danach aus, als dürfe Köstner zumindest noch zwei Spiele als Cheftrainer genießen: Das Heimspiel im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten FSV Frankfurt und das folgende Ligaspiel beim 1. FC Nürnberg.
Dost vermisst Magath
Einer fand sich dann übrigens doch noch, der Felix Magath ansatzweise vermisst. "Er war ein großer Trainer", sagte Bas Dost, und "es war scheiße, wie er gegangen ist."
Wie genau diese Worte zu deuten waren, ließ der Torjäger offen.
Fortuna-Trainer Norbert Meier dagegen machte zu.
Krisengerede oder auch nur Ernüchterung wollte er trotz der 1:9 Tore aus zwei verlorenen Heimspielen (zuvor 0:5 gegen Bayern München) gar nicht erst aufkommen lassen.
"Bei uns bewahrheitet sich: Wir dürfen nach positiven Erlebnissen nicht denken, dass wir bereits etwas erreicht haben. Für uns geht es nur darum, die Liga zu halten", sagte er.
Am Mittwoch kommt es zum Pokalderby gegen Borussia Mönchengladbach.


